Bald wird das Wasser knapp

Bald wird das Wasser knapp
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Bald wird das Wasser knapp, aber für Trinkwasser und Landwirtschaft gibt’s keinen Plan

Von Marco Pühringer, KONTRAST.at

Bis 2050 wird Österreichs Grundwasserspiegel um fast ein Viertel schrumpfen – gleichzeitig steigt der Wasserbedarf um 11 bis 15 Prozent. Schon heuer könnte das Wasser in einigen Regionen knapp werden. Die SPÖ fordert eine Priorisierung der Trinkwasserversorgung der Bevölkerung vor anderen Bereichen. Seit spätestens 2019 weiß das für die Wasserversorgung zuständige Landwirtschaftsministerium von der Problematik, doch reagierte nicht. Für die Landwirtschaft gibt es noch nicht einmal Wasserzähler.

Es steht nicht gut um Österreichs Wasser. Der Klimawandel macht sich bemerkbar: Trockene Sommer führen zu weniger Niederschlag und zu einem höheren Bewässerungsbedarf. Vor allem im vergleichsweise wasserarmen Osten Österreichs spitzt sich die Lage zu. Im Nordburgenland ist in den letzten fünf Jahren insgesamt ein Fünftel weniger Regen gefallen. Im burgenländischen Neudörfl ist der Grundwasserspiegel auf dem Tiefststand der letzten 100 Jahre, erklärt Dr. Helmut Herlicska vom Wasserleitungsverband Burgenland.

Gleichzeitig führt die steigende Bodenversiegelung dazu, dass immer weniger Wasser einsickern und ins Grundwasser gelangen kann.

EIN VIERTEL WENIGER GRUNDWASSER, ABER WASSERVERBRAUCH UM 15 PROZENT HÖHER

Schon diesen Sommer wird es in einigen Regionen Österreichs zu Wasserknappheit kommen. Die Bewässerung von Gärten muss man dort wohl einschränken. Doch das ist erst ein Vorgeschmack: Wenn sich die Entwicklungen fortsetzen, dann wird bis 2050 der Grundwasserspiegel um 23 Prozent sinken. Gleichzeitig führt die demografische Entwicklung zu einem um elf bis 15 Prozent, in manchen Gemeinden gar 50 Prozent höheren Wasserverbrauch.

Sollte es zu Engpässen kommen, muss rechtlich sichergestellt sein, dass die Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser Vorrang hat, sagt SPÖ-Konsumentenschutzsprecher Christian Drobits.

Die SPÖ fordert deshalb, dass die Priorität der Trinkwasserversorgung im Wasserrecht verfassungsrechtlich verankert wird – „Trinkwasser zuerst“, so Drobits. „Ich verlange daher, dass die Trinkwasserversorgung im Wasserrechtsgesetz im Verfassungsrang verankert wird.“

WASSERKNAPPHEIT: LANDWIRTSCHAFTSMINISTERIUM STEHT AUF DER BREMSE

Die Zahlen stammen aus der Studie „Wasserschatz Österreich“ des Landwirtschaftsministeriums. Doch dort scheint man sich dem Ernst der Lage nicht bewusst zu sein. In der Vergangenheit wurden mehrere Anträge von Drobits zu dem Thema durch die Regierungsmehrheit vertagt. Schon 2019 gab es eine parlamentarische Enquete, die forderte, die Trinkwasserversorgung für die Bevölkerung in den Verfassungsrang zu heben. Dieser Punkt hat es sogar in das Regierungsprogramm geschafft, doch das Landwirtschaftsministerium scheint wenig Interesse an einer Umsetzung zu haben – das dürfte sich durch den Ministerwechsel von Elisabeth Köstinger zu Norbert Totschnig (beide ÖVP) nicht geändert haben: „Beim neuen Landwirtschaftsminister ist zu erwarten, dass er weiterhin die Agrar-Industrie stärker unterstützt und der Konsument auf der Strecke bleibt“, erklärt der SPÖ-Konsumentenschutzsprecher.

