Wo Europas Dürre-Hotspots entstehen

Wo Europas Dürre-Hotspots entstehen
faz.net: Der Kontinent ächzt unter Rekordhitze. Hitze führt zu Trockenheit – und die wird für einige Regionen ein bleibendes Phänomen sein. Der Klimawandel ist dafür nicht die einzige Ursache.
In Italien herrscht am Po der Ausnahmezustand. Die Regierung hat in mehreren Regionen den Dürre-Notstand ausgerufen, ein Drittel der Ernte ist bedroht. In Frankreich überlegen Bauern, auf Hirse oder Soja umzustellen, weil es der Gerste zu trocken wird. Über Spanien rollte schon im Mai eine Hitzewelle mit über 40 Grad. Das sind die höchsten Temperaturen, die auf der Iberischen Halbinsel zu dieser Jahreszeit je gemessen wurden. Großbritannien bricht den Hitzerekord. Südeuropa wird von Waldbränden heimgesucht, die Tausende Hektar Land zerstören. Deutschland trocknet weiter aus.
Das sind keine Zukunftsszenarien, sondern aktuelle Meldungen. Waren es zuletzt der Ukrainekrieg und die Energiekrise, die den Regierungen in Europa Kopfschmerzen bereiteten, ist es nun zusätzlich (wieder) die Klimakrise. Dabei war die Trockenheit nie richtig weg: Die Dürrejahre 2018, 2019 und 2020 haben den Böden nachhaltig zugesetzt. Für die Hitzewelle sind heiße Luftmassen aus Nordafrika verantwortlich, die sich über Spanien nach Deutschland geschoben haben. Auch schon in den Sommern 2003 und 2018 ließ ein stationäres Hochdruckgebiet Mittel- und Nordeuropa in brütender Hitze schmoren. Oft wird der Zusammenhang zu einem schwächer werdenden Jetstream als Erklärung herangezogen. Darüber herrscht in der Wissenschaft jedoch Uneinigkeit.

Sicher ist nur: Es wird in Europa immer trockener. Laut Daten des Helmholtz-Instituts waren schon vor der extremen Hitzewelle weite Teile Deutschlands zu trocken. Rund 26 Prozent des Gesamtbodens in Deutschlands sind aktuell von einer „außergewöhnlichen“ Dürre betroffen – die Situation im Schwarzwald, im Fichtelgebirge und im Harz fällt in die Kategorie, die statistisch höchstens einmal in 50 Jahren vorkommt. Mehr als die Hälfte Deutschlands leidet zudem unter einer „extremen“ Dürre. Das European Drought Observatory dokumentiert die Situation in Europa: Weite Teile Südeuropas sind deutlich trockener als normal, für viele Landstriche gilt erhöhte Alarmbereitschaft. Selbst der Süden von Schweden ist rot eingezeichnet.
Langfristig werden sich die aktuellen Trends wahrscheinlich verfestigen. Diverse Klimaprojektionen zeigen zum einen, dass bis zum Ende des 21. Jahrhunderts mit intensiveren und häufigeren Extremwettereignissen zu rechnen ist. Zum anderen werden sich bestimmte Hotspots herausbilden, die besonders stark betroffen sein werden. Als Hotspots gelten Regionen, die beispielsweise bei den Niederschlagsmengen starke Veränderungen erfahren. Forscher der Ludwig-Maximilians-Universität München haben vor wenigen Monaten eine Studie veröffentlicht, die mit einem komplexen Modell die Auswirkungen einer starken Erderwärmung auf Dürren in Europa untersucht. Sie haben herausgefunden, dass es große Unterschiede bei der Trockenheit in Europa geben wird. Je näher das Ende des Jahrhunderts kommt, desto trockener wird es. Hotspots wird es überall geben, vor allem aber in Spanien, Portugal, Frankreich – und den Alpen. Zwar werde dort die jährliche Niederschlagsmenge nur wenig abnehmen, dafür verändert sich die jahreszeitliche Verteilung. Starkregenereignisse könnten wahrscheinlicher werden.
Was als Dürre zählt, ist Definitionssache: Die Autoren dieser Studie sprechen von einem Dürreereignis, wenn sie mindestens drei aufeinander folgende Monate dauert. Ein zentrales Ergebnis der Studie ist, dass die Zahl sommerlicher Dürren zunehmen wird, die Winter dagegen aber immer feuchter werden. Eine Ausnahme bildet die Iberische Halbinsel. Dort haben die Niederschläge im Winter bislang die Trockenheit im Sommer kompensiert. In Spanien und Portugal nehmen jedoch als einzige Region in Europa die Niederschläge auch im Winter ab. Für Spanien belegen das die Niederschlagsdaten. In dem Land selbst gibt es große regionale Unterschiede, etwa zwischen dem grünen Norden und dem heißen Süden. In Deutschland fällt im Vergleich zu 1881, seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, sogar mehr Regen. Das Problem ist die Zeit: Während die Winter feuchter werden, nehmen die Niederschläge in den Vegetationsphasen Frühling und Sommer ab. Zudem gibt es einen weiteren Trend: Schnee und Regen konzentrieren sich auf weniger Tage. Zum Auffüllen der Wasserspeicher reicht das nicht aus, es bräuchte überdurchschnittlichen Niederschlag über mehrere Monate…. weiterlesen


