Slow Food: Für Wandel im Lebensmittelsystem

Slow Food: Für Wandel im Lebensmittelsystem
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Slow Food: Für Wandel im Lebensmittelsystem

Von 26. bis 30. September findet im Parco Dora in der norditalienischen Stadt Turin wieder Terra Madre Salone del Gusto 2024 statt. Das Top-Event des Slow-Food-Netzwerks bietet mehr als 3.000 Delegierten und Aktivisten aus über 120 Ländern der Welt eine Plattform, um sich für Agrarökologie stark zu machen.

Die größte weltweite Veranstaltung rund um Ernährungspolitik, nachhaltige Landwirtschaft und Umwelt wird alle zwei Jahre von Slow Food in Zusammenarbeit mit der Region Piemont und der Stadt Turin organisiert. Schon seit dem ersten Treffen des Terra-Madre-Netzwerks entwickelt die Veranstaltung alternative Zukunftsperspektiven, indem sie das Bewusstsein für die täglichen Ernährungsentscheidungen jedes Einzelnen schärft, die kollektiven Anstrengungen der Gemeinschaften unterstützt und sich für eine bessere Ernährungspolitik der öffentlichen und privaten Einrichtungen einsetzt.

Schwerpunkt dieser Ausgabe liegt darauf, die Beziehung zwischen Mensch und Natur wieder  zu stärken. Lebensmittel sind dabei das Bindeglied zwischen Natur und Kultur: Mit Terra Madre will  Slow Food einen neuen Weg in die Zukunft aufzeigen, einen Weg zu einer gesünderen Beziehung zur Natur durch unsere Ernährung. Unsere Nahrungsmittel verbinden uns wieder mit dem Land, der Erde, dem Meer; sie sind ein wesentlicher Bestandteil unserer Identität.

Slow Food und Agrarökologie
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Das globale industrielle Lebenssystem schafft es nicht, allen Menschen eine gute Ernährung zu bieten und verursacht darüber hinaus Umweltzerstörung und Verlust der biologischen Vielfalt. Daher ist ein tiefgreifender Wandel erforderlich, um die Herausforderungen der anhaltenden Unterernährung und ländlichen Armut zu bewältigen, die durch die zunehmenden Auswirkungen des Klimawandels noch verschärft werden.

„Die Philosophie von Slow Food und Agrarökologie haben viele Gemeinsamkeiten, wie wir in unserem neuen Dossier zur Agrarökologie  hervorheben.  Grundlage für beide ist es, die Beziehungen zwischen Landwirtschaft und Umwelt, zwischen Lebensmittelsystemen und Gesellschaft, zwischen Landwirten, Lebensmittelhandwerkern und Bürgern wiederherzustellen. Der Fokus von Agrarökologie auf nachhaltige Landwirtschaft, gerechte Verteilung der Ressourcen, Qualität vor Quantität und ökologischer Verantwortung steht in engem Zusammenhang mit der Mission von Slow Food, allen Menschen gute, saubere und faire Lebensmittel zu garantieren. Die Frage ist nicht, wie man die Welt ernähren kann, sondern wie man die Menschen ernähren und gleichzeitig den Planeten schützen kann. Wir brauchen dringend einen Übergang zur Agrarökologie, aber das erfordert das Engagement und die Beharrlichkeit aller Akteure des Lebensmittelsystems“, kommentiert Edward Mukiibi, Präsident von Slow Food.

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Agrarökologie regt Gemeinschaften an, partnerschaftlich zusammenzuarbeiten und ihr lokales Know-How sowie ihre kulturellen Traditionen dazu einzusetzen, um gemeinsam diversifizierte landwirtschaftliche Lebensmittelsysteme zu entwickeln. Durch die kontinuierliche und reflektierte Zusammenarbeit wird das kollaborative Lernen von Forschern und Praktikern gefördert sowie der Wissensaustausch sowohl der Landwirte untereinander als auch zwischen den anderen  Akteuren entlang der Lebensmittelkette begünstigt.

Bedeutung des ganzheitlichen Ansatzes in der Landwirtschaft und Nahrungsproduktion

Das Konzept der Agrarökologie zeigt auf, wie sich landwirtschaftliche Produktion, Vertrieb und Konsum auf Gemeinschaften und die Umwelt auswirken und betont die strategische Bedeutung eines ganzheitlichen Ansatzes, der das gesamte Lebensmittelsystem im Blick hat und nicht nur die Lebensmittelproduktion. „Slow Food arbeitet auf der ganzen Welt daran, diesen Übergang zu unterstützen. Terra Madre 2024 wird ein Meilenstein sein, bei dem die Agrarökologie einen Ehrenplatz einnimmt“, fügt Mukiibi hinzu.

Das internationale Programm von Terra Madre Salone del Gusto, das Sie hier finden, bietet Besucher*innen zahlreiche Konferenzen mit hochkarätigen internationalen Referent*innen zu den wichtigsten Themen rund um Umwelt, biologische Vielfalt und Zugang zu Lebensmitteln. Zu den Hauptthemen der Debatten gehören die Klimakrise und ihre Folgen für uns und die Natur, Agrarökologie als Landwirtschaftsmodell im Dienste der Natur, sowie unter anderen die Frage, wie die Macht der Konzerne den Hunger auf unserem Planeten beeinflusst.

Darüber hinaus bietet ein reichhaltiges Programm an Geschmackserlebnissen, Abendessen und gastronomischen Veranstaltungen dem Publikum die Möglichkeit, neue Geschmacksrichtungen aus der ganzen Welt zu entdecken und zu erfahren, wie Lebensmittel dazu beitragen können, auf lokaler und globaler Ebene nachhaltige Lebensmittelsysteme zu schaffen. Der internationale Markt mit seinen Farben, Düften und Geschichten ist seit jeher das Herzstück von Terra Madre Salone del Gusto, Treffpunkt für Erzeuger aus aller Welt und Hunderttausende von Besuchern.  Auch in diesem Jahr bietet der Markt eine einzigartige Gelegenheit, die außergewöhnliche Vielfalt der Lebensmittel, der kulinarischen Kulturen und der nachhaltigen Lebensmittelproduktion aus der ganzen Welt zu entdecken.

Kleiner Rückblick

Nach vier Ausgaben des Salone del Gusto, der 1996 zum ersten Mal stattfand, führten die wachsende geografische Verbreitung von Slow Food und die Inspiration durch den Preis für biologische Vielfalt zu einer revolutionären Idee: eine Zusammenarbeit zwischen Slow Food, der Stadt Turin und der Region Piemont. Das war die Geburtsstunde von Terra Madre, dem Welttreffen der Lebensmittelbündnisse. Die „Vereinten Nationen der Landwirte“, an der 5.000 Delegierte aus 130 Ländern teilnahmen, erregten weltweites Interesse bei den Medien.

Ab 2012 wurden der Salone del Gusto und Terra Madre zu einer einzigen Veranstaltung zusammengelegt. 2016 wurde der Name der Veranstaltung erneut geändert, um die übergeordnete Bedeutung von Terra Madre widerzuspiegeln: Terra Madre Salone del Gusto. Im Jahr 2024 feiert Terra Madre 20-jähriges Jubiläum und Terra Madre Salone del Gusto findet zum 15. Mal statt.

Alessia Pautasso

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