Vogelgezwitscher soll uns glücklich machen

Vogelgezwitscher soll uns glücklich machen
Foto: Pixabay CC/PublicDomain

Vogelgezwitscher soll uns glücklich machen

zeit.de: Vogelgesang macht froh. Aber Sie müssen richtig hinhören! Warum das Gezwitscher guttut, wer besonders meisterhaft singt – und wer ganz unten auf der Hitliste landet.

Man muss sich nicht mit Vögeln auskennen, um von ihrem Gesang zu profitieren. Das sagt der Ornithologe Christoph Randler von der Universität Tübingen, und er hat es in einer Studie nachgewiesen: Vogelgezwitscher beruhigt nämlich, sogar messbar – und es erhöht das Wohlbefinden. Und zwar egal, ob man eine Meise erkennt oder nicht.

Es scheint, als sei da ein besonderes Band zwischen Mensch und Vogel. Wenn das erste Zwitschern zu hören ist (tatsächlich sind Kohlmeise und Rotkehlchen unter den Frühstartern), mag man es spüren: ein leises Aufatmen – der Frühling ist zurück, die Welt wieder bunt nach Schnee und Dauergrau.

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Wo mehr Vogelarten leben, fühlen sich Menschen wohler. Das konnten chinesische Forscher in den Parks und Grünflächen der Stadt Chengdu zeigen. Artenreiche Gebiete mit Vogelgezwitscher empfinden wir als erholsamer, das ergab auch eine Untersuchung in Südamerika. Und nach einer Studie eines deutschen Forschungsteams hängt selbst unsere Lebenszufriedenheit mit der Artenvielfalt von Vögeln zusammen – sogar stärker als mit dem Einkommen.

Daten zur Artenvielfalt mit jenen zur Zufriedenheit verknüpft

Die Wissenschaftler verknüpften dafür Daten zur Artenvielfalt mit Daten zu Lebenszufriedenheit und Einkommen von mehr als 26.000 Menschen aus 26 europäischen Ländern. Lebten in einer Region beispielsweise zehn Prozent mehr Vogelarten, waren die Menschen zufriedener – und der Unterschied war deutlich größer als bei einem zehnprozentigen Plus beim Einkommen. Ganz genau gesagt: 14 Vögel mehr in der Natur waren mit einem 50 Prozent größeren Glücksplus verbunden als 124 Euro mehr auf der Gehaltsabrechnung.

Neben der Freude an den Federviechern könnte dabei eine Rolle spielen, dass Vögel und Menschen einen ähnlichen Geschmack haben. Oder, wie es die Forscher formulieren: „Große Vogelvielfalt könnte ein Indikator sein für Landschaftsmerkmale, die wiederum die Lebenszufriedenheit fördern.“ Das könnten besonders vielfältige Landschaftsformen sein oder zum Beispiel auch, welche Bäume dort wachsen. Sowohl Menschen als auch Vögel mögen Laubbäume lieber als Nadelbäume. Womöglich ist es also ein bisschen wie mit den Kanarienvögeln im Bergwerk, die einmal als Frühwarnsystem für Grubengas dienten: Geht es den Tieren gut, geht es den Menschen gut.

Allerdings: Die Vielfalt von Säugetieren und Bäumen war den Teilnehmern der Studie offenbar egal – statistisch null Zusammenhang mit der Lebenszufriedenheit.

Was haben wir also mit den Vögeln? Zum einen sind sie aktiv, wenn wir es sind: tagsüber. Viele Säugetiere sind dagegen nachts unterwegs oder ziemlich scheu. Und Amphibien wie Frösche, Kröten, Lurche sind vielen Menschen eher igitt – Singvögel erregen selten Ekel, Kack-Attacken ausgenommen. Schmetterlinge wirken zwar sympathisch, flattern aber nur kurz, im Mai und Juni. Und Bäume singen nicht.

Vögel dagegen haben das Zeug zum Star: dauerpräsent, fotogen, lautstark.

Am allerliebsten lauschen wir melodischen, ausdauernden, variantenreichen Sängern, hat Judith Lukanowski, eine Kollegin des Vogelexperten Randler in Tübingen, in einer Befragung herausgefunden. Dafür ließ sie Testpersonen die Songs von 123 Vögeln bewerten. Weit oben auf der Hitliste: der Pirol. „Der hat so einen flötenden Ruf“, sagt Randler und macht es im Videocall gleich vor. „Das erinnert viele an den Regenwald, hat was Exotisches.“

Auch weit vorn: der Baumpieper („Hochfrequent, mit Trillern und Pfeiftönen“, diagnostiziert Randler). Und die Gartengrasmücke („Melodisch, ein bisschen wie die Nachtigall“). Der Publikumsliebling aber ist die Amsel. Kein Wunder, singt sie doch besonders erfinderisch, kombiniert und variiert Motive immer wieder neu.Keinen Applaus bekamen dagegen die Krähe („krächzt“), der Eichelhäher („rätscht“) und die Stockente („klingt schlecht gelaunt“). Am meisten aber fiel den Leuten die Schleiereule auf die Nerven, erzählt Randler: „Die klingt sehr nach Kreissäge.“Von dieser Hitliste ließen sich der Ornithologe und seine Kolleginnen nun inspirieren, als sie untersuchten, wie Vogelstimmen auf die Stimmung von Menschen wirken. Einen Teil ihrer Probanden schickten sie einfach auf einen halbstündigen Spaziergang in den Botanischen Garten der Uni Tübingen. Für eine andere Gruppe montierten sie Lautsprecher auf dem Gelände und frisierten den natürlichen Vogelsound mit Aufnahmen der beliebtesten Sänger.

Vogelgesang dämpft Stress

Zur Überraschung der Forscher machte das Vogelstimmen-Tuning keinen Unterschied: Bei allen Probanden nämlich sanken körperliche Anzeichen von Stress, wie Cortisolspiegel, Blutdruck und Puls. Und das mentale Wohlbefinden stieg. Auch ob die Testpersonen sich mit Vögeln auskannten, spielte keine Rolle. Und sogar jene, die zur Kontrolle mit Noise-Cancelling-Kopfhörern unterwegs waren, entspannten sich: Ein Spaziergang in der Natur beruhigt selbst ohne Soundtrack.

Doch das Zwitschern hatte einen Extraeffekt auf Körper und Seele – unter einer Bedingung: „Wenn wir den Leuten vorher sagten, sie sollen auf den Gesang achten, war die Wirkung größer“, erklärt Randler. „Das war der wichtigste Faktor.“ Offenbar entspannten sich die Versuchspersonen besonders gut, wenn sie ihre Aufmerksamkeit auf die Vogelstimmen konzentrierten… weiterlesen

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