Systematische Gewalt gegen Umwelt- und MenschenrechtsaktivistInnen

Systematische Gewalt gegen Umwelt- und MenschenrechtsaktivistInnen
Foto: Nachrichtenportal Lateinamerika

Systematische Gewalt gegen Umwelt- und MenschenrechtsaktivistInnen

Kolumbien befindet sich in einer tiefen Krise, ausgelöst von einer Regierungspolitik, die keinen Respekt gegenüber dem Leben hat und sich zudem durch Unfähigkeit auszeichnet. Alarmiert durch die gewaltsamen Vertreibungen und die systematische Ermordung von Sozial- und Umwelt-AktivistInnen mobilisieren verschiedene Sektoren gegen die Staatsführung.

Proteste gegen Goldabbau im Páramo de Santurbán

Die während der Corona-Pandemie ergriffenen Maßnahmen orientierten sich hauptsächlich an den Interessen der Privatwirtschaft und gingen zu Lasten der indigenen, bäuerlichen, und afrokolumbianischen Bevölkerungsgruppen und der Bevölkerung im Allgemeinen. Was an natürlichen Ressourcen nicht dem bewaffneten Konflikt zum Opfer fällt, wird der Rohstoffindustrie vertraglich zugesichert. Ein aktuelles Beispiel zeigt sich gerade im Departamento de Santander, wo ein Teil der Hochebene Páramo de Santurban für den Goldabbau freigegeben werden soll. Dies würde eine beträchtliche Umweltbelastung und den Verlust natürlicher Ressourcen bedeuten. Der Páramo, eine alpine Hochlandsteppe, beherbergt eine beeindruckende Biodiversität und versorgt die regionale Bevölkerung mit Trinkwasser. Die Regierung hält der Rohstoffindustrie alle Türen offen. Unsere Territorien und unsere Rechte respektieren sie nicht. Wir verteidigen die Páramos, die Umwelt, den Frieden, das Leben und die Würde der Indigenen und aller KolumbianerInnen“, erklärt Manuel Antonio Usa, Arzt und Angehöriger der indigenen Bevölkerungsgruppe der Misak.

Die Ermordung ehemaliger Gueriller@s hat System

Im Departamento del Cauca wurden mehr AktivistInnen ermordet als in den übrigen Teilen des Landes zusammen. Die Staatsanwaltschaft zählt 60 Opfer seit Beginn des Jahres. Über 30% der Ermordeten waren ehemalige Guerilla-KämpferInnen. Nachdem sie ihre Waffen abgegeben haben und nun dabei sind, sich in das zivile Leben zu integrieren, werden sie systematisch exekutiert. Das Ziel dieser gezielten Ermordungen ist, die lokalen Basisorganisationen zu zerstören. Besondere Aufmerksamkeit verdient die offensichtliche Gleichgültigkeit des Staates angesichts dieser Situation. Er hat die Ausbreitung verschiedener bewaffneter Gruppen toleriert; diese streiten sich nun um die Territorien für den Drogenhandel und tragen ihre Konflikte auf dem Rücken der Ärmsten der Armen aus.

„Wir erleben gewaltsame Vertreibungen und direkte, strukturelle und kulturelle Gewalt, unter dem Schutz des Staates. Das Militär tut nichts gegen die Ermordung von AktivistInnen, durch seine Präsenz wird die Gewalt sogar noch massiver. Der kolumbianische Staat muss die nötigen Mittel bereitstellen, damit die Gemeinschaften innerhalb ihrer Territorien ihre eigene Verwaltung aufbauen und ihre Autonomie erhalten können. Die Allgemeinbevölkerung muss sich an den Großdemonstrationen gegen die Regierung beteiligen, die uns immer stärker unterdrückt“, so der traditionelle indigene Arzt Manuel Antonio Usa. 

Cleyman Narváez ist Mitarbeiter von Colombia Informa in Cali

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