Artenschutz muss (leider wieder) warten

Artenschutz muss (leider wieder) warten
Gorilla Foto: Mylene2401/PixabayCC/PublicDomain

Artenschutz muss (leider wieder) warten

zeit.de: Eigentlich sollte der UN-Umweltgipfel 2020 stattfinden. Seither sind 100 Tier- und Pflanzenarten ausgestorben, Millionen sind bedroht. Die Zeit für Artenschutz läuft ab.

Wieder mal verschoben: Erst Anfang Dezember soll nun der längst überfällige UN-Umweltgipfel eröffnet werden, ein Vierteljahr später als zuletzt geplant. Zudem wird die Konferenz des Übereinkommens über biologische Vielfalt (Convention on Biological Diversity, CBD) von China nach Kanada verlegt. Nature berichtet, Forscher seien „erleichtert“. Erleichtert, dass es nicht noch länger dauert, bis 2023 etwa. Insofern ist die jüngste Verschiebung beinahe eine gute Nachricht.

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Die vertrackte Vorgeschichte der Konferenz zeigt exemplarisch das Dilemma globalen Umweltschutzes: Erstens ist immer etwas anderes wichtiger. Zweitens erschwert die Weltlage jede Einigung.

Dabei herrschte Optimismus in den Monaten vor dem ursprünglichen Konferenztermin 2020. Dass die Volksrepublik sich aufgeschwungen hatte, in der südchinesischen Millionenstadt Kunming die Verhandlungen auszurichten, galt als Ansage. „China rückt in den Mittelpunkt des weltweiten Ringens um die Artenvielfalt„, schrieb Nature damals. Doch dann überlagerte Corona alles. Die Konferenz wurde auf 2021 verschoben, fand dann nur virtuell statt. Ein Treffen in Präsenz wurde für das Frühjahr 2022 anberaumt, in den Spätsommer verschoben, wieder infrage gestellt … Ein riesiger Gipfel mit Tausenden ausländischen Teilnehmern hätte einfach nicht zu Chinas Null-Toleranz-Corona-Politik gepasst – ein tragisches Beispiel dafür, wie akute Notlagen chronische Krisen überlagern.

So verstreicht Zeit, die man nicht hat. Allein in den vergangenen zwei Jahren wurden 100 Arten, die auf der Roten Liste standen, offiziell als ausgestorben eingestuft. Laut dem Welt-Biodiversitätsrat droht einer Million Tier- und Pflanzenspezies dasselbe Schicksal. Schon einmal sollte der Naturverlust gestoppt werden, indem sich die Vertragsstaaten auf fünf Ziele verständigten. 2010 war das. Zehn Jahre später bilanzierte der Global Biodiversity Outlook, dass keines der sogenannten Aichi-Ziele erreicht worden war. Und einen Nachfolgevertrag mit Nachfolgezielen gab es auch nicht. Dafür war Kunming gedacht.

Die zweite Erschwernis ist die Geopolitik dieser Tage. Selbst im Kalten Krieg hatte sich die Welt auf bestimmte Umweltschutzziele einigen können. Gegenwärtig aber macht sich die Furcht vor einer neuen Kompromisslosigkeit breit. Beispiel Antarktisvertrag: Bei den Verhandlungen Ende Mai in Berlin blieben nicht nur substanzielle Fortschritte aus, selbst das Minimalziel, den Kaiserpinguin zu schützen, scheiterte. Just Chinas Delegation behauptete, man müsse da erst noch weiter forschen.

Wird dieses China nun vorangehen? Gelingt eine Einigung darauf, wie bis 2030 ein Drittel der Land- und Meeresfläche unter Schutz gestellt wird? Und wie armen Ländern dabei mit dreistelligen Milliardenbeträgen geholfen wird? Nur so ließe sich der selbst formulierte Anspruch aufrechterhalten: binnen dieses Jahrzehnts den Verlust natürlicher Vielfalt zu stoppen… weiterlesen

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