Klimawandel macht Landwirtschaft zum Glücksspiel

Klimawandel macht Landwirtschaft zum Glücksspiel
telepolis.de: Bis zu 50 Prozent der weltweiten Weideflächen könnten verschwinden – und Afrika trifft es besonders hart. 1,6 Milliarden Tiere betroffen.
Vor dem Hintergrund, dass die USA jetzt per Dekret aus allen Maßnahmen zum Klimaschutz aussteigen wollen, weil der anthropogene CO2-Ausstoß nach Meinung des aktuellen US-Präsidenten keinen Einfluss auf den Klimawandel haben kann, erscheint es dennoch durchaus sinnvoll zu sein, sich auf die Folgen eines unvermeidbaren Klimawandels einzustellen.
Da sich der Klimawandel nicht nach den kurzfristigen Launen eines Präsidenten richten wird, muss man sich mit den Folgen rechtzeitig befassen.
Ob sich die aktuelle Vernachlässigung wissenschaftlicher Erkenntnisse später durch Geoengineering der deutschen Bundeswehr oder durch privatwirtschaftlich organisierte Maßnahmen, frei von Bürokratie korrigieren lassen und diese Maßnahmen für Menschen, die nicht die Mittel haben, gegen die künstliche Beeinflussung der Umwelt vorzugehen, lebensbedrohlich werden können, ist derzeit nicht einmal im Ansatz geklärt.
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Welche Klimawandelfolgen für die Landwirtschaft zu erwarten sind
In Thailand hat der Klimawandel schon seit mehr als einer Dekade dazu geführt, dass sich der Reisanbau immer häufiger zum Glücksspiel für die Bauern entwickelt. Konnte man den Reis früher nach der Regenzeit aussähen und danach vereinzeln, um ihn später, wenn das Wasser im Reisfeld verdunstet war, zu ernten, ist dieser Zusammengang heute so nicht mehr gegeben.
Oft muss man das Reisfeld jetzt zur Aussaat künstlich bewässern und den Reis dann später auf dem überschwemmten Acker ernten, was in der Folge zu unfruchtbaren Körnern führt, die nicht mehr vermehrungsfähig sind.
Viel dramatischer sind jedoch die Auswirkungen, welche der Klimawandel auf die weltweite Weidewirtschaft haben könnte. Weideflächen, die heute rund ein Drittel der Erdoberfläche bedecken und das weltweit größte landwirtschaftliche Produktionssystem darstellen, werden sich durch steigende globale Temperaturen erheblich verkleinern.
Eine neue Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) zeigt, dass je nach betrachtetem Emissionsszenario bis zum Jahr 2100 etwa 36 bis 50 Prozent der heute klimatisch geeigneten Weideflächen ihre Nutzbarkeit verlieren. Das betrifft mehr als 100 Millionen Menschen, die von der Weidewirtschaft leben, sowie bis zu 1,6 Milliarden Weidetiere.
Die am 9. Februar in der Fachzeitschrift PNAS veröffentlichte Studie beschreibt erstmals einen „klimatisch günstigen Bereich“ für die Weidehaltung von Rindern, Schafen und Ziegen.
Weidesysteme können sich unter bestimmten klimatischen Bedingungen gut entwickeln. Dies sind Temperaturen zwischen -3 und 29 Grad Celsius, jährliche Niederschläge von 50 bis 2.627 Millimetern, einer Luftfeuchtigkeit von 39 bis 67 Prozent sowie Windgeschwindigkeiten zwischen ein und sechs Metern pro Sekunde.
Immer weniger Platz für Weidetiere
„Der Klimawandel verschiebt diese klimatisch günstigen Bereiche weltweit und lässt sie deutlich schrumpfen, mit immer weniger Platz für Weidetiere“, stellt Erstautorin Chaohui Li fest, die am PIK geforscht hat, als die Studie durchgeführt wurde, und nun beim Barcelona Supercomputing Center arbeitet:
„Besonders sind diese Veränderungen in Ländern zu spüren, wo die Menschen bereits unter Hunger, wirtschaftlicher und politischer Instabilität sowie hoher Geschlechterungleichheit leiden.“
Maximilian Kotz, Co-Autor der Studie und Forscher am PIK sowie am Barcelona Supercomputing Center, erklärt:
„Weidehaltung ist stark von Umweltfaktoren wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Wasserverfügbarkeit abhängig. Unsere Ergebnisse zeigen, dass der Klimawandel die Flächen, in denen diese Form der Landwirtschaft funktionieren kann, deutlich einschränkt und landwirtschaftliche Praktiken erschwert, die sich über Jahrhunderte entwickelt haben.“
Afrika von den Folgen des Klimawandels besonders stark betroffen
Je nach Emissionspfad könnten die geeigneten Graslandflächen in Afrika um 16 Prozent (bei niedrigen Emissionen) oder sogar um bis zu 65 Prozent schrumpfen, wenn der weltweite Ausstoß von Treibhausgasen weiter steigt. Bereits heute liegen die Temperaturen in vielen Regionen des Kontinents am oberen Rand dessen, was für Weidehaltung noch klimatisch verträglich ist… weiterlesen


