Viele Vorteile eines flexiblen Schulanfangs

Viele Vorteile eines flexiblen Schulanfangs
Foto: Pixabay CC/PublicDomain

Viele Vorteile eines flexiblen Schulanfangs

mdr.de: Die innere Uhr von Teenagern tickt anders: Sie werden abends spät müde und morgens schwer wach. Das herkömmliche Schulsystem zwingt sie jedoch früh aus den Federn, was oft zu chronischem Schlafmangel führt. Eine neue Studie aus der Schweiz zeigt nun einen vielversprechenden Ausweg: Wenn Schüler morgens zwischen verschiedenen Startzeiten wählen dürfen, schlafen sie nicht nur länger, sondern sind auch gesünder und leistungsfähiger. Wäre das auch in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen möglich?

Die innere Uhr von Teenagern verschiebt sich während der Pubertät zunehmend nach hinten. Sie werden abends später müde, aber die Schule beginnt traditionell früh am Morgen. Das führt dazu, dass viele Jugendliche an Schultagen chronisch zu wenig schlafen.

„Das ist bedenklich, denn chronischer Schlafmangel betrifft nicht nur das Wohlbefinden, er hat auch messbare Auswirkungen auf die psychische Gesundheit, körperliche Entwicklung und Lernfähigkeit“, sagt Oskar Jenni von der Universität Zürich. Da sich die biologische Schlafregulation kaum überlisten lässt und ein früheres Einschlafen schwerfällt, müssten wohl eher die Weckzeiten am Morgen angepasst werden, wenn sich etwas ändern soll.

Lesen Sie auch:
Ein Modell für mehr Freiheit bei der Wahl des Unterrichtsbeginns

Eine Forschungsgruppe der Universität Zürich und des Universitäts-Kinderspitals Zürich hat deshalb einen neuen Ansatz detailliert untersucht. An einer Oberstufe im schweizerischen Gossau wurden sogenannte flexible Randzeiten am Morgen eingeführt. Die Schüler konnten selbst entscheiden, ob sie ihren Schultag bereits um 7:30 Uhr oder erst eine Stunde später beginnen wollten (und dann dafür auch erst eine Stunde später Schulschluss haben).

In den frühen Morgenstunden fanden keine verpflichtenden Kernfächer statt, sondern Wahlangebote oder Selbstlernformate, die sich flexibel in den Stundenplan integrieren ließen. Die Forscher befragten die durchschnittlich 14 Jahre alten Schüler dann zunächst im alten System mit festem Frühstart und ein Jahr nach der Einführung des neuen, flexiblen Modells ein weiteres Mal. Insgesamt flossen über 700 Rückmeldungen in die Auswertung ein.

Jugendliche nutzen die Chance des späteren Aufstehens

Die Ergebnisse zeigen extrem deutlich, dass die Jugendlichen das neue Angebot annehmen: Etwa 95 Prozent der Schüler entschieden sich dafür, den Schultag an der Mehrheit der Tage später zu beginnen. Im Durchschnitt verschob sich der tatsächliche Schulbeginn für sie um 38 Minuten nach hinten. Entsprechend standen die Teenager morgens auch gut 40 Minuten später auf.

Eine besonders positive und vielleicht überraschende Erkenntnis der Studie ist, dass die gewonnene Zeit wirklich für echte Erholung genutzt wurde. Da sich die Einschlafzeiten am Abend im Vergleich zum alten Modell kaum veränderten, schliefen die Jugendlichen an Schultagen im Schnitt signifikante 45 Minuten länger.

Messbare Effekte auf Körper und Geist

Dieser zusätzliche Schlaf wirkte sich spürbar positiv auf den Alltag der Teenager aus. Die befragten Schüler „berichteten weniger häufig von Einschlafproblemen und hatten seltener tiefe Werte bei der gesundheitsbezogenen Lebensqualität“, erklärt Studienerstautorin Joëlle Albrecht.

Auch die schulischen Leistungen profitierten zum Teil von der zusätzlichen Erholung im neuen System. Zwar blieben die klassischen, von den Lehrern vergebenen Zeugnisnoten weitgehend unverändert, aber in objektiven, standardisierten Leistungstests schnitten die Schüler unter dem flexiblen Modell zumindest in den Fächern Mathematik und Englisch signifikant besser ab.

Die Forscher kommen in ihrer Auswertung zu dem klaren Schluss, dass flexible Schulzeiten ein äußerst effektiver Weg sind, um das chronische Schlafdefizit von Teenagern zu bekämpfen. Es sei ein alltagstauglicher Ansatz, der sich gut integrieren lässt und direkten Nutzen für die Heranwachsenden bringt.

„Ein späterer Unterrichtsbeginn am Morgen kann also ein wichtiger Beitrag zur Bewältigung der aktuellen Mental-Health-Krisesein“, sagt Forscher Reto Huber. Das Modell zeige eindrucksvoll, wie eine organisatorische Anpassung die Gesundheit und Leistungsfähigkeit von Jugendlichen maßgeblich verbessern kann… weiterlesen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.