Absurd: Ökostrom wegwerfen statt nutzen

Absurd: Ökostrom wegwerfen statt nutzen
Foto: Pixabay CC/PublicDomain

Absurd: Ökostrom wegwerfen statt nutzen

fr.de: Der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung in Deutschland steigt. Da der Netzausbau jedoch nicht Schritt hält, müssen die Betreiber ihre Anlagen zeitweise abschalten.

Laut dem Statistischen Bundesamt (Destatis) stammten im Jahr 2025 bereits 58,6 Prozent des ins Netz eingespeisten Stroms aus Wind-, Solar- oder Biogasanlagen. Doch das Übertragungsnetz wird den neuen Anforderungen derzeit kaum gerecht. Es muss auf mehreren Ebenen umfangreich erweitert werden.

Ausbau des Höchstspannungsleistungsnetzes dauert Jahre

Einerseits entfernen sich durch den Ausbau der erneuerbaren Energien Stromerzeugung und -verbrauch geografisch zunehmend voneinander. So muss beispielsweise Windenergie aus dem Norden zu den Verbrauchern im Süden transportiert werden. Dafür muss das Höchstspannungsnetz, das große Distanzen überbrückt, ausgebaut werden. Laut der Bundesnetzagentur beläuft sich der Bedarf beim Netzausbau auf rund 16.800 Kilometer Höchstspannungsleitungen, wovon die Behörde für etwa 9600 Kilometer zuständig ist. Bis 2030 sollen 4140 Kilometer neue Leitungen in Betrieb sein.

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Doch die vier Betreiber 50Hertz, Amprion, Tennet und TransnetBW kommen mit dem Ausbau kaum hinterher. So warnte 50Hertz bereits im vergangenen Jahr, dass bis 2029 keine Kapazitäten mehr für neue Anschlüsse ans Stromnetz zur Verfügung stehen werden.

Milliardeninvestitionen für das Verteilernetz notwendig

Neben dem Höchstspannungsleistungsnetz muss auch das Stromverteilnetz den neuen Gegebenheiten angepasst werden. Laut dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) sind die Verteilnetze das Rückgrat der Energiewende: Rund 95 Prozent der Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energien sind hier angeschlossen. Eine Herausforderung für das Verteilernetz ist auch, dass vermehrt Leistungsspitzen aufgrund witterungsbedingt hoher Stromeinspeisungen aus Fotovoltaik- und Windenergieanlagen entstehen.

Mit den Netzausbauplänen 2024 haben die 82 größten Verteilernetzbetreiber den kommenden Bedarf an Netzausbau abgeschätzt. Für den erwarteten Netzausbaubedarf zur Erhöhung der Übertragungskapazität werden bis 2033 Investitionen in Höhe von 110 Milliarden Euro benötigt.

Betreiber in Bayern erhalten das meiste Geld

Da der Netzausbau mit dem wachsenden Angebot von Windkraft- oder Solarstrom nicht Schritt hält, müssen deren Betreiber ihre Anlagen zeitweise abschalten. Weil sie ihren Strom wegen der Netzengpässe nicht einspeisen konnten, haben sie im Jahr 2025 rund 435 Millionen Euro Entschädigung erhalten. Im Vergleich zu 2024 waren es rund 120 Millionen Euro weniger – ein Rückgang, der sich seit Jahren fortsetzt. Dies geht aus der Antwort des Bundeswirtschaftsministeriums auf eine Anfrage des Linken-Abgeordneten Dietmar Bartsch hervor, wie die dpa berichtet. Die konkrete Höhe der Entschädigung orientiert sich im Einzelfall am jeweiligen Marktpreis.

Es sind große regionale Unterschiede feststellbar. Mit 165 Millionen Euro war Bayern 2025 Spitzenreiter bei dem finanziellen Ausgleich für Erzeuger erneuerbarer Energien. Die hohe Summe erklärt sich unter anderem dadurch, dass dort viele Solaranlagen gebaut wurden, der Leitungsausbau in dem Bundesland aber nur langsam vorankommt.

Auf den Plätzen zwei und drei folgen die großen Windkraftländer Niedersachsen mit 120 Millionen und Schleswig-Holstein mit 54 Millionen Euro. Gerade an windreichen Tagen reichen die Leitungskapazitäten nicht aus, um den Strom zu transportieren. Die Netzbetreiber regeln deshalb bei Engpässen regional Erzeuger ab. Betreiber in Hessen, Bremen, im Saarland, Berlin und Hamburg bekamen dagegen wenig oder gar nichts.

Netzausbau muss beschleunig werden

Bartsch sprach von einem „Systemversagen“ und forderte Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) auf, Abhilfe zu schaffen. „Die Bundesregierung verantwortet die höchsten Strompreise in Europa – gleichzeitig wird Strom ‚weggeschmissen‘“, sagte er. „Diese Absurdität auf dem Rücken der Verbraucher muss enden.“ Denn bezahlt werde sie von den Stromkunden… weiterlesen

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