Mehrheit für Respekt und Demokratie

Mehrheit für Respekt und Demokratie
Foto: Valentin J-W/Pixabay CC/PublicDomain

Mehrheit für Respekt und Demokratie

Ob für das Klima oder gegen Rechts: Die Menschen in Deutschland sind politisch interessiert. Digitale Medien schaffen dabei neue Räume der gesellschaftlichen Auseinandersetzung. Doch häufig werden Debatten dort nur wenig sachlich geführt und durch Hass und Hetze belastet. Die breite Mehrheit der Menschen in Deutschland aber bezieht dazu klar Stellung – für ein respektvolles und demokratisches Miteinander und für den verantwortungsbewussten Umgang mit Medien.

Das sind die Ergebnisse einer nun veröffentlichten Studie zur politischen Partizipation in Deutschland 2019 der Forschungsgruppe „Digital Citizenship“ des Weizenbaum-Instituts für die vernetzte Gesellschaft.

„Die Befunde unserer repräsentativen Studie zeigen, dass mit 85 Prozent ein Großteil der Menschen in Deutschland Interesse an politischen Themen hat,“ so Nadja Schaetz, Doktorandin in der Forschungsgruppe. „Über die Hälfte der Befragten hat in den zwölf Monaten vor der Befragung Mitmenschen dazu ermutigt, sich politisch oder sozial zu engagieren. Besonders jüngere Menschen engagieren sich online, indem sie politische Inhalte teilen oder kommentieren. Unsere Studie zeigt allerdings auch, dass wir den demokratischen Diskurs in sozialen Medien schützen müssen, da die Mehrheit der Befragten dort in Kontakt mit Hasskommentaren gekommen ist.“

Erwartungen asn das demokratische Miteinander

Neben der politischen Partizipation untersucht die Studie auch, welche Erwartungen Menschen an ein demokratisches Miteinander haben. Mit 90 Prozent ist ein Großteil der Bevölkerung der Auffassung, dass man die Meinungen anderer respektieren sollte. Die Mehrheit der Befragten ist sich der Bedeutung von Medienkompetenzen bewusst. So sagen 85 Prozent, dass es sehr wichtig sei, auf den Wahrheitsgehalt von Nachrichten zu achten. Auch die Wichtigkeit, Informationen aus seriösen Quellen zu beziehen, wird von 75 Prozent der Befragten betont.

Hass und Hetze in Diskussionen entgegenzutreten, wird von 73 Prozent als sehr wichtig eingestuft. Im alltäglichen Handeln der Menschen zeigt sich jedoch ein anderes Bild: Lediglich 33 Prozent der Menschen, die im Netz in Kontakt mit einem Hasskommentar gekommen sind, haben schon einmal einen Kommentar gemeldet. Der Anteil der Menschen, der auf den Kommentar eingegangen ist und darauf hingewiesen hat, respektvoll zu bleiben, ist mit 27 Prozent noch geringer. Die Gruppe derer, die den Hass direkt unterstützt, ist mit 3 Prozent dagegen sehr klein.

Widerspruch demokratischer Werte und tatsächlichem Handeln

Der Widerspruch zwischen den Ansichten der Bürgerinnenund Bürger über demokratische Werte und ihrem tatsächlichen Handeln, diese Werte in Diskussionen zu verteidigen, ist für den Leiter der Studie, Professor Martin Emmer, Anlass für weitere Forschungsfragen: „Wir werden am Weizenbaum-Institut im nächsten Schritt untersuchen, wie Bürger ihre Handlungsmöglichkeiten und Selbstwirksamkeit in der Auseinandersetzung mit Hasskriminalität und Desinformationen einschätzen. Dabei werden wir uns genau anschauen, welchen Einfluss sowohl die in den sozialen Netzwerken eingesetzten Algorithmen als auch die gesetzlichen Regulierungen auf die Verbreitung von Hasskommentaren und das Verhalten von Bürgern haben.“

Um die Beteiligung an politischen Meinungsbildungs- und Entscheidungsprozessen in Deutschland zu erfassen, hat das Weizenbaum-Institut in Zusammenarbeit mit der Freien Universität Berlin im Herbst 2019 eine repräsentative Befragung durchgeführt. Dazu wurden 1.298 Bürgerinnen und Bürger ab 16 Jahren nach einem wissenschaftlichen Zufallsprinzip ausgewählt und telefonisch befragt. Um Entwicklungen im Zeitverlauf beobachten zu können, wird die Studie im Paneldesign künftig jährlich mit denselben Befragten wiederholt.

idw

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