Zerstörte Bergbaulandschaft wird in Zukunft Natur

Zerstörte Bergbaulandschaft wird in Zukunft Natur

Zerstörte Bergbaulandschaft wird in Zukunft Natur

mdr.de: Was passiert, wenn man der Natur freien Lauf lässt? In der Lausitz entsteht aus alten Tagebauflächen eine neue Wildnis – und ein Modell für den Umgang mit unserer Umwelt.

Die Lausitz, einst geprägt von gigantischen Braunkohlegruben und industrieller Ausbeutung, verwandelt sich in eine der spannendsten Landschaften Deutschlands. Wo früher Bagger die Erde aufrissen, breiten sich heute Seen, Wälder und Heideflächen aus. Die Region wird zum Experimentierraum für Biologen, Landschaftsplaner und Naturschützer – und zur Bühne für die Rückkehr der Wildnis.

Vom Kohleabbau zur Artenvielfalt

Die Renaturierung der ehemaligen Tagebauflächen zeigt, wie widerstandsfähig Natur sein kann. Birken, Gräser, Moose und seltene Orchideen besiedeln die Böden. Tiere wie der Wiedehopf, der Ziegenmelker oder sogar der Wolf finden neue Lebensräume. Die Artenvielfalt nimmt zu – teils spontan, teils durch gezielte Maßnahmen.

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„Was hier entsteht, ist keine Kopie der alten Landschaft, sondern etwas völlig Neues“, sagt Ralf Donat, Ökologe und Naturfilmer. „Die Natur nutzt die Chance, sich neu zu organisieren – und überrascht uns dabei immer wieder.“

Wildnis oder Management?

Die zentrale Frage, die sich in der Lausitz stellt: Wie viel Eingriff braucht die Natur? Soll man sie einfach machen lassen – oder gezielt steuern? Die Antwort ist komplex. Während manche Flächen sich selbst überlassen werden können, brauchen andere Unterstützung, um bestimmte ökologische Funktionen zu erhalten.

„Wenn wir offene Flächen wie die Heide nicht pflegen, verschwinden Arten wie der Ziegenmelker“, erklärt Alexander Harter, Naturschutzexperte. „Die Vegetation breitet sich schnell aus – und verdrängt die Spezialisten unter den Tieren.“

Naturschutz wird hier zur Gratwanderung. Einerseits geht es darum, natürliche Prozesse zuzulassen. Andererseits müssen seltene Lebensräume aktiv erhalten werden. Die Lausitz zeigt, dass beides möglich ist – wenn man genau hinschaut und flexibel reagiert.

Ein Freiluftlabor für die Zukunft

Die Lausitz ist nicht nur ein Ort der Erholung, sondern auch ein wissenschaftliches Labor. Forscherinnen und Forscher beobachten, wie sich die neuen Ökosysteme entwickeln, wie sich Wasserflächen verändern und wie sich das Klima auf die Biodiversität auswirkt. Die Region liefert wichtige Erkenntnisse für den Umgang mit Landschaften im Wandel.

„Wir lernen hier, wie Natur auf extreme Veränderungen reagiert“, sagt Karsten Mitsch, Landschaftsökologe. „Das Wissen, das wir in der Lausitz gewinnen, kann uns helfen, andere Regionen besser zu renaturieren – und den Klimawandel abzufedern.“

Dabei geht es um mehr als nur regionale Fragen. Die Lausitz wird zum Modell für den Umgang mit Natur in Zeiten des Klimawandels und des Artensterbens. Sie zeigt, wie zerstörte Räume wieder lebendig werden können – und wie wir als Gesellschaft mit unserer Umwelt umgehen wollen… weiterlesen

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