Viel mehr Ökostrom in Deutschland ist machbar

Viel mehr Ökostrom in Deutschland ist machbar
Screenshot: Pressenza

Viel mehr Ökostrom in Deutschland ist machbar

Noch immer bezweifeln viele Menschen, Energieexpertinnen und -experten, Journalistinnen und Journalisten, wie Politikerinnen und Politiker, dass eine Umstellung auf 100 Prozent Erneuerbare Energien möglich sei. Ein Argument wird hier oftmals ins Feld geführt: Es gebe gar nicht genügend Flächen und ökonomisches Potenzial, um solch große Energiemengen aus Erneuerbaren herzustellen.

Nun hat der Energie-Analyst Aurora Energy Research in einer Studie das Potenzial für Solar- und Windenergie in Deutschland ermittelt. Laut dieser Studie könnten Wind- und Solarenergie in Deutschland gut 1.800 Terawattstunden (TWh) Strom pro Jahr liefern, wenn der mögliche technologische Fortschritt ausgenutzt wird. Das entspricht dem Dreifachen des aktuellen deutschen Strombedarfs.

Vollversorgung mit Ökoenergie scheint machbar

Die Potenziale für Bioenergien, Wasserkraft und Geothermie wurden von Aurora nicht ermittelt. Doch sie dürften noch ein erhebliches zusätzliches Strom- und Wärmeerzeugungspotenzial liefern. Die umfassende hundertprozentige Vollversorgung mit Erneuerbaren Energien auch in den Sektoren Wärme, Verkehr und Industrie erscheint daher mit diesen großen Ökostrommengen auch in Deutschland durchaus machbar.

Hans Josef Fell
H.-J. Fell Foto: privat

Zurecht hat Aurora darauf hingewiesen, dass unter den momentanen Marktbedingungen der entsprechende notwendige Ausbau von Solar- und Windenergie jedoch nicht stattfinden kann. Je mehr Ökostrom auf dem Markt ist, desto stärker sinken auch die Börsenstrompreise, womit das investierte Kapital nicht über die Strombörsenpreise finanziert werden kann. Die insbesondere von der Union oft aufgestellte Forderung, dass die Erneuerbaren Energien sich selbst am Markt behaupten sollten, ist aktuell also nicht möglich, obwohl die Erneuerbaren Energien heute in Deutschland die kostengünstigste Option der Energieerzeugung sind.

Leider fehlen funktionierende Marktinstumente

Aurora schlägt jedoch leider keine anderen Marktinstrumente vor als einen höheren CO2-Preis. Dieser wird nicht wirklich funktionieren, da er indirekt nicht nur die Erneuerbaren, sondern eben auch das klimaschädliche Erdgas und die Atomenergie ökonomisch unterstützt.

Die Energy Watch Group (EWG) hatte erst vor Kurzem den Entwurf für ein neues Sektoren- und Innovationsgesetz für Erneuerbare Energien vorgestellt, das mit einer Kombikraftwerksvergütung von 8 Cent/kWh Investitionen in systemdienliche 100% Erneuerbare Energien ermöglichen würde.

Dieses Gesetz würde nicht nur die nötigen ökonomischen Grundlagen für Investitionen bieten, sondern gleichzeitig auch die nötigen Investitionen in die Sektorenkopplung und Speicher schaffen, die eine CO2-Steuer kaum schaffen wird.

Dass entsprechende Investitionen in die Sektorenkopplung bereits auf dem Weg sind, hat gerade die Naturstrom AG zusammen mit der Bürgergenossenschaft EnergieNetz Hamburg eG gezeigt. Für die Wärmeversorgung von 78 Wohneinheiten kommt ein biogasbetriebenes Blockheizkraftwerk zum Einsatz. Der dort erzeugte Strom wird gemeinsam mit dem Solarstrom aus Photovoltaikanlagen auf den Dächern der Bewohner*innen als kostengünstiger Mieterstrom angeboten. 80 Prozent der bisher bezogenen Haushalte nutzen dieses Angebot bereits.

Hans-Josef Fell

Der Text ist Teil unserer Medienkooperation mit Pressenza. Sie können ihn hier auch im Original lesen.

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