Klimapolitik: Experten fordern Bürgermitsprache

Klimapolitik: Experten fordern Bürgermitsprache
CCS-Anlage auf Island Screenshot: fr.de

Klimapolitik: Experten fordern Bürgermitsprache

fr.de: Ein erstes Gutachten zur Klimapolitik der Regierung liegt vor: Darin drängen Fachleute auf mehr Mitbestimmung für Bevölkerung und eine umstrittene Technik.

Die „Klimaweisen“ der Bundesregierung haben ihr erstes Jahresgutachten vorgelegt. Darin attestieren sie dem Scholz-Kabinett, die Richtung der in der Klimapolitik geplanten Maßnahmen stimme zwar. Sie reichten aber nicht aus für die von der Ampel selbst gesetzten CO2-Reduktionsziele. Außerdem fordern sie, auch heiße Eisen wie die unterirdischen Verpressung von Kohlendioxid anzupacken.

Lesen Sie auch:

Die „Wissenschaftsplattform Klimaschutz“ ist noch von der vorherigen Regierung 2019 eingerichtet worden. Sie hat die Aufgabe, die Bundesregierung bei der Umsetzung und Weiterentwicklung des Klimaschutzplans 2050 zu beraten und so dazu beizutragen, dass Deutschland seine Klimaschutzziele erreichen kann.

Die Klimapolitik sei lückenhaft, monieren die Wissenschaftler:innen. Die bisherigen Maßnahmen seien eher „punktueller Natur“, und es sei zu befürchten, dass „sie nicht von allen in der Bevölkerung akzeptiert werden“, sagte die Co-Vorsitzende des Gremiums, die Greifswalder Professorin und Institutsdirektorin Sabine Schlacke.

Klimaschutz: Menschen sollen „vom Objekt zum Subjekt“ werden

Die große Koalition hatte das Ziel der Klimaneutralität nach dem wegweisenden Klima-Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 2050 auf 2045 vorgezogen. Um hier in die Spur zu kommen, hat Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) Gesetzespakete angekündigt, bei denen der Ökostrom-Ausbau im Mittelpunkt steht. So soll Windkraft auf zwei Prozent der Landesfläche möglich sein, und die Fotovoltaik soll stark zulegen. Dies sei „sehr zu begrüßen“, sagte Schlacke. Doch müsse der Ausbau der Stromnetze vorangetrieben werden, um die Anlagen auch nutzen zu können.

Die Klimafachleute fordern die Ampel auf, die Menschen stärker einzubeziehen. Die nächste Phase des Umbaus werde die Bevölkerung in vielen Bereichen unmittelbarer und intensiver betreffen als bisher, erklärten sie.

„Die Bürgerinnen und Bürger müssen hier vom Objekt zum Subjekt gemacht werden“, sagte Schlacke. „Ziel muss sein: Ihr Leben wird nicht verändert, sondern sie verändern es.“ Bürger:innen-Räte und Energiegenossenschaften könnten dabei helfen.

Klimaweise fordern die Bundesregierung dazu auf, die Landwirtschaft in die Pflicht zu nehmen

Weiter forderten die Klimaweisen die Ampel auf, dem künftigen Importe von sauberer Energie, vor allem von Wasserstoff, mehr Bedeutung beizumessen. Der zweite Co-Chef der Klimaweisen, Professor Ottmar Edenhofer, betonte, hierfür brauche es „einen Plan und Infrastruktur“. Zudem müsse „das lang verpönte Thema der CO2-Entnahme aus der Luft und der unterirdischen Verpressung angepackt werden“. Diese Technik sei nötig, um trotz Restemissionen etwa aus Landwirtschaft den Ausstoß von Treibhausgasen unter dem Strich auf Null zu bringen. „Nur so kriegen wir die Klimarisiken in den Griff.“ Geplante Testläufe zu dem umstrittene CCS („Carbon Capture and Storage“) waren hierzulande nach Protesten aus der Bevölkerung aufgegeben worden.

In ihrem 150-seitigen Gutachten dringen die Wissenschaftler:innen zudem darauf, die Landwirtschaft stärker in die Pflicht zu nehmen. Sie schlagen eine Bepreisung von Lachgasemissionen durch Dünger und Methanemissionen aus der Rinderhaltung vor…. weiterlesen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.