„Wir fordern Respekt auch für Schlachtvieh“

„Wir fordern Respekt auch für Schlachtvieh“
Die Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP) will Schlachttieren unnötige Qualen ersparen. Deshalb fordert sie mit einer Petition eine Videoüberwachung in Schlachthöfen. Über 20.000 Tierliebhaber unterschrieben bereits – 30.000 sollen es werden. Die Motivation der Naturschutzpartei erläutert Bundesvorstandsmitglied Helmut Kauer im Gespräch mit globalmagazin.
Tiere im Schlachthof vor Misshandlung schützen: Warum engagiert sich die ÖDP hier?
Helmut Kauer: Für die ÖDP gebietet die Achtung vor dem Leben auch einen respektvollen Umgang mit den Tieren, unseren Mitgeschöpfen. Ein solcher Umgang schließt Quälerei und Missbrauch aus.
Das heißt konkret?

Das in seiner Leidensfähigkeit dem Menschen nahestehende Tier hat ein Recht auf artgerechte Haltung. Intensiv und Massentierhaltung sind ebenso wenig artgerecht wie qualvolle Tiertransporte und sollen verboten werden. Natürlich gehört auch die Art und Weise des Schlachtens zum Umgang mit den Tieren. Tiere sind fühlende Wesen.
Wie könnten Videokameras helfen?
Ein Problem ist, dass zu wenig und schlecht ausgebildetes Personal in zu kurzer Zeit zu viele Tiere schlachten müssen. Dadurch „muss“ schlampig gearbeitet werden, was zu den Tierschutzverstößen führt.
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Wer trägt dafür die Verantwortung?
Verantwortlich sind die Betreiber der Schlachthöfe. Die Kontrollen durch die Veterinärämter ist sehr Lückenhaft, sodass diese Verstöße sehr selten ans Licht kommen. Auch durch zu wenig Personalwechsel in den Ämtern können Abhängigkeiten entstehen. Videoüberwachung kann hier Abhilfe schaffen, da der Zeitpunkt der Kontrollen nicht bekannt ist und auch Verstöße dokumentiert sind. Somit steigt der Druck auf die Betreiber, tierschutzgerecht zu arbeiten.
20.000 haben bereits unterschrieben: Wie wollt Ihr die fehlenden noch motivieren?
Ich hoffe hier sehr auf alle Tierschützer, dass sie für diese Petition Werbung machen. Aber auch im beginnenden Wahlkampf in einigen Bundesländern werden wir Unterschriftenlisten an den Infoständen auflegen und dort Unterschriften sammeln. Und auf Socialmedia-Kanälen werden wir noch einmal verstärkt Werbung machen.
Greift die Petition nicht zu kurz: Wäre es nicht ohnehin besser, gleich Schlachthöfe abzuschaffen?
Den Verzehr von Fleisch und Wurstwaren kann man nicht verbieten, deshalb wird es weiterhin Schlachtungen geben…
Was gibt es dafür für Alternativen?
Die Schlachtung auf dem Hof ist die bessere Form als lange Tiertransporte zu den Schlachthöfen. Für eine Übergangszeit wären kleine, regionale Schlachthöfe wohl die beste Lösung. Hier steht einfach Hygiene mit der damit verbundenen Bürokratie und Tierschutz im Konflikt.
…und was halten sie vom Fleischverzicht?
Weniger Fleisch- und Wurstkonsum verbessert nicht nur die Gesundheit der Menschen, sondern vermindert auch den Ausstoß von klimaschädlichen Gasen und schützt unser Grundwasser. Dadurch würde auch die industrielle Massentierhaltung sinken und die großen Schlachthöfe überflüssig machen.
pit


