Reiches Gasdeal gefährdet deutsche Klimaziele

Reiches Gasdeal gefährdet deutsche Klimaziele
Foto: Wikimedia CC

Reiches Gasdeal gefährdet deutsche Klimaziele

fr.de: Die bundeseigene SEFE plant einen langfristigen LNG-Deal mit Kanada. SPD und Opposition sehen darin ein fatales Signal für die deutschen Klimaziele – auch in Nordamerika regt sich Widerstand.

Wenn Katherina Reiche über die Energiewende spricht, dauert es meist nicht lange, bis Begriffe wie „Technologieoffenheit“, „Pragmatismus“ oder „Realitätscheck“ fallen. Häufig wehrt sich die Bundeswirtschaftsministerin damit gegen Kritik von Umweltverbänden und Grünen, die in ihrer Energiepolitik eine fossile Rolle rückwärts sehen. Dieser Unmut begleitet nun auch eine neue Vereinbarung, in die Reiches Ministerium involviert ist: Die bundeseigene SEFE hat mit dem kanadischen Unternehmen Ksi Lisims LNG eine Absichtserklärung über die jährliche Lieferung von einer Million Tonnen Flüssigerdgas unterzeichnet. Ein endgültiger Liefervertrag ist das bisher nicht. Geplant ist aber, dass SEFE Anfang der 2030er-Jahre LNG abnimmt – über einen Zeitraum von bis zu 20 Jahren.

LNG-Deal mit Kanada: Reiche setzt auf Flüssiggas aus Nordamerika – SPD übt scharfe Kritik

Während Reiche in der engeren Zusammenarbeit eine Möglichkeit sieht, Beschaffungswege zu diversifizieren und Deutschland widerstandsfähiger gegenüber globalen Risiken zu machen, wächst beim Koalitionspartner SPD der Unmut: Die energiepolitische Sprecherin Nina Scheer moniert im Tagesspiegel, dass der LNG-Deal mit den angestrebten Klimazielen Deutschlands nicht vereinbar sei. Die Bundesrepublik will laut Klimaschutzgesetz ihre Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 65 Prozent gegenüber 1990 senken, bis 2040 um mindestens 88 Prozent und bis 2045 treibhausgasneutral werden – ein Ziel, zu dem sich auch die Bundesregierung aus CDU und SPD bekennt.

Lesen Sie auch:

Eine Laufzeit von bis zu 20 Jahren könnte den Deal allerdings bis in die 2050er-Jahre tragen. Für die deutsche Klimabilanz wäre dann entscheidend, ob das Gas tatsächlich in Deutschland verbraucht oder von SEFE international weitervermarktet wird.

Kritik vor Ort an Projekt von kanadischer Firma – Think Tank hat Zweifel an emissionsarmem Gas

Darauf verweist auch Reiche: SEFE sei ein international agierendes Unternehmen und könne das eingeführte Gas auch außerhalb Deutschlands weiterverkaufen. Aus Sicht des Ministeriums bestehe deshalb kein Widerspruch zum deutschen Klimaneutralitätsziel. Außerdem verweisen SEFE und das Wirtschaftsministerium darauf, dass die Verflüssigungsanlagen von Ksi Lisims vollständig elektrisch betrieben und mit erneuerbarer Wasserkraft versorgt werden sollen. Dadurch würde zumindest die Verflüssigung des Gases deutlich emissionsärmer ausfallen als bei vielen anderen LNG-Anlagen. Der US-amerikanische Thinktank IEEFA (Institute for Energy Economics and Financial Analysis) zweifelt allerdings daran, ob diese Voraussetzung rechtzeitig erfüllt werden kann. In einer Analyse vom Juni 2025 heißt es, es sei ungewiss, ob der Stromversorger BC Hydro das Projekt innerhalb der nötigen Fristen mit Strom versorgen kann.

Scheitert die Stromversorgung, steigen die Emissionen enorm – wichtige Pipeline noch nicht fertig

Ohne diese gesicherte Versorgung wäre das Unternehmen vorerst auf erdgasbetriebene Turbinen angewiesen, was die Kosten um zwei Milliarden US-Dollar erhöhen und zusätzlich 1,8 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalent verursachen würde. Hinzu kommt: Die niedrige Emissionsbilanz des Projekts hängt weiter davon ab, ob Ksi Lisims rechtzeitig an das Stromnetz von BC Hydro angeschlossen wird.

Im Januar 2026 unterzeichneten BC Hydro und Ksi Lisims LNG zwar eine Absichtserklärung über die Lieferung von bis zu 600 Megawatt sauberem Strom. Doch setzt die Versorgung den Ausbau einer wichtigen lokalen Pipeline voraus. Laut den Unternehmen soll die erste Phase der Inbetriebnahme allerdings ab Herbst 2030 starten.

Umweltverbände monieren fatale Folgen für lokales Ökosystem – Reiche sieht kein Problem für Deutschland

Laut Reuters steht das Projekt vor Ort ebenfalls in der Kritik: Das Gas soll aus dem Nordosten British Columbias über die umstrittene Prince Rupert Gas Transmission Pipeline an die Küste gelangen. Betroffene indigene Gruppen werfen den Behörden unzureichende Umweltprüfungen vor und warnen vor Risiken für die Lachsbestände im lokalen Ökosystem. Umweltverbände kritisieren zudem die Lebenszyklus-Emissionen des Projekts, mögliche Methanemissionen sowie Risiken für Meeresökosysteme und Wale durch den Tankerverkehr. All das beträfe die deutsche Klimabilanz nur indirekt, solange SEFE das Gas nicht in Deutschland verkauft oder verbrennen lässt. Doch klimapolitisch verschwindet dadurch das Problem nicht: Die Emissionen stünden nur nicht mehr in der deutschen Bilanz… weiterlesen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.