Weidetierhalter für verbindliches Wolfsmanagement

Weidetierhalter für verbindliches Wolfsmanagement
Foto: Förderverein der Weidetierhalter

Weidetierhalter für verbindliches Wolfsmanagement

Unmittelbar vor der öffentlichen Anhörung zum Gesetzentwurf zur Änderung des Bundesjagdgesetzes hat der Förderverein der deutschen Schafhaltung vor dem Paul-Löbe-Haus des Deutschen Bundestages ein Pressegespräch abgehalten. Der Verein fordert den Gesetzgeber auf, aus Ankündigungen endlich verbindliches Handeln zu machen.

„Es reicht nicht mehr, das Problem zu beschreiben. Der Bundestag muss jetzt entscheiden, ob er die Weidetierhaltung in Deutschland erhalten will – oder ob er ihren schleichenden Rückzug hinnimmt“, erklärte Wendelin Schmücker, Vorsitzender des Fördervereins.

Europarecht ist kein Hindernis – sondern Grundlage

Deutschland ist Teil der mitteleuropäischen Wolfspopulation. Maßgeblich ist die Bewertung des Erhaltungszustands auf Populationsebene. Die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie erlaubt ausdrücklich Managementmaßnahmen, sofern der günstige Erhaltungszustand gewahrt bleibt. Der Europäischer Gerichtshof hat mit dem Urteil C-629/23 bestätigt, dass populationsbezogene Bewertungen zulässig sind. „Wer heute noch mit pauschalen Verweisen auf das Europarecht jede Regulierung blockiert, argumentiert politisch – nicht juristisch“, so Schmücker.

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Die Zahl der Wolfsrudel steigt. Gleichzeitig steigen Risszahlen, Herdenschutzkosten und psychische Belastungen der Tierhalter. „Unsere Mitglieder erleben die Folgen nicht auf dem Papier, sondern nachts auf der Weide“, betonte Schmücker. „Wer Verantwortung trägt, darf sich nicht hinter Verfahren und Prüfaufträgen verstecken.“

Der Förderverein fordert daher:

  • Sofortentnahme nach bestätigtem Riss, ohne bürokratische Verzögerung
  • Gezielte Entnahme schadensauffälliger Rudel
  • Streichung des unbestimmten Begriffs „ernster“ Schaden
  • Ausschluss der aufschiebenden Wirkung von Klagen gegen Managementmaßnahmen
Vollzugsblockade beenden

In den vergangenen Jahren sind rechtmäßige Entnahmeentscheidungen immer wieder durch Eilverfahren faktisch ausgehebelt worden. „Rechtsschutz darf nicht zur Dauerblockade werden. Wenn Monate vergehen, ist der nächste Riss längst passiert“, erklärte Schmücker. Der Förderverein fordert daher klare gesetzliche Regelungen, die Vollzugssicherheit gewährleisten und missbräuchliche Verzögerungsstrategien unterbinden.

Wissenschaft erlaubt reguliertes Bestandsmanagement

Aktuelle populationsbiologische Analysen zeigen, dass Mortalitätsraten von bis zu 40 Prozent bei Jungtieren die Stabilität der Population nicht gefährden. „Wir sprechen hier nicht über Ausrottung, sondern über reguliertes Wildtiermanagement“, stellte Schmücker klar. „Das ist bei anderen Arten selbstverständlich – beim Wolf darf es kein Tabu sein.“

Herdenschutz allein reicht nicht

Trotz massiver Investitionen in Zäune und Herdenschutzhunde kommt es weiterhin zu Rissen. Der Förderverein erkennt Herdenschutz als wichtige Maßnahme an, weist jedoch auf seine Grenzen hin. „Ein Zaun ersetzt kein Management. Und er ersetzt schon gar nicht politische Verantwortung“, sagte Schmücker.

Der Verein fordert:

  • vollständige Kostenerstattung aller Herdenschutzmaßnahmen
  • vollständige Entschädigung bei Schäden
  • bundeseinheitliche Regelungen
  • praktikable Anpassungen im Tierseuchenrecht zur effektiven Entnahme am Rissort
Entscheidungsmoment für den Bundestag

Die heutige Anhörung ist aus Sicht des Fördervereins ein politischer Wendepunkt. „Der Bundestag entscheidet nicht nur über einen Paragraphen. Er entscheidet darüber, ob Weidetierhaltung in Deutschland Zukunft hat“, erklärte Schmücker vor dem Paul-Löbe-Haus.

„Wenn wir die Weidewirtschaft verlieren, verlieren wir Biodiversität, Deichschutz, Kulturlandschaft und regionale Wertschöpfung. Wer das nicht will, muss jetzt für klare, rechtssichere und vollziehbare Regelungen stimmen.“

Klare Erwartung an die Bundesregierung

Der Förderverein fordert die Bundesregierung auf, den Gesetzentwurf so zu überarbeiten, dass:

  • europarechtliche Spielräume konsequent genutzt werden
  • rechtliche Unklarheiten beseitigt werden
  • Vollzugsblockaden ausgeschlossen werden
  • die Belastungen der Weidetierhalter endlich ernst genommen werden

„Wir erwarten keine wohlklingenden Bekenntnisse mehr. Wir erwarten Entscheidungen“, so Wendelin Schmücker abschließend.

Über den Förderverein der Deutschen Schafhaltung e.V.

Der Förderverein der Deutschen Schafhaltung e.V. wurde im Jahr 2010 gegründet, um über die wertvollen Leistungen der Schafhaltung und damit der Schäferfamilien aufzuklären. Die Schafhaltung leistet einen wesentlichen Beitrag zum aktiven Küstenschutz durch die Pflege der Deiche und die Offenhaltung zahlreicher Naturflächen in Deutschland. Bereits im Gründungsjahr führte der Verein einen Hirtenzug quer durch Deutschland durch, um auf seine Anliegen aufmerksam zu machen. Weitere Ziele des Vereins sind die Förderung des Natur- und Umweltschutzes sowie die Unterstützung für unverschuldet in Not geratene Schafhalter durch Geld- oder Sachzuwendungen. Der Verein hat seinen Sitz in Berlin und jeder Interessierte kann durch eine Lamm-Patenschaft helfen.

Wendelin Schmücker

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