Die seltensten Vögel der Welt

Die seltensten Vögel der Welt
Ausgestorbener DodoMansur Zeichnung (um 1600): Wikimedia CC

Die seltensten Vögel der Welt

spektrum.de: Jede achte von 11 000 Vogelarten ist vom Aussterben bedroht. Manche gelten seit Jahrzehnten als verschollen. Gelingt es, sie in einem Wettlauf mit der Zeit zu schützen?

Jason Gregg erlebte Ende September 2022 einen der glücklichsten Momente in seinem Ornithologenleben. »Während die anderen jubelten, starrte ich minutenlang nur auf die Kamera und konnte es nicht fassen«, sagt der 33 Jahre alte Naturschutzbiologe, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, verschollene Vogelarten zu finden. Was er da im September mitten im Regenwald der Insel Moratau im Osten von Papua-Neuguinea auf dem Bildschirm einer Kamerafalle sah, war ein besonderer Vogel: Die Schwarznacken-Fasantaube, von den Einheimischen »Auwo« genannt. »Das letzte Mal, dass westliche Wissenschaftler die Art beobachtet haben, war 1882, vor unfassbaren 140 Jahren«, sagt Gregg.

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Der Erfolg war kein Zufall: 2019 hatte der Ornithologe bereits einen Monat lang die Vogelwelt der Insel erfasst und dabei auch nach der Fasantaube gesucht – vergebens. Beim zweiten Anlauf im September 2022, den die US-Naturschutzorganisation American Bird Conservancy und ein privater Mäzen unterstützten, klappte es jetzt. Den entscheidenden Hinweis, wo man den Vogel finden könnte, gaben Jäger. »Es war der letzte Tag einer vierwöchigen Suche, und wir hätten beinahe aufgegeben«, berichtet Gregg, »als wir dann sahen, dass es den Vogel noch gibt, waren wir extrem erleichtert und glücklich.«Schwarznacken-Fasantauben, deren besonderes Merkmal ein schwarzer Nackenfleck ist, sind etwa so groß wie Haushühner. Sie leben auf dem Boden des unberührten Regenwalds von Moratau, wo sie sich von Beeren und Insekten ernähren.

Der Auwo-Vogel von Moratau gehört zu einer traurigen Gemeinschaft von Lebensformen, die unmittelbar vom Aussterben bedroht sind. Von knapp 1400 der rund 11 000 Vogelarten weltweit gibt es nach Analysen der Weltnaturschutzorganisation IUCN nur noch so wenige Exemplare, dass jederzeit mit ihrem Abgang von der Weltbühne zu rechnen ist.

Kaum entdeckt, schon bedroht

Verantwortlich dafür sind in den meisten Fällen Menschen, die Lebensräume zerstören, unbekannte Feinde wie Katzen und Ratten auf Inseln einschleppen oder Arten zu Tode jagen, wie es etwa im 19. Jahrhundert auf Island mit dem Riesenalk geschah. »Arten sterben derzeit zehn- bis hundertmal schneller aus als im Durchschnitt der letzten zehn Millionen Jahre«, warnt die argentinische Biologin Sandra Diaz, Mitautorin der wichtigen Studie des Weltbiodiversitätsrats IPBES zum Zustand der Natur.

Der während der Weltnaturschutztagung COP15 in Montreal verabschiedete »Weltnaturvertrag« soll konkrete Ziele setzen, um bis 2030 den großen Schwund der Naturvielfalt zu beenden und so viele Arten wie möglich zu retten. Die Vogelwelt ist der am besten sichtbare und populärste Indikator des Artensterbens.

Viele der 11 000 Vogelarten befinden sich in einem merkwürdigen Schwebezustand zwischen Aussterben und Überleben. Manche dieser Arten sind so selten, dass sie bisher noch niemandem aufgefallen sind, aber kaum entdeckt bereits auf die Aussterbeliste gesetzt werden müssen, etwa die Principe-Zwergohreule. Andere galten als längst ausgestorben, tauchen dann aber doch wieder auf, wie 2021 der Schwarzbrauen-Mausdrossling auf Borneo. Viele Arten sind von Natur aus extrem selten, etwa weil sie auf abgelegenen kleinen Inseln entstanden und dadurch sehr anfällig für Störungen sind. Andere waren früher so häufig, dass sie als regelrechte Plagen galten – nur um dann auszusterben, wie es bei der Wandertaube der Fall war. Eine wachsende Zahl befindet sich auf von Menschen eingerichteten Intensivstationen des Artenschutzes: in Zoos oder speziellen Zuchtstationen, wo sie gehegt, gepflegt und aufgepäppelt werden.

Doch manchmal sind alle Bemühungen vergeblich

Während Jason Gregg bei seiner Exkursion einen Glücksmoment erlebte, bleibt anderen Ornithologinnen und Ornithologen nur die Trauer. »Eines der traurigsten Beispiele für das Aussterben von Vögeln in jüngster Zeit ist der Po’ouli, der 2004 zum letzten Mal auf Hawaii beobachtet wurde«, sagt Roger Safford, der bei der Naturschutzorganisation BirdLife International ein spezielles Programm zur Rettung der am stärksten bedrohten Vogelarten leitet.

Das Verschwinden des Weißwangen-Kleidervogels, wie die Art auf Deutsch heißt, »wurde bis zum letzten Exemplar dokumentiert, und es wurden heroische Versuche unternommen, die aussterbende Art vor invasiven Spezies und Krankheiten zu retten«, sagt Safford. Doch es war zu spät.

Mehrere Millionen Jahre hatte der grau-beige-schwarze Vogel erfolgreich in den Hochlandwäldern der Insel Maui gelebt, bis Menschen Hausschweine, die verwilderten, sowie die Vogelmalaria einschleppten. 1980 gab es noch 150 Exemplare, 1994 etwa zehn. 2004 war dann Schluss, als auch der letzte bekannte Weißwangen-Kleidervogel im Zoo von San Diego starb. Lange wollten die Experten die Hoffnung nicht aufgeben. Doch nachdem mehr als 15 Jahre kein Tier gesichtet worden war, erklärte zuerst 2019 die IUCN und dann 2021 auch der U.S. Fish and Wildlife Service den Poʻouli offiziell für ausgestorben… weiterlesen

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