Initiative für einen völkerrechtlichen Vertrag zur Nichtverbreitung für fossile Energien

Initiative für einen völkerrechtlichen Vertrag zur Nichtverbreitung für fossile Energien

Initiative für einen völkerrechtlichen Vertrag zur Nichtverbreitung für fossile Energien

Pressenza

COP26: Die Parents for Future unterstützen den globalen Ruf nach einem Nichtverbreitungsvertrag für fossile Energien / Alarmstufe Rot für den Planeten muss für die Ampelkoalition rotes Licht für fossile Brennstoffe bedeuten.

In seiner COP26 Eröffnungsrede sagte UN-Generalsekretär António Guterres: „Unsere Sucht nach fossilen Brennstoffen bringt die Menschheit an den Rand des Abgrunds. Wir stehen vor einer krassen Wahl: Entweder wir stoppen sie – oder sie stoppt uns.“

Kohle, Erdöl und Gas sind nach dem Weltklimarat (IPCC) für 86 Prozent der CO2-Emissionen des vergangenen Jahrzehnts verantwortlich. Ohne eine sofortige drastische Reduzierung der fossilen Brennstoffgewinnung wird das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Abkommens unerreichbar bleiben. Trotzdem haben Regierungen um den Globus laut dem Internationalen Währungsfonds (IWF) die Förderung und Verbrennung von Kohle, Öl und Gas im Jahr 2020 mit 5,9 Billionen US-Dollar subventioniert, was 11 Millionen US-Dollar pro Minute entspricht.

Die Parents for Future unterstützen daher zusammen mit Fridays for Future und mehr als 900 Organisationen die Initiative für einen völkerrechtlichen Vertrag zur Nichtverbreitung für fossile Energien, der an den nuklearen Nichtverbreitungsvertrag angelehnt ist. Zum wachsenden Unterstützerkreis zählen auch 101 Nobelpreisträger:innen, über 2500 Wissenschaftler:innen und internationale Glaubensführer:innen.

“Wir laden Menschen und Organisationen in Deutschland und aller Welt ein, sich der globalen Initiative für eine fossil-freie Zukunft anzuschließen, und fordern Regierungen auf, ergänzend zum Pariser Klimaabkommen einen Mechanismus zum beschleunigten Ausstieg aus fossilen Energien zu implementieren,” sagt Sandra Prüfer, die bei Parents for Future in Bonn engagiert ist.

Das Ende von Kohle, Öl und Gas ist unausweichlich. Die Frage ist, ob der Übergang chaotisch und ungesteuert ablaufen wird, bestimmt von profit-orientierten Unternehmen, oder geordnet von Regierungen, die multilateral zusammenarbeiten, um einen gerechten Übergang zu ermöglichen.

Nur 100 Unternehmen sind für 70 % der globalen Emissionen verantwortlich. Doch im Pariser Abkommen sind die Hauptverursacher der Klimakrise – Kohle, Öl und Gas – mit keinem Wort erwähnt. Die fossile Energien sind der Elefant im Raum bei internationalen Klimaverhandlungen und den meisten “Netto-Null” Versprechen.

Laut dem UNEP Emission Gap Report steuert die Welt mit den aktuellen nationalen Klimaschutzbeiträgen auf einen Temperaturanstieg von 2,7 °C bis Ende des Jahrhunderts zu – mit katastrophalen Folgen. Um die Erwärmung unter 1,5 °C zu halten, müssten die jährlichen Emissionen in den nächsten acht Jahren halbiert werden.

“Selbst angebliche Vorreiterstaaten wie Kanada, Großbritannien, die USA und Norwegen genehmigen weiterhin neue Projekte zum Ausbau fossiler Energie,” sagt Lili Fuhr, Referentin für internationale Umweltpolitik bei der Heinrich Böll Stiftung, die ein Mitglied der Steuerungsgruppe der Fossil Fuel Treaty Initiative ist. “Wir brauchen einen ergänzenden Mechanismus, der ausdrücklich darauf abzielt, das Angebot von fossilen Brennstoffen zu begrenzen und drastisch zu reduzieren.”

Die Regierungen Dänemarks und Costa Ricas haben im Vorfeld der COP26 die Beyond Oil and Gas Alliance (BOGA) gegründet, eine diplomatische Initiative, die Länder – eine Allianz der Willigen – vereinen möchte, die die Lizenzerteilung für neue Öl- und Gas-Förderungen beenden und einen Endtermin für ihre Produktion festlegen.

