CoZEV will „Schifffahrt bis 2040 dekarbonisieren“

CoZEV will „Schifffahrt bis 2040 dekarbonisieren“
Grafik: Tchibo

CoZEV will „Schifffahrt bis 2040 dekarbonisieren“

Tchibo will seine Waren bis 2040 mit CO2– freiem Kraftstoff über die Weltmeere transportieren. Dazu hat sich das Unternehmen gemeinsam mit anderen wie Amazon, Unilever oder Ikea in der Initative coZEV (Cargo Owners for Zero Emission Vessels) verpflichtet. Die Idee stammt von den Wissenschaftlern des Aspen Institute (USA). So sollen die Containerschiffe, die rund 90 Prozent des Handels transportieren, klimafreundlicher werden. Im Interview mit globalmagazin nennt Sandra Coy, bei Tchibo Sprecherin für Unternehmensverantwortung, die Beweggründe für den Vorstoß.

Was verstehen Sie unter kohlenstofffreiem Kraftstoff?

Sandra Coy: Derzeit gibt es viele potenzielle Kraftstoffoptionen, es ist noch zu früh, sich nur auf eine Option zu konzentrieren. Der zu wählende Kraftstoff sollte nach folgenden Kriterien beurteilt werden:

SandraCoy Tchibo
Sandra Coy Foto: Tchibo

1. Null (oder nahe null) Emissionen für alle Treibhausgase, nicht nur CO2.

2. Der Kraftstoff muss das Potenzial haben, in ausreichenden Mengen verfügbar zu sein, um den gesamten Sektor zu dekarbonisieren.

3. Der Kraftstoff muss kostenmäßig wettbewerbsfähig mit herkömmlichen Kraftstoffen werden, politische Unterstützung ist angebracht.

4. Aus erneuerbaren Energien hergestellte Schiffskraftstoffe auf Wasserstoffbasis sind derzeit attraktiv, da sie aus Sicht des Lebenszyklus emissionsfrei sind und in großem Maßstab zu potenziell wettbewerbsfähigen Preisen hergestellt werden können.

In der Initiative wird das Jahr 2040 als Zieljahr genannt. Ist das realistisch, wenn neue Schiffe gebaut und alternative Kraftstoffe entwickelt werden müssen?

Um eine mindestens 50-prozentige Chance zu haben, unter 1,5°C zu bleiben, muss der Schiffs-Sektor bis 2040 dekarbonisiert werden. Darum sind wir der Meinung, dass 2040 das richtige Ziel für die Klimapolitiker ist und dass 2050 der späteste Zeitpunkt sein sollte, an dem die gesamte Branche null Emissionen erreicht.

Weil?

…Schiffe in der Regel 15-20 Jahre im Einsatz bleiben. Wir müssen also jetzt mit dem Wandel beginnen, um eine Chance zu haben, die Branche auf Null-Emissionen umzustellen. Für einige Kraftstoffoptionen, etwa die mögliche Verwendung von grünem Ammoniak als Schiffskraftstoff, gibt es bereits umfangreiche Lieferketten auf der ganzen Welt, auf denen wir aufbauen können. Es ist oft nicht notwendig, völlig neue Schiffe zu bauen. Eine Nachrüstung wird in vielen Fällen möglich sein, wobei einige der in Betracht gezogenen flüssigen Kraftstoffe sogar in Verbrennungsmotoren verwendet werden können. 

„Wir brauchen neue Lösungen für Schiffstreibstoffe“

 Gibt es diese Schiffe bereits oder wer wird die neuen Schiffe bauen und betreiben?

Es gibt bereits Schiffe, die mit Biokraftstoff betrieben werden, diese bieten eine Einstiegsmöglichkeit für Frachteigner an, die an einer kohlenstoffärmeren Schifffahrt interessiert sind. Aber wir alle wissen, dass nachhaltige Biokraftstoffe, die keine Probleme hinsichtlich der Landnutzung aufwerfen, langfristig auf Lieferengpässe stoßen. Wir brauchen also neue Lösungen.

Was kann das sein?

Unseres Wissens nach gibt es kein Schiff, das mit einem kohlenstofffreien Brennstoff betrieben wird. Die Reederei Maersk kündigte kürzlich an, bis Mitte der 2020er-Jahre Schiffe, die mit Methanol – das mit erneuerbaren Energien und nachhaltiger Biomasse hergestellt werden kann, einzuführen. Schiffe, die mit aus Wasserstoff gewonnenen Kraftstoffen betrieben werden, sind leider noch nicht kommerziell in Nutzung.  Wir würden es begrüßen, wenn diese Technologien so bald wie möglich eingeführt würden.

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Im internationalen Handel gibt es derzeit viele Engpässe, vor allem im Tiefseeverkehr, was die globale Lieferkette beeinträchtigt. Wird die Initiative diese Entwicklung verschlimmern?

Die durch die Pandemie verursachten derzeitigen Lieferengpässe sind in der Tat ein Problem, aber wir glauben, dass sich die Situation entschärft, lange bevor die neuen kohlenstofffreien Kraftstoffe und Technologien kommerziell genutzt werden können – hoffentlich bis Mitte der 20er Jahre.

Verbraucherinnen und Verbraucher wollen zur Lösung des Problems beitragen

Die aktuelle Liefersituation hat das Bewusstsein der Öffentlichkeit für die wichtige Rolle der Seeschifffahrt in ihrem täglichen Leben geschärft –  auch für die Umweltauswirkungen der über den Ozean transportierten Waren.  Das bietet uns die Gelegenheit, mit unserer Kundschaft über unsere Bemühungen zu sprechen, die Dekarbonisierung dieser lebenswichtigen globalen Industrie zu beschleunigen.

Wird und wie wirkt sich coZEV auf die Preise der von Tchibo verkauften Produkte aus?

Wir sind uns bewusst, dass kohlenstofffreie Kraftstoffe für den Transport mehr kosten als herkömmliche Kraftstoffe, vor allem am Anfang, wenn noch keine Skaleneffekte erzielt werden und keine ausreichende politische Unterstützung vorhanden ist. Wir glauben aber, dass kohlenstofffreie Kraftstoffe bis 2040 mit herkömmlichen fossilen Kraftstoffen wettbewerbsfähig sein werden.

Unsere Kundinnen und Kunden wollen ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis – und wir verpflichten uns, dieses immer zu bieten. Glücklicherweise wollen die Verbraucherinnen und Verbraucher aber zunehmend, dass ihr Geld zur Lösung des Klimaproblems beiträgt.

pit

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