Plastikseile und Fangnetze zu Viren-freien Tabletts

Plastikseile und Fangnetze zu Viren-freien Tabletts
Foto: Parx Materials N.V.

Plastikseile und Fangnetze zu Viren-freien Tabletts

Mit dem Ende des Corona-Lockdowns öffnen in vielen Regionen Europas wieder Gaststätten. Auch Schnellrestaurants wollen ihren Besuchern dabei die Sicherheit garantieren, dort besten und vor allem sicheren Service während der Mahlzeiten zu genießen.

Die Regeln dafür sind von Politikern festgelegt, und sie sind eindeutig. Im geschäftigen Alltag jedoch kann es geschehen, dass Mitarbeiter die meist aus Kunststoffen produzierten Tabletts in den Restaurantketten nicht immer ordnungsgemäß abwischen. Wenn die Zeit zur Reinigung der Tragehilfen knapp ist, benutzen sie auch manchmal einen älteren Lappen oder aber das Wasser ist nicht mehr frisch und damit nicht unbedingt keimfrei.

Das kann dann eine Verbreitungsquelle für Viren fördern.

Antibakterielle Tabletts aus recyceltem Plastikmüll
Granulat NOPREC
Foto: NOPREC

Deshalb bemühen sich Wirte derzeit verstärkt um Sauberkeit und reinigen die Tabletts gründlicher als noch vor der Krise. Mit zunehmender Dauer der Coronakrise jedoch lassen die Schutzmaßnahmen gegen die Ausbreitung der Viren allmählich nach. So nimmt die Unbedarftheit der Menschen allenthalben wieder zu. In Restaurants kann es zu Nachlässigkeit kommen.

Deshalb entwickelte die norwegische Firma ZincIn AS aus Drammen jetzt Tabletts, die gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Statt als Plastikmüll im Meer zu versinken oder die Lebewesen im Ozean zu bedrohen, wird ihr Rohstoff aus recyceltem Plastik von Seilen oder Netzen der Fischwirtschaft hergestellt. Die werden nach ihrem Gebrauch nun wiederverwertet – der Kreislauf schließt sich perfekt. Kunststoff, der einst am Anfang der Nahrungsproduktion – auf Fischfarmen oder Kuttern diente, findet nun eine Weiterverwendung in Restaurants.

Zweiter Vorteil des Rohstoffs für die neuen Tabletts: ZincIn AS-Gründer Kjetil

Christoffersen mischt in den Kunststoff für die neuartigen Tabletts ein Antibakterium seiner niederländischen Partner von Parx Materials N.V. in Rotterdam. Es ist einem körpereigenen Immunabwehrstoff nachempfunden. Die Niederländer verwenden für ihre nachhaltige Antibiobeschichtung weder giftige Substanzen noch Schwermetalle oder Nanopartikel.

99,9 Prozent der Viren auf dem Tablett entfernt
Foto: Parx Materials N.V.

In medizinischen Test zeigen die daraus produzierten neuen Tabletts dennoch, dass sie Bakterien zu mehr als 99,9 Prozent von der Oberfläche des Kunststoffs fernhalten.

So will Kjetil Christoffersen die Sicherheit der Benutzer seiner Trageplatten garantieren. „Die antibakterielle Wirkung unseres Kunststoffs“, sagt er, „eröffnet dem Material eine völlig neue Dimension weiterer Anwendungen. Es fördert die Gesundheit der Menschen.“ Als Anteilseigner von ZincIn AS ist Christoffersen sicher, dass dem Material eine große Zukunft nicht nur in Skandinavien bevorsteht.

Hergestellt wird das Granulat, aus dem die neuen Tabletts gemacht sind, von der norwegischen Recycling-Firma Plastic Recycling AS (NOPREC) im kleinen Atlantik-Küstenort Matmortua. NOPREC ist, laut eigener Aussage, das einzige Unternehmen in Norwegen, das dafür Reste von Netzen, Seilen oder Fangkörben aus der Fischereiwirtschaft wieder aufarbeitet.

Lukas Nekher

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