Verbrennerverbot nicht ganz zu Ende gedacht

Verbrennerverbot nicht ganz zu Ende gedacht
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Verbrennerverbot nicht ganz zu Ende gedacht

zeit.de: Das EU-Parlament will den Verbrenner verbieten, bedenkt aber nicht: E-Autos brauchen viel Strom. Statt sich zu sehr festzulegen, sollten wir technologieoffen sein – Kommentar von Alan Posener

Es klingt zunächst klimafreundlich, vernünftig und progressiv, ist aber rückwärtsgewandt, unvernünftig und klimaschädlich. Das Europäische Parlament will die Neuzulassung von Autos mit Verbrennungsmotoren ab 2035 verbieten. Was bedeutet, dass es in zwölf Jahren in der Europäischen Union nur noch vollelektrische, batteriebetriebene Autos zu kaufen geben wird; dass Europa einseitig auf Elektrifizierung setzt und andere Möglichkeiten der Reduzierung der CO₂-Belastung im Straßenverkehr von vornherein ausschließt.

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Damit ist ein europaweiter Run auf Verbrenner in den Jahren ab 2030 programmiert. Besonders dort, wo die Infrastruktur für Elektroautos unzureichend ausgebaut ist. Für viele Menschen wird es sich ökonomisch und praktisch lohnen, 2034 einen langlebigen Benziner oder Diesel zu kaufen und 20 Jahre lang zu fahren. Das mag ökologisch widersinnig sein, aber Autofahren ist auch jetzt ökologischer Unsinn, und die meisten Leserinnen dieses Artikels dürften trotzdem ein Auto mit Verbrennungsmotor besitzen.

Nur um das klarzustellen: Ich bin ein Fan von Elektroautos. Meine Frau und ich haben unseren geliebten VW-Touran an eine Familie abgegeben, die es mehr braucht als wir und nutzen die Elektroautos eines Carsharing-Unternehmens. So habe ich ein Auto, wenn ich eins brauche, was nicht oft der Fall ist – und den Fahrspaß eines Elektroautos. Und überdies ein gutes Gewissen. Jedenfalls bis ich mit meinem Nachbarn rede, der generell für ein Autoverbot in der Stadt ist. Aber das ist ein anderes Thema.

müsste es bis 2030 in der ganzen EU 6,8 Millionen öffentliche Ladepunkte geben, um die von der EU-Kommission angestrebte CO₂-Reduktion von 55 Prozent im PKW-Sektor durch Elektrifizierung zu erreichen. Das wären fast doppelt so viele wie von der Kommission vorgeschlagen. Und auch der Kommissionsvorschlag ist optimistisch. Laut der Studie müssten pro Woche 14.000 öffentliche Ladepunkte neu installiert werden, im Vorschlag der Kommission sind es 7.000 pro Woche. Aktuell aber werden weniger als 2.000 neue Ladepunkte pro Woche in der EU installiert.

Dass die Elektrifizierung langsamer vorangeht, als von Kommission und Parlament gewollt, könnte sich allerdings als versteckter Segen erweisen. In einer Studie stellte das Institut für Weltwirtschaft in Kiel 2020 fest, dass ein vollständiger Ersatz der deutschen Pkw-Flotte durch Elektroautos den Strombedarf um über 18 Prozent erhöhen würde. Die Zahl für die gesamte Europäische Union dürfte ähnlich hoch liegen.

Kontraintuitive Reaktionen der Konsumenten auf staatliche Regelungen – in diesem Fall also ein Benzinerboom in etwa zehn Jahren – sind zwar eher die Regel als die Ausnahme, aber kaum zu vermeiden. Das EU-Parlament mag überdies hoffen, dass die Aussicht auf ein Verkaufsverbot für Autos mit Verbrennungsmotor ab 2035 Autohersteller und Regierungen animieren wird, das Ladesäulennetz in den nächsten zwölf Jahren auszubauen. Aber das ist – vorsichtig formuliert – optimistisch… weiterlesen

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