Iran-Krieg: Angebotsschock am Gasmarkt

Iran-Krieg: Angebotsschock am Gasmarkt
handelsblatt.com: Katar hat nach dem Angriff die Flüssigerdgasproduktion gestoppt. Die Gaspreise haben sich seit dem Wochenende verdoppelt. Experten prognostizieren, wie sich das auf die Wirtschaft auswirkt.
Die USA und Israel haben mit ihrem Angriff auf den Iran die Lage am internationalen Gasmarkt deutlich verschärft. Der Gaspreis an der niederländischen Börse TTF stieg am Dienstagmittag auf 62 Euro pro Megawattstunde. Das sind 94 Prozent mehr als am Freitag.
Zwar gab es im Januar 2025 infolge einer Kälteperiode schon einmal ähnlich hohe Gaspreise. Diese hielten sich aber nur wenige Tage und entwickelten sich weniger sprunghaft. Die aktuelle Lage hingegen hat laut Analysten das Potenzial für langfristige und gravierende Folgen. Die Bundesregierung setzt einen Krisenstab gemeinsam mit Bundesnetzagentur, Bundesnachrichtendienst, Auswärtigem Amt und Kanzleramt zu dem Thema ein.
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Straße von Hormus ist Nadelöhr
Andreas Schröder, Gasmarktexperte bei dem Analysehaus ICIS, sagt: „Der aktuelle Preisanstieg ist ein historischer Vorgang, weil es einen großen Angebotsschock gibt. Der Gasmarkt wurde aus einer sehr entspannten Situation in eine Lage hineinkatapultiert, wie wir sie zuletzt beim russischen Angriff auf die Ukraine hatten.“
Die Preise sind stark gestiegen, weil die wichtige Meerenge Straße von Hormus im Zuge des Konflikts geschlossen wurde und zudem der katarische Staatskonzern Qatar Energy seine Gasproduktion nach militärischen Attacken eingestellt hat. Damit gelangt ein Fünftel weniger Flüssigerdgas (LNG) auf den Weltmarkt.
Nach Einschätzung von Schröder hängt jetzt alles davon ab, wie lange die LNG-Anlage in Katar stillgelegt sein wird und wie lange der Ausfall andauert. „Wenn das nur eine Woche ist, ist das nicht vergleichbar mit dem Ukrainekonflikt. Sollte es sich aber vier Wochen oder länger hinziehen, könnten ähnliche Effekte wie beim Ukrainekrieg entstehen“, sagt Schröder. Profiteur wären dieses Mal die USA.
40 Prozent Zusatzmarge für US-Gasexporte
Während die Gaspreise in Europa und Asien derzeit täglich um zweistellige Prozentwerte steigen, hat sich der Gaspreis in den USA, der sich an einem Index namens Henry Hub bemisst, bislang kaum bewegt. So dürften die Gaspreise für die Amerikaner vorerst nicht nennenswert steigen.
Gleichzeitig profitieren Gasförderunternehmen in den USA und Händler aber von den gestiegenen Gaspreisen am Weltmarkt. Natasha Fielding, leitende Expertin für den globalen Gas- und LNG-Markt bei der Preisberichtsagentur Argus Media, sagt: „Der Anstieg der TTF- und asiatischen LNG-Preise als Reaktion auf die LNG-Versorgungskrise im Nahen Osten bedeutet, dass Unternehmen, die US-LNG verkaufen, viel höhere Gewinne erzielen können.“
Laut dem Analysehaus ICIS kostet die Förderung von Gas in den USA inklusive Verflüssigung, Transport nach Europa und Regasifizierung sowie einer 15-Prozent-Marge für das Gasförderunternehmen etwa 8,5 US-Dollar pro MMBTU. MMBTU ist eine energetische Maßeinheit und steht für Metric Million British Thermal Units… weiterlesen