100 % erneuerbar ist machbar und viel günstiger, als viele annehmen

Die gute Nachricht ist, dass ein schneller globaler Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas möglich ist. Die Welt verfügt über ausreichend erneuerbare Energieressourcen, um den Energiebedarf jedes Menschen auf der Erde zu decken, wie der Fossil Fuel Exit Strategy Bericht darlegt.

Laut Hans-Josef Fell, Präsident der Energy Watch Group, sind heute schon Investitionen in eine Vollversorgung mit 100% Erneuerbare Energien wirtschaftlicher als in die Energieerzeugung mit den klimaschädlichen Erdöl, Erdgas, Kohle und Uran, wie die Energy Watch Group in der letzte Woche veröffentlichten Kurzstudie am Beispiel Deutschlands aufzeigt.

Fell, der die Initiative für einen fossilen Nichtverbreitungsvertrag unterstützt, ist überzeugt dass “die lähmenden Klimaschutzverhandlungen auf UN-Ebene überwunden werden können, wenn Millionen Menschen selbst den Klimaschutz vor Ort entfachen.” Ein “Klimawirtschaftswunder” könne lokal sehr schnell entstehen, wenn die ökonomische Kraft der günstig gewordenen Erneuerbaren Energien erkannt wird.

Vancouver hat sich vor einem Jahr als erste Stadt der Fossil Fuel Treaty Initiative angeschlossen. Inzwischen ist die Zahl auf 18 Städte und Gemeinden gestiegen, darunter Los Angeles, Barcelona, Sydney und Cambridge.

In Bonn wurde im August ein Bürgerantrag eingereicht von Sven Harmeling als Bonner Bürger und ehrenamtlicher EU Klimapakt-Botschafter. Die UN-Stadt könnte damit die erste unterstützende Stadt in Deutschland werden. Der Bürgerantrag wird von sechs lokalen Organisationen und Gruppen mitgetragen: Extinction Rebellion Bonn, Fridays For Future Bonn, Germanwatch, Moratorium-A565, Parents for Future Bonn und Psychologists / Psychotherapists for Future Bonn. Der Bonner Stadtrat hat bereits vor zwei Jahren beschlossen, dass Bonn bis 2035 klimaneutral sein soll.

Sven Harmeling, Bonner Bürgerantragssteller: “Als Hauptstadt der internationalen Klimadiplomatie mit dem Sitz des UNFCCC-Sekretariats ist es für Bonns Glaubwürdigkeit wichtig, sich konsequent zum 1,5°C-Ziel des Paris-Abkommens und den notwendigen Schritten zu verhalten.”

Luca Samlidis, Fridays for Future Bonn: “Ohne eine konsequente Wende hin zu Erneuerbaren Energien werden wir das 1,5°-Ziel nicht einhalten können. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung muss sein, dass wir uns klar dazu bekennen, schnellstmöglich aus allen fossilen Energien auszusteigen.“

Tasneem Essop, Geschäftsführerin Climate Action Network (CAN) International:
„Ein Vertrag über die Nichtverbreitung fossiler Brennstoffe bietet eine Vision und einen Weg dafür, wie eine echte internationale Klimavorreiterschaft und -kooperation aussehen könnte. Klimaschutz beginnt damit, dass sich lokale Gemeinden und Städte dazu verpflichten, fossile Brennstoffe aufzugeben und den Weg für einen gerechten Übergang zu ebnen.“

Hintergrund:
Die Fossil Fuel Non-Proliferation Treaty Initiative setzt sich dafür ein, den Ausstieg aus fossilen Energien und einen gerechten Übergang zu beschleunigen:
1. NICHTVERBREITUNG – Verhinderung der Verbreitung von Kohle, Öl und Gas durch Beendigung jeder neuen Erschließung und Produktion;
2. GLOBALE ABRÜSTUNG – Ausstieg aus bestehenden Beständen und Produktion fossiler Brennstoffe im Einklang mit der globalen Klimagrenze von 1,5°C
3. GERECHTE TRANSFORMATION – Schnelle Umsetzung von wirklichen Lösungen, Ausbau 100% erneuerbarer Energiesysteme und ein gerechter Übergang für jeden Arbeitnehmer, jede Gemeinde und Nation
Weiterführende Links:
• Briefing Notes und Publikationen: https://fossilfueltreaty.org/resources
• Aufruf von jungen Klimaaktivist:innen für einen Nichtverbreitungsvertrag für fossile Energien
• Parents for Future Global COP26 Aufruf zur Beendigung der Finanzierung von neuen fossilen Energieprojekten
Bürgerantrag zum Beitritt der Stadt Bonn zur Initiative für einen Nichtverbreitungsvertrag für fossile Energien

Die Veröffentlichung erfolgt im Rahmen unserer Medienpartnerschaft mit Pressenza

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.