Mit Holzsatellitten gegen Weltraumschrott

Mit Holzsatellitten gegen Weltraumschrott
watson.de: Tausende Satelliten kreisen um die Erde – und verglühen irgendwann als Metallstaub in der Stratosphäre. Forschende warnen: Das könnte Ozonschicht und Klima stärker verändern als bislang gedacht. Ein japanisches Team setzt deshalb auf eine radikale Idee: einen Satelliten aus Holz.
Die Menschen vermüllen den Weltraum. Tausende Satelliten von Spac schwirren um die Erde – Tendenz steigend. Waren es vor 20 Jahren noch 870, sind es heute knapp 15.000. Physiker:innen warnen deswegen seit Jahren vor den Folgen, die vor allem Weltraumschrott mit sich bringt, darunter auch drastische Veränderungen der Stratosphäre. Ingenieur:innen arbeiten wiederum an Lösungen.
Lesen Sie auch:
Darunter ein japanisches Forschungsteam, das einen Holzsatelliten als umweltschonendes Pendant zur Aluminium-Titan-Carbon-Variante entwickelt hat. Der Kasten ähnelt einer kleinen Waschmaschine, besteht hauptsächlich aus Magnolie und ist gefüttert mit elektronischen Geräten. Der entscheidende Vorteil verbirgt sich in den Materialeigenschaften. Und so auch die Lösung eines gefährlichen Problems.
Wie sich Satelliten aufs Klima auswirken
Herkömmliche Satelliten bedrohen in ihrer rauen Menge das Klima und die Ozonschicht. Denn der boomende Markt, die hohe Frequenz, in der Unternehmen wie SpaceX und Amazon neue Kästen in den Himmel feuern, zwingt dazu, alte wieder herunterzuholen. Überholte Satelliten werden gezielt zum Absturz gebracht und verglühen in der Stratosphäre. Das hat Auswirkungen.
„Wir verändern die Zusammensetzung der Stratosphäre in einen Zustand, den wir noch nie zuvor gesehen haben“, sagt John Dykema, angewandter Physiker an der Harvard School of Engineering and Applied Sciences zur „Frankfurter Rundschau„. Verglühen die Satelliten, setzen sie eine Mischung aus Schwermetall- und Kohlenstoffpartikeln frei, was die Stratosphäre absenkt.
Das kann eine ganze Kette von Folgen mit sich bringen. Einmal verbrennen die Satellitenmaterialien zu schwarzem Rauch, dessen Partikel beeinflussen, wie Sonnenstrahlen absorbiert und gestreut werden. Das verändert die Energiebilanz der Erde. Ferner können sie die Zirkulation in der Stratosphäre stören, sprich den Transport von Luft, Wärme und Ozon. Zudem können Partikel wie Aluminium als Oberfläche für ozonzerstörende Stoffe dienen. Fürs Klima wäre das dramatisch.
Wollen Unternehmen und Staaten weiterhin Satelliten in den Weltraum befördern, braucht es Alternativen. Hier kommt das japanische Forschungsteam der Universität Kyoto ins Spiel. Ihr 10 × 10 × 10 Zentimeter großer Holzkasten „Lignosat“ hat den Vorteil, dass er bei Wiedereintritt in die Erdatmosphäre direkt verglüht und dabei keine verschmutzenden Metallpartikel freisetzt. Das zumindest versprechen die Köpfe dahinter.
Holzsatelliten: Forscher arbeiten an Modellen
Ein erster Vertreter befindet sich seit Dezember vergangenen Jahres im Weltraum. Vor allem geht es darum, zu testen, wie sich Strahlung und Temperaturen auf den Baustoff auswirken. Ebenso wichtig ist die Frage, ob das geomagnetische Feld die Messgeräte stört. Ist es ein Erfolg, und bestätigen sich die Vermutungen, könnten Holzsatelliten schwere Schäden und damit dramatische Veränderungen des Klima verhindern.
Auch Finnland arbeitet bereits an einer Variante. „Wisa Woodsaat“ ist zwar bereits fertig, einen Testflug gab es aber noch nicht… weiterlesen


