Grundeinkommen für alle notwendig und möglich

Grundeinkommen für alle notwendig und möglich
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Ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle ist notwendig und möglich

Juana Pérez Montero

Ein bedingungsloses Grundeinkommen (BGE) für jeden Menschen auf dieser Erde ist notwendig und möglich.

Dieser Beitrag erfolgte im Rahmen des Panels „Ist ein bedingungsloses Grundeinkommen für jeden Bewohner unserer Erde notwendig und möglich?“, während des 8. Symposium des Weltzentrums für Humanistische Studien zum Themenschwerpunkt Wirtschaft für Freiheit. Nach einem Dank an die Organisator:innen (Humanists for Basic Income), den Podiumskolleg:innen und vielen mehr möchten wir folgenden Überlegungen teilen:

Zum ersten Teil der Frage: Ist ein bedingungsloses Grundeinkommen notwendig? Die Antwort ist offensichtlich: Ja, natürlich. Mehr als notwendig, es ist dringend. Das war es schon vor einem Jahr, und jetzt ist es erst recht so.

Ich werde nun einige Gründe nennen, die für ein deutliches „Ja“ sprechen

  • Es würde die Armut beseitigen und die Stigmatisierung, die sie hervorruft, ebenso wie die körperlichen und psychischen Krankheiten, die mit ihr verbunden sind.
  • Es würde damit auch die Angst vor Armut beseitigen, eine der großen Ängste der Menschen, die ihre Entscheidungen beeinflusst.
  • Es würde uns von der Arbeit als versklavendes Element befreien und uns die Freiheit geben, den einen oder anderen Job zu wählen.
  • Es würde uns von Kinderarbeit, von Kinderheirat, von Zwangsprostitution befreien, davon, mit einer/m Gewalttäter:in leben zu müssen… Um zu leben und Beziehungen zu haben mit denen, die wir wollen.
  • Es wäre ein Weg der Anerkennung von Care-Arbeit, die grundlegend für das Leben ist und vor allem von Frauen und Mädchen geleistet wird, sowie von künstlerischer und solidarischer Arbeit, die der Schlüssel zur persönlichen Entwicklung und zur Entwicklung von Gesellschaften ist.
  • Es würde eine Menge erzwungener Migration vermeiden.
  • Es wäre ein Weg, alle Mitglieder einer Gesellschaft einzubeziehen, und niemand würde ausgeschlossen werden.
  • Es wäre ein Weg, damit zu beginnen, die historische Gewalt gegen die Mehrheit der Bevölkerung zu beseitigen.
  • Es wäre eine gute Grundlage für Fortschritte bei der Versöhnung zwischen Individuen und Völkern.
  • Es würde uns einen Mehrwert bringen, der sich in besserer körperlicher, intellektueller und emotionaler Entwicklung zeigt – es würde bedeuten, dass wir gütiger und mitfühlender werden. Eine bessere moralische und spirituelle Entwicklung wäre möglich. Wir hätten Energie für mehr Achtsamkeit….

Weil wir eine weniger ungleiche, gerechtere und fürsorglichere Gesellschaft sein würden.

Weil wir uns auf eine gewaltfreie Kultur zubewegen würden – ein Wunsch von fast allen Menschen.

Freund:innen, wenn wir in der Lage sind zu denken, dass wir alle das Recht auf eine gesicherte Existenz haben; wenn wir in der Lage sind zu fühlen, dass das, was anderen passiert, etwas mit mir zu tun hat… und dementsprechend zu handeln, Maßnahmen zu verteidigen, die es möglich machen, dieses Recht für die ganze Menschheit zu sichern… Dann werden wir einen fundamentalen Schritt in Richtung Humanisierung dieser Welt machen, in Richtung Beseitigung von Schmerz und Leid, in Richtung Transformation des individuellen und des kollektiven Bewusstseins.

Wir werden in der Lage sein zu sagen, dass wir das universelle Prinzip verkörpern, auf das verschiedene Schulen und Philosophien Bezug nehmen und das im Universalistischen Humanismus – der von dem Denker Mario Rodríguez Cobos, Silo, ins Leben gerufen wurde – wie folgt konkretisiert wurde: „Wenn du andere so behandelst, wie du selbst behandelt werden möchtest, befreist du dich selbst“. Ja, das bedeutet: Wenn du dich selbst befreist, befreie ich mich selbst. Und wenn du Schmerzen hast oder leidest, betrifft das auch mich.

Und das mag seltsam klingen, wenn wir über Wirtschaft sprechen… aber ich wage zu behaupten, dass es die Güte und das Mitgefühl ist, die in unseren Herzen wohnt, die Solidarität und die Kohärenz mit uns selbst, der Wunsch, andere so zu behandeln, wie wir behandelt werden wollen – wie auch immer wir es formulieren wollen –, die uns dazu bringt, ein BGE für die gesamte Menschheit zu fordern.

