Unmoralische Messe-Angebote zur Trophäenjagd

Unmoralische Messe-Angebote zur Trophäenjagd
Auf Europas größter Jagdmesse Jagd & Hund in Dortmund bieten Veranstalter von Trophäenjagdreisen den Abschuss bedrohter Arten quer durch die Tierwelt an: darunter Elefanten, Nashörner, Leoparden, Löwen und Eisbären.
Auch die Jagd auf in Europa heimische, streng geschützte Arten, wie Braunbär und Wolf sowie Sing- und Zugvögel wird angeboten. Pro Wildlife Mitarbeiter haben die aus ihrer Sicht „bedenklichen Angebote der Aussteller“ nun vor Ort in Dortmund recherchiert. Ihr Fazit: „Um das Geschäft nach der Pandemie anzukurbeln, wird in Katalogen und Preislisten vielfach mit Sonderpreisen, Rabatten und Paketangeboten zum Pauschalpreis geworben“, schreiben sie in einer Pressemeldung.
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Jagd auf bedrohte Waldelefanten für 5.000 Euro
Zahlreiche Aussteller auf der Jagd & Hund bieten Abschüsse von Elefanten – darunter auch die letzten ihrer Art: In Kamerun können Trophäenjägerinnen und Trophäenjäger vom Aussterben bedrohte Waldelefanten für nur 5.000 Euro töten, schreiben die Artenschützer: Und das, obwohl der Import entsprechender Jagdtrophäen nach Deutschland und in die EU verboten ist.
Die Bestände des Waldelefanten seien in den letzten 30 Jahren um 86 Prozent dezimiert worden. Ebenfalls im Angebot: Jagd auf Elefanten in Botswana, wo der Abschuss einiger der letzten großen Elefantenbullen Afrikas in grenzüberschreitenden Schutzgebieten jüngst für weltweite Empörung sorgte.
Die letzten ihrer Art zum Schnäppchenpreis
Obwohl auf der Jagd & Hund das Anbieten von in Gattern eingesperrten Tieren (canned hunting) ausdrücklich verboten ist, legten die Internetauftritte einiger Aussteller – laut Pro Wildlife – mit Schnäppchenpreisen von 4.900 Euro für weibliche und 9.900 Euro für männliche Löwen nahe, dass die angebotenen Tiere aus tierquälerischer Gatterjagd stammen. Auch Einfuhrstatistiken zufolge stammen die allermeisten in Südafrika getöteten Löwen aus Gatterhaltung und -zucht, schreiben die Fachleute des Verbands.
„Auch andere gefährdete Katzenarten, werden auf der Messe zu Schnäppchenarten angeboten, darunter Geparden ab 2.800 Euro (obwohl es nur noch etwa 6.600 erwachsene Tiere gibt), Leoparden ab 5.100 Euro. Karakale sind bereits ab 550 Euro zu haben“, heißt es in der Meldung des Verbands.
Der Eisbär – Symboltier des Artensterbens und der Klimakrise – ist bei mehreren Ausstellern auf der Jagd & Hund zum Abschuss erhältlich, teils mit dem Versprechen einer „100 Prozent erfolgreichen Jagd“ durch den Einsatz von Booten.
Neben exotischen Arten werden auch einheimische, streng geschützte Arten in Europa zum Abschuss angeboten. Mehrere Agenturen bieten kommerzielle Abschüsse von Wölfen und Braunbären (z.B. in Kroatien für nur 990 Euro) an, obwohl diese laut EU-Recht nur in begrenzten Ausnahmefällen, als sogenannte „Problemtiere“, getötet werden dürfen.
Massenabschuss geschützter Vogelarten und tierquälerische Jagdmethoden
Meist stehen Säugetiere im Zentrum der Trophäenjagd, allerdings bieten Jagd & Hund Aussteller auch Massenabschüsse von Vögeln an etwa, sogenannte „high volume wing shootings“. Hier können Jägerinnen und Jäger zum Pauschalpreis von z.B. 500 Euro / Tag alle Vögel schießen, die ihnen vor die Flinte kommen, teils sind das mehrere Hundert pro Tag.
Auch die Jagd auf hierzulande geschützte Zug- und Singvögel, wie Drosseln und Turteltauben, die in Deutschland vom Aussterben bedrohte Bekassine oder den gefährdeten Papageientaucher werden in europäischen Ländern wie Finnland, Serbien, Irland oder Island angeboten.
Die Kritik an der Branche durch die artenschützer geht noch weiter: Zahlreiche Anbieter hätten tierquälerische und hierzulande verbotene Jagdmethoden im Angebot, wie die Jagd mit Pfeil und Bogen, teils auch mit Handfeuerwaffen.
Dazu sagt Dr. Mona Schweizer von Pro Wildlife: „Die Trophäenjagd ist mit den Werten einer modernen, nachhaltig denkenden und mitfühlenden Gesellschaft definitiv nicht vereinbar. Daher fordern wir, dass die Stadt Dortmund diesen Angeboten in den städtischen Messehallen endlich keine Plattform mehr bietet.“
pm


