„Wolkenbruchplan“: Kopenhagen wird Schwammstadt

„Wolkenbruchplan“: Kopenhagen wird Schwammstadt
KOpenhagen Foto: Pixabay CC/PublicDomain

„Wolkenbruchplan“: Kopenhagen wird Schwammstadt

focus.de: Kopenhagen wappnet sich gegen Wetterkapriolen durch den Klimawandel. Davon profitieren Bewohner und Besucher schon heute. Wie „Wolkenbrüche“ aufgefangen werden sollen, zeigt der Stadtplaner Jan Rasmussen in der dänischen Hauptstadt.

Im Hafen schneidet ein Vierer mit Steuermann die Wellen, am Heck flattert der Dannebrog im Fahrtwind. Im Hafenbad Islands Brygge springt ein Mann vom Turm, niemand beachtet, wie perfekt sein Salto ist. Früh am Morgen ist das Bad noch spärlich besucht, nach Schulschluss wird sich das ändern. Jan Rasmussen, der Stadtplaner von Kopenhagen, hat Islands Brygge als Treffpunkt vorgeschlagen. Manchmal gehe er hier nach der Arbeit schwimmen, hat er am Telefon gesagt.

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Es war nicht leicht, Jan Rasmussen zu einer Fahrradtour am Hafen zu bewegen. Zuerst war er in Buenos Aires. Die argentinische Hauptstadt will von Kopenhagen lernen, wie man eine Metropole gleichzeitig hochwassersicher, grüner und lebenswerter macht. Zurück aus Südamerika sagte Rasmussen, er wolle nicht zu sehr im Fokus stehen. Schließlich sei es nicht seine Leistung allein, dass Kopenhagens Hafen dank dem „Wolkenbruchplan“ derart sauber und ein Anziehungspunkt für Einheimische und Touristen geworden sei.

Kopenhagen erlebt man vorzugsweise vom Wasser aus. Etwa in einem der beschaulich gleitenden Elektro-Motorboote zum Mieten. Oder in einem Green Kayak, das man gratis ausleiht. Als Gegenleistung verpflichtet man sich, Abfall aufzufischen. Viel zu tun gibt es nicht, kaum jemand wirft Abfall ins Wasser. Überall an den Quaimauern baumeln Beine, die Kopenhagener genießen bis in den Herbst hinein Sonne und Wind, trinken Weisswein oder eine Dose Carlsberg. Manche werfen Angeln aus, das Hobbyfischen ist überall erlaubt. Es gibt Chancen auf Hornhechte und Makrelen.

Weltweite Top-Stadt im Schwimmen

Das Baden ist in drei Hafenbädern mit Rettungsschwimmern und in den elf Badezonen ohne Rettungsschwimmer offiziell erlaubt. Aber das Speed-Boot der Polizei mit seinen zwei 250-PS-Aussenbordern kann nicht überall sein, und überhaupt scheint es, dass die Ordnungshüter Nachsicht walten lassen, jedenfalls springen die Menschen an vielen Kanälen ins Wasser. Die Gefahr ist überschaubar, man sieht bis zum Grund: Willkommen in „Copencabana“. So nennen sie das Hafenbad am Fisketorvet („Fischmarkt“) in Anlehnung an den Strand von Rio de Janeiro, doch der Begriff passt für den ganzen Hafen.

Ein CNN-Ranking rief Kopenhagen zur „weltweiten Top-Stadt im Schwimmen“ aus – Zürich sah sich auf den zweiten Platz verwiesen. Das gilt auch für den Winter: Das Baden im eisigen Wasser ist zum Volkssport geworden: Die Sensoren an den Eingängen der Gratis-Freiluftbäder zählten zwischen Oktober und März 216.195 Besucher.

Wolkenbruch im Juli 2011 verursachte Milliardenschaden

Am Steg von Islands Brygge steht nun Jan Rasmussen, 61, der für das saubere Wasser und damit die Bademöglichkeiten maßgeblich verantwortlich ist, neben seinem Dienst-Elektrofahrrad: Obwohl es warm ist, trägt er einen schwarzen Blouson: Sicher ist sicher, falls der Himmel überraschend seine Schleusen öffnet. Dieses Prinzip galt für Rasmussens ganzes Berufsleben.

Als junger Umwelttechniker plante er in den neunziger Jahren Kavernen im Untergrund mit. Davor konnte die Kanalisation stärkere Regenfälle nicht bewältigen: Über Überlaufbauwerke flossen die Niederschläge mit den Abwässern der Stadt vermischt direkt in den stinkenden Hafen. Durch den Bau der unterirdischen Reservoirs wurde diese Umweltverschmutzung ab der Jahrtausendwende weitgehend verhindert – so dass an der Islands Brygge die erste Badi bereits 2002 eröffnet werden konnte.

Doch die unterirdischen Reservoirs reichten nicht, um die Stadt vor Jahrhunderthochwassern zu schützen. Das zeigte ein Wolkenbruch im Juli 2011. Innerhalb einer Stunde fiel auf jeden Quadratmeter so viel Wasser, dass man damit eine Badewanne füllen könnte, 150 Liter. Die Kopenhagener beobachteten an den Fenstern ihrer Wohnungen, wie die Brühe die Deckel der Abwasserkanäle lupfte, in die Keller rann und sie bis unter die Decke füllte. Weite Teile der Stadt waren überflutet, vor allem das dicht besiedelte Viertel Vesterbro erinnerte an Venedig. Der Schaden belief sich auf rund eine Milliarde Franken… weiterlesen

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