Und damit sind wir beim zweiten Teil der Frage angelangt: Ist es möglich, ein Grundeinkommen für die gesamte Menschheit zu realisieren?

Natürlich ist es möglich, aber es gibt einen Weg der Widerstände, den wir überwinden müssen, so wie es die Menschen immer getan haben, getrieben von ihrer Absicht und geleitet von der Suche nach Freiheit… trotz der vielen krummen „Linien“, die sie auch gezeichnet haben und weiterhin zeichnen.

Dazu wird es interessant sein, auf der Idee des Internationalismus, die im letzten Jahrhundert so stark war, aufzubauen und einen weiteren Schritt in Richtung Universalismus zu gehen. Es ist wichtig, die universellen Rechte so zu vertiefen, dass sie der gesamten Menschheit zugutekommen, bis hin zur Infragestellung von Grenzen, die nur für die Armen da sind.

Um voranzukommen, müssen wir jedoch bestimmte Überzeugungen in Frage stellen und bestimmte Herausforderungen überwinden.

Wir müssen also weiter hinterfragen

Ob Arbeit – die aufgrund des technologischen Fortschritts, der künstlichen Intelligenz … immer knapper werden wird – weiterhin der Weg ist, um die Existenz zu sichern. Zusammen mit dem Glauben, dass Arbeit das ist, was uns würdig macht. Aus dem Humanismus heraus bejahen wir, dass jeder Mensch allein dadurch würdig ist, dass er geboren wurde.

Die Akzeptanz und Resignation, dass es arme Menschen gibt, wo es doch so viel Reichtum gibt.

Und das führt uns zu der Frage, wessen materieller und immaterieller Reichtum sich heute in immer weniger Händen befindet. Und die Antwort ist einfach: Reichtum ist das Ergebnis der Arbeit von Generationen und Generationen, plus den aktuellen Beitrag der gesamten Menschheit, und deshalb muss er an alle zurückgegeben werden. Und eine Möglichkeit, damit zu beginnen, ist ein Grundeinkommen.

Wir brauchen auch eine klare Unterscheidung von Grundeinkommen und Mindesteinkommen. Viele Menschen wollen sich auf die neuartige Idee eines Grundeinkommen einlassen, aber sie tun dies mit alten Vorstellungen. So vermischen sie etwas, das wir sehr gut kennen. Sie schlagen ein Einkommen für die Armen vor, das am Ende zu einem Grundeinkommen wird, obwohl es sich um unterschiedliche Dinge handelt, das eine ist bedingt und das andere bedingungslos. Sie gehen auch von unterschiedlichen Konzeptionen aus, die erste basiert auf Wohltätigkeit und das BGE basiert auf den Menschenrechten, dem elementarsten, das die Existenz sichert.

Wie können wir andererseits das BGE zu einer übergreifenden Forderung machen, die von Bewegungen aller Art, Feminist:innen, indigenen Völkern, Student:innen usw. aufgegriffen wird. Es wird eine entscheidende Anzahl von Verfechtern generiert, die verlangen, dass die Regierungen das Problem an der Wurzel packen und aufhören, auf eine Politik zu setzen, die einigen wenigen auf Kosten der Verarmung der Mehrheit zugutekommt?

Wie können wir mit Ländern umgehen, die weder über eine ausreichende wirtschaftliche Aktivität noch über Mechanismen und öffentliche Politiken verfügen, um Mittel für deren Umsetzung zu generieren? Länder mit großen Ressourcen, die aber von großen „Unternehmen“ mit der unverzichtbaren Hilfe korrupter Diktator:innen geplündert werden, deren Bevölkerung aber verarmt bleibt… Wie können wir Ökonom:innen, Spezialist:innen und Aktivist:innen in diesen Ländern helfen, Lösungen zu finden, um ein Grundeinkommen umzusetzen?

Wie können wir im Norden faire Beziehungen aufbauen, die eine Zukunft für alle eröffnen, und beginnen, die Vergangenheit zu reparieren, in der wir dem Süden so viel Schaden zugefügt haben?

Wie können wir sicherstellen, dass es in Zukunft ein gleiches Grundeinkommen für den ganzen Planeten gibt?

Die Bewältigung dieser vielen Herausforderungen ist nicht einfach, aber wenn wir auf den Fortschritten aufbauen, die wir gemacht haben, und anfangen, Bilder einzusetzen, die von Bedingungslosigkeit sprechen, werden wir der Möglichkeit näher kommen, die Existenz für die gesamte Menschheit zu sichern und damit einen Pfeiler jener neuen globalen Zivilisation zu legen, nach der viele von uns streben.

Ich danke Ihnen sehr!

Die Veröffentlichung erfolgt im Rahmen unserer Medienpartnerschaft mit Pressenza

Über die Autorin

Juana Perez Montero FB

Juana Pérez Montero
Journalistin und Dokumentarsprecherin, sie ist Aktivistin und Redakteurin von Pressenza in Spanien

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