Frittenfett &Löwenzahn: Erneuerbare statt Erdöl

Frittenfett &Löwenzahn: Erneuerbare statt Erdöl
Foto: domeckopol/Pixabay CC/PublicDomain

Frittenfett & Löwenzahn: Erneuerbare statt Erdöl

handelsblatt.com: Start-ups und Konzerne treiben die Bioökonomie voran. Aus Pflanzen und Müll soll wertvoller Rohstoff gewonnen werden. Doch die Nutzung hat Tücken.

Wer auf der Autobahn zwischen Köln und Bonn entlang riesiger Chemieanlagen fährt, ahnt nicht: Hier wird altes Frittenfett verarbeitet, womöglich vom letzten eigenen Besuch in einer Pommesbude.

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Der Chemiekonzern Lyondell-Basell schüttet seit vergangenem Jahr im Werk Wesseling teilweise Altfett in seine Cracker. In diesen Herzkammern der Chemie werden Basisprodukte für Kunststoffe gewonnen – früher ausschließlich aus Erdöl, heute zunehmend auch aus wiederverwertbaren Quellen wie gebrauchtem Speisefett.

400 Kilometer nördlich ist gerade eine weitaus kleinere Anlage in Betrieb gegangen. Deren Verfahren soll die Portion Pommes aber ebenfalls nachhaltiger machen. In Buchholz bei Hamburg fertigt das Start-up Traceless Materials in einem Pilotprojekt einen Kunststoffersatz: Granulat, das aus Agrarabfällen gewonnen wird. Daraus können kompostierbare Frittengabeln hergestellt werden. Nach Gebrauch verschwindet das Material wieder.

Hinter beiden Projekten steckt die gleiche Idee: Es geht darum, den in der Wirtschaft benötigten Kohlenstoff nicht mehr aus fossilen Rohstoffen zu gewinnen. 150 Jahre lang hat die Chemie- und Materialwirtschaft ihre Produktion perfekt auf die Weiterverarbeitung von Rohöl und Erdgas ausgerichtet. Jetzt steht sie vor einer gewaltigen Herausforderung: Angetrieben von Zielen und Zwängen im Klimaschutz sucht die Industrie nach erneuerbaren Quellen mit besserer CO2-Bilanz.

Kohlenstoff ist nicht nur Hauptbestandteil im menschlichen Körper, sondern Basis nahezu aller modernen Materialien wie Kunststoffen. Der Bedarf wächst rasant: Bis 2050 wird sich der Verbrauch weltweit auf 1,15 Milliarden Tonnen pro Jahr verdoppeln, haben Forscher des Nova Instituts aus Hürth bei Köln jüngst berechnet.

Continental will Reifen aus Löwenzahn herstellen

Heute kommt die benötigte Menge zu 88 Prozent aus Erdöl und Gas. Für das Ziel einer CO2-freien Chemie im Jahr 2050 müsste der Wert auf Null sinken. Mit erneuerbaren Rohstoffen aus Abfall und Pflanzen wird das allein nicht zu schaffen sein.

„Wir werden einen Dreiklang brauchen“, sagt Michael Carus, Wissenschaftler und Chef des auf biobasierte Wirtschaft spezialisierten Nova-Instituts. Recycling von Kunststoffen und Chemikalien gehört dazu, ebenso das direkte Gewinnen von Kohlenstoff aus CO2. „Aber ohne die innovative Nutzung von Biomasse wird das Ziel nicht erreichbar sein.“

Entsprechend treiben Start-ups und Konzerne die Entwicklung jetzt voran. Der Reifenhersteller Continental arbeitet mit mehreren Partnern daran, Autoreifen eines Tages im großen Stil aus Löwenzahn herstellen zu können. Bisher wird der benötigte Kautschuk synthetisch aus fossilen Rohstoffen oder auf natürliche Weise aus Bäumen in Asien gewonnen… weiterlesen

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