Beweidung stärkt Artenvielfalt

Beweidung stärkt Artenvielfalt
Vieh auf der Weide Foto: Gerd Krämer/DVL

Beweidung stärkt Artenvielfalt

Anlässlich des Internationalen Tages der biologischen Vielfalt (22. Mai) warnt der Deutsche Verband für Landschaftspflege (DVL): Der Klimawandel stellt das bisherige Schutzkonzept von Natura 2000 auf den Prüfstand. Veränderte Wasserhaushalte und verschobene Artenzusammensetzungen gefährden wertvolle Lebensräume. Der DVL fordert deshalb praxistaugliche Anpassungsstrategien.

Eine zentrale Rolle spielt die extensive Beweidung: Sie erhält artenreiche Kulturlandschaften und macht Lebensräume widerstandsfähiger gegenüber den Folgen des Klimawandels.

Natura 2000 ist das europaweite Netzwerk von Schutzgebieten zum Erhalt gefährdeter Arten und Lebensräume. Viele dieser Biotope reagieren besonders sensibel auf klimatische Veränderungen. Bereits heute ist ihre Widerstandsfähigkeit durch nicht angepasste oder ausbleibende Bewirtschaftung beeinträchtigt. Hitze, Trockenheit oder Starkregen können sie nur eingeschränkt abpuffern.

Angesichts dieser Situation sieht Dr. Jürgen Metzner, Geschäftsführer des DVL, einen hohen Handlungsdruck: „Wir müssen jetzt Maßnahmen für die Klimaanpassung gemeinsam und schrittweise umsetzen. Nur im Zusammenspiel von Landwirtschaft, Naturschutz und Politik kann es uns gelingen, die Natura 2000-Schutzgebiete als zentralen Baustein für den Erhalt der biologischen Vielfalt zu sichern.“

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Klimaanpassung gemeinsam mit Landnutzenden und Betrieben

Der DVL sieht verschiedene Ansatzpunkte, um Natura 2000 besser an den Klimawandel anzupassen: Verändertes Mahdregime, eine reduzierte Düngung oder gezielte Beweidung können die ökologische Widerstandsfähigkeit stärken. Doch schon heute ist die für viele Natura 2000-Lebensräume wichtige Schafbeweidung vielerorts wirtschaftlich kaum tragfähig – eine Entwicklung, die sich durch Wetterextreme weiter verschärft.

Das macht eine angemessene Vergütung der Leistungen der Bewirtschaftenden so bedeutsam. „Auch die Agrarumweltmaßnahmen müssen für die erforderlichen Strategien der Klimaanpassung in der Landschaftspflege weiterentwickelt werden“, betont Dr. Metzner. „Die Betriebe müssen im Zentrum unserer Bemühungen stehen, denn auf sie kommt es an.“

Extensive Beweidung ebenfalls vom Klimawandel herausgefordert

Der DVL schlägt die Brücke zwischen Landwirtschaft und Naturschutz und ist besonders erfahren in der Entwicklung praxistauglicher Empfehlungen für das Flächenmanagement. Beweidung spielt dabei eine originäre Rolle, schließlich entspringen viele Kulturlandschaften dieser Form der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung. Mit ihr lassen sich artenreiche Lebensräume sehr gut erhalten und wiederherstellen.

Durch Beweidung kann sich eine Grasnarbe entwickeln, die Wasser gut aufnehmen und speichern kann. Doch auch beweidete Flächen werden durch Dürreperioden und Starkregenereignisse beeinträchtigt. Die Versorgung der Weidetiere mit ausreichend Futter und Wasser muss dennoch sichergestellt werden. Hier braucht es individuelle Lösungen, wie sie Weidebetriebe bereits in der Praxis austesten.

Praxisnahe Lösungen am Beispiel Bunde Wischen

„Beweidung ist einerseits eine zentrale Strategie für die Klimaanpassung von Natura 2000. Andererseits sind weidetierhaltende Betriebe ebenfalls davon herausgefordert und müssen Maßnahmen ergreifen“, so Gerd Kämmer, DVL-Vorstandsmitglied und Vorsitzender der Bunde Wischen eG, einem großen Bio-Rinderbetrieb in Schleswig-Holstein. Der weidetierhaltende Betrieb hat unterschiedlich ausgebildete Wasserstellen auf seinen Weideflächen etabliert. Durch variable Größe und Tiefe funktionieren sie so auch bei wechselnder Wasserverfügbarkeit.

Biologe und Landwirt Kämmer freut sich: „Ganz nebenbei ist dadurch ein Lebensraum für den stark gefährdeten Laubfrosch entstanden, der sich dauerhaft auf unseren Weideflächen etabliert hat.” Es hat sich außerdem bereits gezeigt, dass größere zusammenhängende Flächen erforderlich sind, um die Versorgung der Tiere im Klimawandel ganzjährig sicherzustellen.

Natura 2000-Klimaanpassung als Daueraufgabe

Klimaanpassung bleibt so wie der Schutz der biologischen Vielfalt eine langfristige Aufgabe, die weit über Projektlaufzeiten und Legislaturperioden hinausgeht. Der DVL arbeitet dazu permanent an neuem Praxiswissen, das für die Anwendung hilfreich ist. „In Zeiten zunehmenden Extremwetters ist mehr Flexibilität von allen Seiten gefordert – von Verwaltung, von Naturschutzvorgaben und von Betrieben“, betont Dr. Metzner. Dann können Lösungen in der Praxis umgesetzt werden, die Klimaanpassung und den Schutz der biologischen Vielfalt bestmöglich verbinden.

Christa Weiß

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