Biodiversität im Kleinformat

Biodiversität im Kleinformat
Luftaufnahme des Jena Experiments in Thüringen. (Bild: Jena Experiment)

Biodiversität im Kleinformat

So wie bei Tierversuchen nicht alle Resultate auf den Mensch übertragbar sind, ist es auch bei der Biodiversitätsforschung umstritten, inwieweit man Versuchsergebnisse aus „künstlichen“ Ökosystemen, in die Natur übertragen kann. Dem wollte ein internationales Forscherteam unter Leitung des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv), der Universität Leipzig (UL), der Universität Bern und des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums nachgehen und hat Daten aus realen Grünlandpflanzengemeinschaften mit Daten aus zwei der größten und am längsten laufenden Experimente zur Biodiversität von Grünland (dem Jena-Experiment in Deutschland und BioDIV in den USA) hinsichtlich ihrer taxonomischen, funktionellen und phylogenetischen Vielfalt und Zusammensetzung der funktionellen Merkmale verglichen.

„Wir haben zunächst untersucht, inwieweit sich die Pflanzengemeinschaften der Versuchsflächen und der echten Natur hinsichtlich der Artenzahl, der verwandtschaftlichen Nähe der Arten und der funktionalen Eigenschaften unterscheiden. Dabei zeigt sich, dass die Versuchsflächen vielfältiger als die echte Natur sind und es dort Pflanzengemeinschaften gibt, die man in der realen Welt nicht vorfindet. Im ‚Jena Experiment’ beispielsweise ähneln nur 28 Prozent der Parzellen der echten Natur so stark, dass wir sie als ‚realistisch’ eingestuft haben”, erklärt Ko-Autor Dr. Peter Manning, Wissenschaftler am Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum.

 

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Luftaufnahme des BioDIV Experiments in Minnesota, USA, das im Rahmen der Studie ebenfalls erforscht wurde. (Bild: Forest Isbell)

Die Forscher verglichen im nächsten Schritt die Ergebnisse aller Versuchsparzellen mit Ergebnissen, die nur aus „realistischen“ Parzellen stammen. „Überraschenderweise änderte sich kaum etwas. Bei zehn von zwölf Zusammenhängen zwischen dem Artenreichtum und einer Funktion des Ökosystems unterscheiden sich die Ergebnisse zwischen den gesamten und den ‚realistischen‘ Versuchsparzellen nicht signifikant. Das deutet darauf hin, dass die Abhängigkeit der Ökosystemfunktionen von biologischer Vielfalt, die solche Biodiversitätsexperimente zeigen, sehr wahrscheinlich auch in der weitaus komplexeren Natur besteht“, erklärt Erstautor Dr. Malte Jochum, Wissenschaftler bei iDiv und UL und zuvor an der Universität Bern tätig.

Das bedeutet, dass die Erkenntnisse zu den Auswirkungen des Artensterbens, die auf Versuchsflächen gewonnen wurden, valide sind. Die Forscher weisen daher ausdrücklich auf die entscheidende Rolle der biologischen Vielfalt und die Notwendigkeit ihres Schutzes hin, damit wir auch in Zukunft noch gut leben können. (Quelle: iDiv Halle-Jena-Leipzig)

red

Ihre Resultate stellen die Wissenschafter in der Fachzeitschrift «Nature Ecology and Evolution» vor. 

 

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