Durch die Erderwärmung regnet es seltener. Obendrein gelangen immer mehr Pestizide aus der Landwirtschaft ins Grundwasser. (Foto: Unsplash/Elizabeth Lies)

INDUSTRIE VERBRAUCHT 70 PROZENT DES WASSERS – FÜR DIE LANDWIRTSCHAFT FEHLEN DATEN

Ein Grund für die Zurückhaltung des Neo-Ministers, der sich selbst als „Lobbyist der Bauern“ bezeichnete, dürfte die Schonung seines Klientels sein. Wäre die Wasserversorgung der Bevölkerung im Verfassungsrang, würde bei Wasserknappheit zuerst die Bevölkerung mit Trinkwasser versorgt, alles andere würde nachrangig behandelt. Für 70 Prozent des Wasserverbrauchs in Österreichs ist die Industrie verantwortlich, für 24 Prozent die Wasserversorgung der Bevölkerung und für 4 Prozent die Landwirtschaft. Zwei Prozent entfallen auf „Dienstleistungen“, damit ist vor allem die Beschneiung von Skipisten und Golfplatzbewässerung gemeint.

Diese Zahlen aus dem Landwirtschaftsministerium sind jedoch verzerrt. Denn es gibt für die Agrar-Industrie keine verpflichtenden Wasserzähler. Die Studie des Ministeriums erfasst deshalb den Wasserverbrauch der Landwirtschaft, der aus öffentlichen Wasserquellen gedeckt, wird schlicht nicht.

Das bedeutet, das Ministerium, dass die Wasserversorgung Österreichs verwaltet, weiß nicht, wie hoch der Verbrauch in der Landwirtschaft ist. Bei einer Ressource, die langsam aber sicher knapp wird, ist das fatal.

LANDWIRTSCHAFT IN ÖSTERREICH MUSS AUF DIE VERÄNDERTEN BEDINGUNGEN VORBEREITET WERDEN

Doch nicht nur bei der Datenlage gibt es Aufholbedarf. Die Landwirtschaft müsste auch auf die veränderten klimatischen Bedingungen vorbereitet werden, fordert SPÖ-Landwirtschaftssprecherin Cornelia Ecker. Freilich vermisst sie Unterstützung seitens der Politik und der öffentlichen Hand.

„In den Skigebieten gibt es Maßnahmen angesichts des drohenden Schneemangels. Für die Landwirtschaft gibt es angesichts drohender Wasserknappheit keinen Plan“, kritisiert Ecker.

So bräuchten künftig wasserarme Regionen Unterstützung etwa bei der Einführung trockenresistenter Kulturpflanzen inklusive Schulung der Bäuerinnen und Bauern. Ecker denkt auch darüber nach, Agrarförderungen an umwelt- und wasserschonende Landwirtschaft zu knüpfen. Bauern und Bäuerinnen die, die Umwelt weniger mit Pestiziden wie Glyphosat belasten und weniger zur Nitratverunreinigung des Grundwassers beitragen, könnten bevorzugt werden.

IMMER MEHR PESTIZIDE: 10 PROZENT DER WASSERPROBEN BEDENKLICH VERSCHMUTZT

Wie dringend der Handlungsbedarf ist, zeigt die Datenlage: Der Pestizidverbrauch in Österreich ist zwischen 2011 und 2018 um 53 Prozent gestiegen und stagniert seither auf hohem Niveau. Schon jetzt ist durch den Einsatz von Pflanzengiften und Stickstoff-Dünger das Wasser auf vielen Brunnen nicht mehr genießbar. Im „grünen Bericht“ muss das Landwirtschaftsministerium einräumen, das durch Pestizid- und Nitratbelastung in rund 10 Prozent aller getesteten Poren-Grundgewässer, Schwellenwerte überschritten wurden. Auch bei 23 Prozent die Flüsse kommt es zu einer erhöhten Belastung durch Stickstoff und Phosphor.

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Die Veröffentlichung erfolgt im Rahmen unserer Medienpartnerschaft mit Pressenza


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