Offener Brief an Julia Klöckner

Offener Brief an Julia Klöckner
Foto: Pixabay CC0

„Machen Sie endlich Ernst mit dem Neonicotinoid-Verbot!“

Aurelia-Stiftung: Anlässlich der in mehreren Bundesländern erteilten Notfallzulassungen für den bienenschädlichen und deshalb eigentlich verbotenen Insektizid-Wirkstoff Thiamethoxam haben sich der Deutsche Berufs und Erwerbs Imker Bund e.V. (DBIB), der Imkerverband Rheinland-Pfalz und die Aurelia Stiftung mit einem offenen Brief an Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) sowie den Präsidenten des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), Friedel Cramer, gewandt.

Die Organisationen fordern darin unter anderem, bereits erteilte Notfallzulassungen zur Saatgutbehandlung im Zuckerrübenanbau dringend wieder zurückzuziehen und dafür zu sorgen, dass bienenschädigende Insektengifte künftig nicht mehr in blühende Pflanzen gespritzt werden. Ein besonderes Risiko für Bienen und Imkereien gehe in diesem Jahr von dem Insektengift Acetamiprid aus, heißt es in dem offenen Brief weiter. Acetamiprid wird häufig im Rapsanbau eingesetzt und gehört wie Thiamethoxam zu der Wirkstoffgruppe der Neonicotinoide. Die Anwendung acetamipridhaltiger Mittel in der Vollblüte auch tagsüber während des Bienenflugs ist im Rapsanbau gängige Praxis.

Solche Blütenspritzungen führen zu schwerwiegenden Gesundheitsschäden bei Bienen und immer wieder auch zu bedenklichen Rückstandsbelastungen von Honig, was wiederum deutsche Imkereibetriebe existenziell gefährdet. Die Zulassung für Acetamiprid läuft in Deutschland Ende Februar 2021 aus, soll aber sehr wahrscheinlich verlängert werden.

Pestiziden auf der Spur – Bienen als „Umweltspäher“

Die Belastung von Imkereiprodukten sowie der Bienengesundheit durch Neonicotinoide und andere Pestizide sei anhaltend hoch und besorgniserregend, kritisieren die Verfasser*innen des Briefes. Sie fordern daher:

  • die Pestizidanwendung in blühenden Pflanzenbeständen als unmittelbarste Kontaminationsquelle wirksam zu unterbinden,
  • Pestiziden mit dem Neonicotinoid-Wirkstoff Acetamiprid keine Neuzulassung zu erteilen,
  • die Notfallzulassungen zur Saatgutbehandlung mit Neonicotinoiden zurückzuziehen.

Mit diesen Forderungen werden sich die Organisationen auch bei dem Protest des Agrarwende-Bündnisses „Wir haben es satt!“ am Samstag, 16.01.2021, vor dem Kanzleramt beteiligen.

Mehr lesen: Offener Brief „Schutz für Bienen und Imkereiprodukte vor Pestizidbelastung“ (15.01.2021)

Weiterführende Links:

Aurelia Stiftung: PM „Bienengefährliche Ackergifte für Saatgutbeize zugelassen“ (17.12.2020)
DBIB: Offener Brief „Notfallzulassung von zwei Pflanzenschutzmitteln“ (09.12.2020)

red

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