UN-Hochseeschutzabkommen tritt in Kraft

UN-Hochseeschutzabkommen tritt in Kraft
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UN-Hochseeschutzabkommen tritt in Kraft

tagesschau.de: Das Hochseeschutzabkommen der Vereinten Nationen tritt heute in Kraft. Es schafft die völkerrechtliche Grundlage für eine nachhaltige Nutzung der Hohen See und den Schutz ihrer Artenvielfalt.

Bisher gibt es keine rechtliche Grundlage für den Schutz der internationalen Gewässer auf hoher See. Zumindest keine, die von vielen Staaten mitgetragen wird. Das ist ein Problem, denn die Hochsee gehört allen. Oder niemandem. Zu ihr gehören alle Meeresflächen, die mehr als 200 Seemeilen von einer Küste entfernt liegen, und das sind fast zwei Drittel der weltweiten Meere. Jetzt tritt ein internationales Abkommen in Kraft, das den Schutz der Hohen See ermöglichen soll.

30 Prozent der Meeresfläche sollen Schutzgebiete werden

Bis 2030 sollen 30 Prozent der weltweiten Landes- und Meeresfläche unter Naturschutz stehen. Das hatten über hundert Staaten unter dem Dach der Vereinten Nationen schon 2022 in Kanada beschlossen. Bei den Meeren könnte das allerdings schwierig werden. Denn bisher gab es nicht einmal einen rechtlichen Rahmen, der internationale Meeresschutzgebiete auf hoher See generell ermöglicht.

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Dabei entstand die Idee für einen völkerrechtlich bindenden Vertrag zum Schutz der Hohen See schon vor über 20 Jahren. Schon 2003 einigte man sich bei den Vereinten Nationen auf den Namen Agreement on Marine Biological Diversity of Areas beyond National Jurisdiction, oder kurz BBNJ. Man war sich einig, dass die Hohe See Regeln brauchte, um sie nachhaltig zu nutzen und um ihre Artenvielfalt zu schützen.

Forschung entdeckt immer mehr Arten auf hoher See

„Wir wissen mittlerweile, dass die Hochsee ein enorm schützenswerter Lebensraum ist“, sagt Stefan Hain, Leiter der Stabstelle Umweltpolitik des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung. Durch den Einsatz von neuester Technik wie Unterseekameras wissen Forscherinnen und Forscher heute, welche faszinierenden und bizarren Lebewesen in der Hochsee leben. Organismen, die sie vor 10 oder 20 Jahren noch gar nicht kannten. Auch für das Klima ist die Hohe See mit ihren Strömungen und ihrer Kapazität, CO2 aufzunehmen, extrem wichtig.

Ein langer Weg

Trotzdem hat die Ausarbeitung des Abkommens zwei Jahrzehnte gedauert. „Staaten machen Völkerrecht für sich selbst“, erklärt die Seerechts-Expertin Nele Matz-Lück von der Universität Kiel. Und deshalb seien solche Abkommen immer ein großer Kompromiss. Umso erfreulicher, dass es nur zwei Jahre gedauert hat, bis 60 Staaten das Hochseeschutzabkommen ratifiziert haben, es also in ihr nationales Recht übertragen haben. Denn 60 Vertragsstaaten, das war die Mindestanzahl dafür, dass das Abkommen in Kraft treten kann.

Bis heute haben sogar mehr als 80 Staaten das Hochseeschutzabkommen ratifiziert. Deutschland ist bisher nicht dabei. Aber die beiden Gesetzentwürfe dafür sind bereits beschlossen. Deutschland hat Interesse an der Hohen See, vor allem daran, sie zu erforschen, sagt Stefan Hain: „Deutschland hat, was Forschungsschiffe angeht, eine vielleicht international führende Forschungsschiffflotte mit etlichen Schiffen, die auf der Hohen See arbeiten können. Und da wird Deutschland natürlich versuchen, sich einzubringen.“

Praktische Umsetzung ist eine Herausforderung

Hochseetaugliche Schiffe werden auch gebraucht, um die Regeln der zukünftigen BBNJ-Hochsee-Schutzgebiete zu überwachen. Wenn beispielsweise der Fischerei Fangquoten auferlegt werden oder wenn der Tiefseebergbau eingeschränkt werden soll. Außerdem muss dauerhaft wissenschaftlich überprüft werden, ob die ausgewiesenen Gebiete auch wirklich schützen, was sie schützen sollen. Auch das ist auf der Hohen See deutlich schwieriger als in Naturschutzgebieten an Land… weiterlesen

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