Klimawandel: Schmetterlinge weiten Lebensraum aus

Klimawandel: Schmetterlinge weiten Lebensraum aus
mdr.de: Eine internationale Studie von Forschenden aus Jena, Leipzig und Melbourne hat nun die bislang größte globale Analyse zu den Verbreitungsverschiebungen von Schmetterlingen vorgelegt. Das Ergebnis: 80 Prozent der Arten weiten ihre Areale aus – meist als Reaktion auf Klimawandel, Extremwetter und intensive Landnutzung.
Schmetterlinge gelten als Frühwarn-Indikatoren für Umweltveränderungen. Wenn sich ihre Verbreitungsgebiete verschieben, deutet das auf tiefgreifende Veränderungen ganzer Ökosysteme hin. Forschende aus Jena, Leipzig und Melbourne haben nun die größte globale Analyse zu Verbreitungsverschiebungen bei Schmetterlingen veröffentlicht. Analysiert wurden 1.758 Schmetterlingsarten in 105 Ländern.
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Die Studie zeigt erhebliche Veränderungen. 80 Prozent der untersuchten Arten haben ihr Verbreitungsgebiet ausgeweitet, sie kommen also nun in mehr Regionen vor als früher. Das klingt zunächst positiv, ist aber meist eher eine Ausweichreaktion: 79 Prozent der Veränderungen bei den Schmetterlingsverbreitungsgebieten stehen im Zusammenhang mit Klimawandel und Extremwetter. Einige Arten verkleinerten ihre Areale oder veränderten die Höhe, in der sie leben.
Erstaunliches Ausmaß der Veränderung
„Wir haben festgestellt, dass sich die Verbreitungsgebiete von Schmetterlingsarten auf allen Kontinenten verschieben“, sagt Erstautor Dr. Shawan Chowdhury. Chowdhury ist Alumnus von iDiv, der Universität Jena und des UFZ und arbeitet jetzt an der Monash University in Melbourne. „Das Ausmaß ist erstaunlich – und die Veränderungen finden nicht nur in den gut untersuchten Regionen Europas und Nordamerikas statt.“
Schmetterlinge seien Frühindikatoren, ergänzt Chowdhury: „Wenn sich ihre Verbreitungsgebiete derart dramatisch verändern, deutet das auf tiefgreifende Veränderungen in ganzen Ökosystemen hin.“
In Deutschland können sich aufgrund der klimatischen Veränderungen nun auch wärmeliebende Arten wie der Karstweißling und der Segelfalter verbreiten. Sie bringen teils mehrere Generationen pro Jahr hervor. Empfindliche Feuchtgebietsarten wie der Hochmoor-Perlmuttfalter hingegen geraten durch die Trockenlegung von Mooren und intensive Landnutzung unter Druck. Auch die Landnutzungsintensität ist neben dem Klimawandel ein entscheidender Faktor für die Veränderung der Schmetterlingsverbreitungsgebiete.
Forschende beklagen Datenlücken
Obwohl die Studie als sehr umfassend gilt, beklagen die Autoren fehlende Daten. Vor allem in Zentralafrika, Südostasien, Neuguinea und dem Amazonasbecken bestehen große Lücken – und das, obwohl diese Gebiete als Biodiversitätshotspots gelten. Man müsse die Monitoring-Bemühungen weltweit ausbauen und stärker koordinieren, fordern die Autoren. Nur so könne man sicherstellen, dass etwa Entscheidungen zum Naturschutz auf einer soliden Datenbasis beruhen… weiterlesen


