Naturschutz und Energiewende: Wie geht’s weiter

Naturschutz und Energiewende: Wie geht’s weiter
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Naturschutz und Energiewende: Wie geht’s weiter

energiezukunft.eu: Das vierte KNE-Netzwerktreffen in Berlin brachte Kommunen, Naturschutz und Energiewirtschaft zusammen. Trotz unklarer Kursänderungen der Bundesregierung zeigten die Akteure Schwung für eine naturverträgliche Energiewende.

Zum vierten Mal hat das Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende (KNE) zum zweitägigen Netzwerktreffen nach Berlin eingeladen. Auf der ausgebuchten Konferenz diskutierten am 2. und 3. Juni Akteure aus Kommunen, Naturschutzorganisationen und Energiewirtschaft, wie eine naturverträgliche Energiewende gelingen kann. Trotz unklarer zukünftiger Rahmenbedingungen im Kurs der aktuellen Bundesregierung zeigten die Teilnehmenden die große Kraft der gemeinsamen Bestrebungen in Erneuerbare-Energien-Projekten.

Wie wichtig das Engagement der Naturschutz- und Energiebranche in Zeiten multipler Krisen wie Kriegen, Klimakrise und der Biodiversitätskrise ist, betonte KNE-Direktor Bernt Farcke zu Beginn der Veranstaltung. Jedes einzelne Projekt der Erneuerbaren Energien trüge dazu bei, keine weiteren Treibhausgas-Emissionen auszustoßen; Naturschutzprojekte sogar dazu, CO2 in natürlichen Senken einzuspeichern. Ohne passende gesetzliche Rahmenbedingungen wird die Umsetzung naturverträglicher Energieprojekte jedoch immer schwieriger. In der einleitenden Diskussion waren sich die Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verbänden einig, dass anstehende Neuerungen im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und Infrastruktur-Zukunftsgesetz (IZG) den Kostendruck auf Vorhabenträger weiter steigern würden. Ein Wegfall von Ausschreibungsmengen für besondere Photovoltaik-Projekte wie Moor- oder Agri-PV oder die Ausweisung von Abregelungsgebieten für Windenergie würde neue Energieprojekte aktiv blockieren. Auch die geplanten Ausgleichszahlungen im IZG, die viele Maßnahmen der Realkompensation wie die Anlage von neuen Biotopen vor Ort überflüssig machen würden, wurden stark kritisiert.

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Von Chancen und Scheitern in Energieprojekten

Geschichten von erfolgreichen Energieprojekten, aber auch vom Scheitern in individuellen Fällen, erzählten Teilnehmende am ersten Tag der Konferenz. Wie Moor-PV eine Chance für die Wiedervernässung dieser besonderen Ökosysteme sein kann, berichtete Lars Kaper von der niedersächsischen Tangermoorweg GmbH. Erst im Mai wurde die neue Freiflächen-Photovoltaik, die auf fast drei Hektar wiedervernässten Moorböden aufgebaut wurde, feierlich eingeweiht. Viel Geduld und Pragmatismus sind notwendig, um solche technisch wie auch naturschutzfachlich herausfordernden Anlagen in die Fläche zu bringen. Da es sich um eine Mehrfachnutzung handelt, die eine Planung für Moor-PV rechtlich komplex machen, wäre ein gesetzlicher Vorhabenbegriff der Moorwiedervernässung hilfreich, empfahl beispielsweise Prof. Dr. Sabine Schlacke von der Universität Greifswald.

Auch das Scheitern von Projekten oder Formaten als Chance zu begreifen, legten die Vortragenden dem Publikum im Workshop zur kreativen Kommunikation nahe. Konflikte um Erneuerbare-Energien-Projekte sind unvermeidbar, lassen sich mit Offenheit und Kompromissfähigkeit aber in den meisten Fällen entschärfen. Hilfreich ist bei Formaten der Bürgerbeteiligung oder bei Verhandlungen zwischen Akteuren in den meisten Fällen eine unparteiliche Moderation, die beispielsweise über den KNE-Mediationspool angefragt werden kann.

Förderung von Vogel- und Bodenschutz

Der zweite Konferenztag brachte Belange des Vogelschutzes, der Waldentwicklung und anderer Naturgüter im Rahmen von Wind- und Solarprojekten auf die Agenda. Wie wichtig verlässliche und systematische Umweltdaten für eine strategische Planung von Vorhaben seien, stellte Johannes Wahl vom Dachverband Deutscher Avifaunisten e. V. heraus. Weil ehrenamtliche Kartierungen und Zählungen größtenteils unsystematisch erfolgen und von Vorhabenträgern beauftragte Daten aus Gutachten nicht öffentlich vorliegen, ist das deutschlandweite Zusammenführen von Zahlen zu Flora und Fauna äußerst schwierig. Die Panelteilnehmenden und das Publikum zeigten ein einheitliches Stimmungsbild, dass eine Standardisierung von Erfassung und Aufbereitung der Daten für alle Beteiligten ein großer Schritt wäre. Dr. Lisa Jöris von der 50Hertz Transmission GmbH forderte beispielsweise eine nationale Datenbank, die für alle Vorhabenträger einsichtig sein muss.

Große Chancen ergeben sich auch aus der Auswertung von Fernerkundungsdaten. Optische und akustische Daten von Satellitenbildern, Drohnenaufnahmen oder Sensoren seien für das Biodiversitäts- und Habitatmonitoring eine bislang noch unzureichend genutzte Quelle, erklärte Dr. Annett Frick von der LUP-Luftbild, Umwelt, Planung GmbH. Besonders für die Betrachtung von Solarparkflächen können Geodaten wichtige Anhaltspunkte für eine Veränderung der Vegetation und somit für bestimmte Lebensräume sein.

Einen Schwerpunkt auf das Schutzgut Boden legten Ingenieurinnen aus verschiedenen Unternehmen am Nachmittag. Beim Bau und Betrieb von Freiflächen-Photovoltaikanlagen müsse noch mehr auf den umsichtigen Umgang mit den Böden am Standort geachtet werden. Eine Bodenverdichtung durch schweres Gerät habe jahrzehntelange Auswirkungen auf die Bodenfunktionen wie Wasseraufnahmefähigkeit und Lebensraum für Kleinstlebewesen.

Neue Herausforderungen in kombinierten Wind- und Solarparks

Zum Abschluss der Konferenz waren die Teilnehmenden im Plenum zu ihren Erfahrungen rund um kombinierte Wind- und Solarparks gefragt. Die gemeinsame Entwicklung der beiden Energieerzeuger am gleichen Standort verspricht Vorteile wie die Nutzung gemeinsamer Einspeisepunkte zur Stromeinspeisung und eine effiziente Flächennutzung. Allerdings ergeben sich auch Nutzungskonflikte wie Vorgaben zu artenreichem Grünland in Solarparks, das wiederum die Attraktivität für bestimmte Brutvögel steigern könnte. Aus rechtlicher Sicht haben die Belange der Windenergie in regionalplanerischen Windenergiegebieten stets Vorrang vor der Photovoltaik, auch in arten- und naturschutzrechtlichen Vorgaben. Das KNE wird in den kommenden Tagen eine Publikation mit Empfehlungen zur gemeinsamen Entwicklung der beiden Technologien veröffentlichen… weiterlesen

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