Mehr Invasoren im Reich der Tiere

Mehr Invasoren im Reich der Tiere
Aga-Kröta Foto: Bernard Dupont (CC BY-SA 2.0)

Mehr Invasoren im Reich der Tiere

Tiere in der Natur zu beobachten, macht Freude. Jedoch nicht immer: Immer häufiger entdecken Biologen dabei auch Arten, die in bestimmten Gebieten nicht heimisch sind. Dann schlagen sie Alarm. Denn das kann böse Konsequenzen zeitigen.

Gebietsfremde Arten sind Pflanzen, Tiere oder auch Mikroben, die absichtlich oder versehentlich durch menschliche Aktivität in Gebiete gebracht wurden, wo sie natürlicherweise nicht vorkommen. Viele davon gedeihen prächtig in der fremden Umgebung und vermehren sich stark. „Einige gebietsfremde Arten sind invasiv und wirken sich in ihren neuen Lebensräumen negativ auf die Umwelt, die Wirtschaft und die menschliche Gesundheit aus“, kommentiert diese Invasion der Wissenschaftspressedienst idw.

Am Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum in Frankfurt/Main nahm sich daher ein Team von Wissenschaftlern unter der Leitung von Dr. Hanno Seebens den ungeliebten Gästen in der Natur an. Denn: Weltweit zählen die Spezialisten mittlerweile bereits mehr als 18.000 dieser Eindringling.

Weltweit belaufen sich Schäden durch Fremdarten auf über 100 Mia. Dollar

„Eine Analyse der Roten Liste der Weltnaturschutz-Organisation IUCN hat gezeigt, dass bei 25 Prozent der ausgestorbenen Pflanzen und 33 Prozent der ausgestorbenen Land- und Süßwassertiere gebietsfremde Arten mitverantwortlich für das Aussterben waren. Die jährlichen Verluste durch die Umweltauswirkungen nicht-heimischer Arten in den USA, Großbritannien, Australien, Südafrika, Indien und Brasilien belaufen sich auf über 100 Milliarden US-Dollar“, erklärt Dr. Hanno Seebens.

Seebens ist Ko-Autor einer soeben im Fachmagazin Biological Reviews veröffentlichten Studie zu den globalen Auswirkungen invasiver Arten.

Die Forschenden aus zusammen 13 verschiedenen Ländern stellen in ihrer Studie fest, dass die Anzahl an gebietsfremden, teilweise invasiven Arten in besorgniserregendem Ausmaß zunimmt.

Kanadagans Tom Koerner USFWS CC BY 2.0
Kanadagans Foto: Tom Koerner, USFWS (CC BY 2.0)

Als Grund für die rasante Zunahme biologischer Invasionen nennen die Forschenden die steigende Anzahl an möglichen Verbreitungswegen sowie die damit verbundene Zunahme des globalen Verkehrs. Außerdem gäbe es viele neue mögliche Ausbreitungswege wie etwa der Online-Handel mit exotischen Tieren oder Plastikmüll, auf dem Arten die Ozeane überqueren können.
Darüber hinaus begünstigten andere Treiber des globalen Wandels, wie der Klimawandel, Landnutzungsänderungen oder der internationale Handel den massiven Anstieg invasiver Arten in fremden Gebieten. Arten, die beispielsweise auf Schiffen in neue Regionen gelangen könnten sich aufgrund des Klimawandels in der neuen Heimat problemloser vermehren. Außerdem entstünden durch die globale Erwärmung im Nordpolarmeer neue Schifffahrtsrouten, die den Transport von Meeresbewohnern zwischen dem Atlantischen und dem Pazifischen Ozean ermöglichen.

Stärkere Grenzkontrollen könnten Arteninvasion stoppen

Die Studie ist Teil der weltweiten Initiative „Zweite Warnung der Wissenschaftler*innen an die Menschheit“ , die darauf drängt, dass der Mensch sein Verhalten im Umgang mit der Erde und anderen Lebewesen ändert. Sie verweisen auf entsprechende Ansätze, die rund um den Globus funktionieren und geben spezifische Empfehlungen für eine bessere Kontrolle. So hat beispielsweise die Einführung strengerer Grenzkontrollen, inklusive Röntgenmaschinen und Spürhunden, in Neuseeland zu einer kontinuierlichen Abnahme an Pflanzenschädlingen geführt.

„Die Bedrohungen durch die invasiven Arten müssen wir ernst nehmen. Es liegt an uns, an der Politik und der Bevölkerung, ihre Eindämmung und Kontrolle zu einer Priorität zu machen. Importierte Güter und grenzüberschreitende Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer sollten stärker kontrolliert werden, ebenso sollte es mehr Regelungen für den Online-Handel und die Haltung exotischer Tiere sowie den Anbau exotischer Pflanzen geben. Und letztlich muss ein Bewusstsein für das Problem entstehen“, bilanziert Seebens.

red

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