Machen Haustiere glücklich?

Machen Haustiere glücklich?

Machen Haustiere glücklich?

sueddeutsche.de: Nicht unbedingt, zeigt eine neue Studie. Wie sich tierische Begleiter auf das Wohlbefinden auswirken.

Choupette, die Katze des verstorbenen Designers Karl Lagerfeld, feierte vergangenes Jahr ihren Geburtstag mit einer Bootsfahrt auf der Pariser Seine, inklusive Blick auf den Eiffelturm. Reggie, der Golden Retriever der verstorbenen Schauspielerin Diane Keaton, wurde im Testament laut Medienberichten mit fünf Millionen US-Dollar bedacht. Und Lua, der verstorbene Pitbull-Mischling, soll nach seinem Tod geklont worden sein, weil sich sein Besitzer, der ehemalige American-Football-Star Tom Brady, offenbar einen Teil von ihm bewahren wollte. Für ihre Haustiere nehmen Menschen einiges auf sich. Sie füttern, streicheln und umsorgen sie, gehen bei jedem Wetter mit ihnen vor die Tür, bezahlen teure Tierarzt-Rechnungen und sammeln ihre Hinterlassenschaften in dünnen Plastikbeuteln auf. Doch was haben die Menschen selbst davon? Eine Studie, die kürzlich im Fachjournal Applied Research in Quality of Life veröffentlicht wurde, zeigt: offenbar weniger als gedacht.

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Forschende um Maxim Ananyev von der University of Melbourne nutzten dafür Daten aus einer australischen Längsschnittstudie. Sie fokussierten sich auf zwei Messzeitpunkte, in den Jahren 2018 und 2022. Genau dazwischen, im Jahr 2020, gab es im Bundesstaat Victoria eine Gesetzesänderung: Vermieter durften von da an ihren Mietern nicht mehr ohne triftigen Grund verbieten, Haustiere in ihren Wohnungen zu halten. Die Daten zeigen, dass viele Menschen die Gelegenheit nutzten: Unter den 495 befragten haustierlosen Mietern in Victoria lag die Rate der Neuanschaffungen nach der Reform rund zehn Prozent höher als bei Hauseigentümern in Victoria oder Mietern in anderen Bundesstaaten, die von der Gesetzesänderung nicht betroffen waren.

Ansonsten unterschieden sich die Mieter aus Victoria aber kaum von den Vergleichsgruppen. Zwei Jahre nach der Reform fühlten sie sich nicht gesünder, sie waren auch nicht zufriedener mit ihrem Leben und nicht weniger einsam. Die Forschenden schlussfolgern, dass Haustiere in diesem Zeitrahmen keinen messbaren Effekt auf das Wohlbefinden und die psychische Gesundheit ihrer Besitzerinnen und Besitzer hatten. Die Ergebnisse widersprechen dem Gefühl, das viele Haustierbesitzer haben: der Hund als bester Freund, die Katze als Seelentröster. Schaut man sich die Forschung zum Thema an, überraschen die Befunde aus Australien allerdings weniger.

Bislang ist unklar, ob Haustiere Einsamkeit lindern können

Ansonsten unterschieden sich die Mieter aus Victoria aber kaum von den Vergleichsgruppen. Zwei Jahre nach der Reform fühlten sie sich nicht gesünder, sie waren auch nicht zufriedener mit ihrem Leben und nicht weniger einsam. Die Forschenden schlussfolgern, dass Haustiere in diesem Zeitrahmen keinen messbaren Effekt auf das Wohlbefinden und die psychische Gesundheit ihrer Besitzerinnen und Besitzer hatten. Die Ergebnisse widersprechen dem Gefühl, das viele Haustierbesitzer haben: der Hund als bester Freund, die Katze als Seelentröster. Schaut man sich die Forschung zum Thema an, überraschen die Befunde aus Australien allerdings weniger.

Bislang ist unklar, ob Haustiere Einsamkeit lindern können

„Personen, die sich ein Tier kaufen, unterscheiden sich häufig schon vorher von denen, die sich kein Tier kaufen“, sagt André Hajek, Professor für interdisziplinäre Versorgungsepidemiologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Er erforscht die psychische Gesundheit in großen Längsschnittstudien und hat auch Effekte von Haustieren untersucht. Forschende halten Effekte in beide Richtungen für möglich. Vielleicht kaufen sich eher gesunde und wohlhabende Menschen ein Haustier – vielleicht aber auch einsame und depressive, die Trost bei Tieren suchen.

Zur Frage, ob die Gesellschaft von Haustieren Einsamkeit lindern kann, gibt es bislang auch noch keinen Konsens in der Forschung. Hajek und Kollegen haben 2022 für eine Übersichtsarbeit 24 Studien dazu ausgewertet, sie zeigten kein eindeutiges Ergebnis. Während der Covid-Pandemie fühlten sich Haustierbesitzer offenbar tendenziell weniger einsam, davor waren die Effekte gemischter. Theoretisch sind beide Richtungen denkbar. Haustiere könnten als „soziale Vermittler“ wirken, weil sie zwanglose Unterhaltungen ermöglichen, etwa mit Nachbarn oder anderen Hundebesitzern. Andererseits erfordern Haustiere einen zeitlichen Verzicht, meint Hajek. Vielleicht verpasse man dadurch Treffen mit Menschen.

Eine engere emotionale Bindung zum Haustier ist nicht unbedingt ein gutes Zeichen

Die meisten Studien betrachten Tierarten nicht getrennt. Die Menschen leben mit Goldfischen, Kaninchen oder Echsen zusammen, die Forschung fokussiert sich meist aber auf Hunde und Katzen. Vermutlich sei es nicht egal, ob man sich eine Katze oder einen Hund anschafft, sagt Hajek. „Der Hund treibt uns vor die Tür“, so Hajek, „das ist ein zentraler Unterschied.“ Hundebesitzer gehen im Schnitt mehr Schritte pro Tag als Menschen ohne Hund, haben Forschende immer wieder gemessen. Bewegung an der frischen Luft kann Stress reduzieren und die Stimmung heben. Hajek sagt: Tendenziell würden Studien zeigen, dass Hunde leicht förderlich für das Wohlbefinden wirken können, wohingegen Katzen meist gar keine oder sogar leicht negative Effekte hätten. Hajeks Forschung hat etwa ergeben, dass Hundebesitzer – im Vergleich zu Menschen ohne Haustiere – weniger sozial isoliert sind und ein besseres Selbstwertgefühl haben… weiterlesen

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