Spanien verbietet Junkfood-Werbung von Influencern

Spanien verbietet Junkfood-Werbung von Influencern
Screenshot foodwatch

Spanien verbietet Junkfood-Werbung von Social-Media-Influencern

Spanien will Influencerwerbung für ungesunde Lebensmittel verbieten. Bekannte Internet- und Fernsehstars dürfen keine Lebensmittel mehr über YouTube, TikTok und andere soziale Medien an Kinder unter 16 Jahren bewerben, heißt es in einem jüngst bekannt gewordenen Gesetzesentwurf der spanischen Regierung. Der Vorstoß ist Teil eines umfassenderen Dekrets zur Beschränkung von Junkfood-Werbung an Kinder im Rundfunk, TV und dem Internet, der im Laufe des Jahres verabschiedet werden soll. Madrid will damit Fehlernährung bei Kindern und Jugendlichen bekämpfen und die rasante Ausbreitung von Fettleibigkeit stoppen.

Die Verbraucherorganisation foodwatch begrüßte das Verbot des „Junkfluencer“-Marketings und  forderte auch für Deutschland umfassende Werbebeschränkungen. „Die Lebensmittelindustrie nutzt die Strahlkraft von Social-Media-Influencer:innen und Internet-Idolen, um Zuckerbomben und fettige Snacks an der elterlichen Kontrolle vorbei direkt an Kinder zu vermarkten. Die Bundesregierung muss dem aggressiven Junkfluencer-Marketing einen Riegel vorschieben“, forderte Saskia Reinbeck von foodwatch.

In ihrem Koalitionsvertrag haben die Ampel-Parteien die Absicht erklärt, die Lebensmittelwerbung an Kinder zu beschränken. „An Kinder gerichtete Werbung für Lebensmittel mit hohem Zucker-, Fett- und Salzgehalt darf es in Zukunft bei Sendungen und Formaten für unter 14-Jährige nicht mehr geben“, heißt es. foodwatch erinnerte Bundesernährungsminister Cem Özdemir daran, bei einem entsprechenden Gesetz auch Influencer-Werbung zu berücksichtigen. Einem foodwatch-Report zufolge bewerben junge Influencer:innen im Auftrag von Konzernen wie Coca-Cola, McDonald‘s und Mondelez sowie deutschen Familienunternehmen wie Coppenrath & Wiese oder Haribo ungesunde Produkte auf Youtube, Tiktok oder Instagram – und erreichen damit Millionen junge Fans direkt auf ihren Smartphones. 

foodwatch schloss sich zudem der Forderung der medizinischen Fachallianz DANK, dem AOK Bundesverband und der Verbraucherzentrale an, eine Schutzzeit in Rundfunk und Internet von täglich 6 bis 23 Uhr einzuführen, in der keine Werbung für ungesunde Lebensmittel geschaltet werden darf. Als Grundlage soll das Nährwertprofil-Modell der Weltgesundheitsorganisation (WHO Europa) dienen.

„Wir brauchen Regeln ohne Schlupflöcher für Junkfood-Marketing. Die Bundesregierung muss alle Werbeformen mitdenken, die Kinder betreffen. Kinder und Jugendliche schauen nicht nur ‚Die Sendung mit der Maus‘ und Super RTL, sondern eben auch ‚Germany’s Next Topmodel‘ und die Fußball-WM“, erklärte Saskia Reinbeck von foodwatch. „Wir brauchen werbefreie Zeiten, zu denen Kinder und Jugendliche Internet- und Rundfunk nutzen können – ohne dem Einfluss von krankmachender Werbung ausgesetzt zu sein.“  

Fehlernährung ist bei Kindern und Jugendlichen weit verbreitet. Daten des Robert Koch-Instituts zufolge verzehren Kinder im Alter von sechs bis elf Jahren im Schnitt nicht einmal halb so viel Obst und Gemüse, aber mehr als doppelt so viele Süßwaren oder Snacks wie empfohlen. Aktuell gelten etwa 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen als übergewichtig und sechs Prozent sogar als fettleibig – ihnen drohen im späteren Lebensverlauf Krankheiten wie Typ-2-Diabetes, Gelenkprobleme, Bluthochdruck und Herzerkrankungen. 

Hier geht’s zur Petition…

PM foodwatch

Quellen und weiterführende Informationen:

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