Mehr Regen als Schnee in der Arktis

Mehr Regen als Schnee in der Arktis
Foto: Pixabay CC0

Forscher erwarten künftig mehr Regen in der Arktis

In der Arktis wird mehr Regen als Schnee fallen, und dieser Übergang wird Jahrzehnte früher als bisher vorhergesagt erfolgen, berichtet eine neue Studie unter der Leitung der University of Manitoba (UM). Die Projektionen der neuesten Modelle, die von einem internationalen Forscherteam unter Leitung der UM in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht wurden, zeigen einen steilen Anstieg der zu erwartenden Niederschlagsmenge und des Niederschlagsbereichs in der Arktis, wobei es sich bei den meisten dieser künftigen Ereignisse um Regen handeln wird. Diese Verschiebung ist auf die rasche Erwärmung, den Verlust des Meereises und den polwärts gerichteten Wärmetransport in der Arktis zurückzuführen.

„Diese Veränderungen haben enorme Auswirkungen, die wir in der Studie aufzeigen, wie z. B. eine Verringerung der Schneedecke, ein verstärktes Schmelzen des Permafrosts, mehr Regen-auf-Schnee-Ereignisse und mehr Überschwemmungen aufgrund erhöhter Flussabflüsse, die sich alle auf die Wildtierpopulationen und die Lebensgrundlagen der Menschen auswirken“, sagt die leitende Forscherin Michelle McCrystall, Postdoktorandin im UM Centre for Earth Observation Science an der Clayton H. Riddell Faculty of Environment, Earth and Resources.

Dieser Übergang zu einer von Regen dominierten Ära in der Arktis wird je nach Jahreszeit und Region zu unterschiedlichen Zeitpunkten beginnen. Für den Herbst zum Beispiel sagen die neuen Modelle den Übergang zwischen 2050 und 2080 voraus, während die alten Modelle dies für den Zeitraum zwischen 2070 und 2090 vorhersagten. Und was als Vorbote gelten könnte: Als die Forscher ihren Bericht verfassten, fiel im August diesen Jahres zum ersten Mal in der Geschichte Regen auf dem höchsten Punkt des grönländischen Eisschildes.

„Die Tatsache, dass es auf dem Gipfel von Grönland gerade jetzt regnet und dass es in Zukunft vielleicht noch mehr regnen wird, macht mich fassungslos“, sagt McCrystall. „Und wenn wir davon sprechen, dass dies im Jahr 2100 passieren wird, scheint das eine so lange Zeit zu sein, aber es sind nur 80 Jahre. Das ist die nächste Generation. Und wenn wir so weitermachen wie bisher, könnten sich viele Probleme sogar noch schneller entwickeln, als wir prognostiziert haben.

Laut Co-Autor Bruce Forbes vom Arctic Center der University of Lappland, können mehr Regen-auf-Schnee-Ereignisse zu katastrophalen Hungersnöten bei wilden Karibu-, Rentier- und Moschusochsenpopulationen führen: Die dicken Eiskrusten, die sich bilden, wenn die Luft wieder abkühlt, können undurchdringlich sein und den Tieren den Zugang zu Futtermitteln verwehren. Die Zugvogelpopulationen in der Arktis werden jedoch voraussichtlich gut mit den wärmeren und feuchteren Bedingungen zurechtkommen.

Was diese Niederschlagsveränderung für das Meereis, das dominierende Landschaftsmerkmal der Arktis, bedeutet, ist unbekannt. Kurz gesagt, mehr Regen bedeutet mehr Süßwasser an der Meeresoberfläche, was das Wachstum des Meereises begünstigen könnte, aber mehr Regen ist auch mit mehr Wärme verbunden, was das Wachstum des Meereises verringern würde. (Quelle: University of Manitoba)

Die Studie in „Nature Communications“ gibt es unter: https://www.nature.com/articles/s41467-021-27031-y

hjo

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