Der lange Weg zu kurzen Wegen

Der lange Weg zu kurzen Wegen
Bratwurstleine Foto: Regionalbewegung

Der lange Weg zu kurzen Wegen

Es sind die kurzen Wege von regionalen Produkten und das große Potenzial, das dahinter steckt, auf die der Bundesverband der Regionalbewegung e.V. mit dem „Land- und Handwerkerweg 2020“ zum Tag der Regionen aufmerksam macht.

In über 60 Beiträgen säumen Regionalinitiativen mit ihren regionalen Produkten die Wegesränder. So zeigen unter anderem Bierstraßen, Ölspuren, Kürbiswege, Honigpfade, Apfelstrecken, Tomatenbahnen, Gemüsekisten-Parcours oder Wurstwege quer durch alle Bundesländer, dass es diese kurzen Wege – noch – gibt. Weil die kleinen und mittleren Betriebe dahinter jedoch akut vom Aussterben bedroht sind, wirbt die öffentlichkeitswirksame Aktion für mehr Aufmerksamkeit und bessere Rahmenbedingungen für regionale Land- und Handwerker in ganz Deutschland.

Krise macht deutlich: Regionale Versorgungswege sind wichtig
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Logo: Tag der Regionen

Eine Bratwurst-Leine symbolisiert so zum Beispiel den kurzen Weg von nicht einmal 15 Kilometern, die die Würste vom Schweinestall über die selbstschlachtende Handwerksmetzgerei bis in die Stadt zurückgelegt haben. „Das ist ein Idealfall, der aber leider für viele Lebensmittel nicht mehr selbstverständlich ist“, bedauert Heiner Sindel, 1. Vorsitzender des Bundesverbandes der Regionalbewegung e.V.  „Denn viele industriell erzeugten Bratwürste, die vakuumverpackt in den Supermarktregalen liegen, werden oftmals durch die halbe Republik und darüber hinaus gekarrt.“

In Krisenzeiten wird uns bewusster denn je, wie wichtig regionale Strukturen und kurze Wege sind. Die Nachfrage nach regionalen Produkten ist hoch. Gleichzeitig sind jedoch in den letzten Jahren viele regionale Verarbeitungs- und Vermarktungsstrukturen weggebrochen oder haben anhaltend mit schwierigen Rahmenbedingungen zu kämpfen. Es ist ein langer und mitunter steiniger Weg, auf allen gesellschaftlichen und politischen Ebenen die breite Aufmerksamkeit für das Thema Regionalität zu erlangen, die es braucht, um die Garanten und Akteure regionaler Wirtschaftskreisläufe zu stärken. Dafür bedarf es eines großen Netzwerkes an Unterstützern und einer breiten Öffentlichkeit, die die Regionalbewegung mit dem Land- und Handwerkerweg erreichen will.

Kreisläufe mit großem Potenzial
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Regionale Wirtschaftskreisläufe bieten ein großes Potenzial für den „Klimaschutz durch kurze Wege“ ist sich Heiner Sindel sicher: „Kurze Wege sind keineswegs kurz, sondern im Gegenteil sehr weit gedacht, da es langfristig keine Alternative zu einer krisenfesten, nachhaltigen und klimabewussten Regionalisierung in der Ernährungswirtschaft geben wird.“

Es braucht von politischer Seite ein ganzes Maßnahmenbündel in Form eines „Bundesprogramms Regionale Wertschöpfung“, um die kleinen und mittleren Betriebe der Land- und Ernährungswirtschaft langfristig wettbewerbs- und überlebensfähig zu machen. Der Land- und Handwerkerweg leistet einen wichtigen Anstoß für strukturpolitische Maßnahmen dazu.

red

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