Index für Wohlergehen von Mensch und Natur

Index für Wohlergehen von Mensch und Natur
Foto: Pixabay CC/PublicDomain

Index für Wohlergehen von Mensch und Natur

Wie es Menschen, Natur und Wirtschaft weltweit geht, beantwortet der Sustainable Society Index (SSI) der TH Köln. Diesen Maßstab erheben die Forschenden seit dem Jahr 2000 für 213 Nationen. Er basiert auf 21 Indikatoren und ist frei verfügbar, kommt also in Forschung und Lehre, Wirtschafts- und Politikberatung zum Einsatz.

Jetzt liegen die Daten für das Jahr 2018 vor. Sie zeigen: Während sich die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse für viele Menschen weltweit tendenziell verbessert haben, leidet die Umwelt.

Zustand der Umwelt verschlechtert sich weltweit
Erfolg macht zufrieden Foto: Pixabay CC/PublicDomain

Für seine Analysen greift das interdisziplinäre Forschungsteam der TH Köln unter anderem auf die Datenbestände der Weltbank, des Weltwirtschaftsforums, der US-amerikanischen Energiebehörde und des Internationalen Währungsfonds zurück. Zu diesen Daten zählen etwa der Zugang zu Nahrung und Trinkwasser, Einkommensverteilung, Biodiversität, der Anteil erneuerbarer Energien oder die Staatsverschuldung. Für jeden Indikator wird ein Wert zwischen 1 und 10 ermittelt, wobei 1 für ein besonders schlechtes und 10 für ein hervorragendes Ergebnis des jeweiligen Indikators steht.

„Die 21 Indikatoren fassen wir in sieben Kategorien zusammen, die wiederum die Grundlage unserer drei finalen Dimensionen sind: Human Wellbeing, Enviromental Wellbeing und Economic Wellbeing“, sagt Prof. Dr. Susann Kowalski vom Schmalenbach Institut für Wirtschaftswissenschaften der Hochschule. So stehe beispielsweise Deutschland beispielsweise beim Wohlergehen der Menschen mit 8,8 Punkten auf Rang 20 von insgesamt 213 Ländern – zwischen dem Spitzenreiter Bermuda mit 9,7 und Schlusslicht Äquatorialguinea mit 2,7, heißt es in einer Pressemeldung der Kölner Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen.

Daten zeigen: Umweltschutz und wirtschaftserfolg sind häufig Gegensätze

Während das Wohlergehen der Menschen und das der Wirtschaft häufig im Gleichklang stehen, sind die ökologische und die wirtschaftliche Dimension in der Regel gegenläufig, wie das Beispiel Deutschland zeigt: Während das Land bei der wirtschaftlichen Betrachtung mit 7,5 Punkten unter den oberen 15 Prozent zu finden ist, rangiert es mit 3,3 Punkten und Platz 147 in Fragen der Umwelt auf den hinteren Plätzen.

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Global hat sich der Zustand der Umwelt zwischen 2000 und 2018 von 4,7 auf 4,4 verschlechtert, mit einem Tiefpunkt von 4,1 im Jahr 2013. Dem stehen langsame positive Entwicklungen gegenüber: Das Wohlergehen der Menschen ist von 6,2 auf 7,1 Punkte gestiegen. „In der minimalen Grundversorgung haben sich die Länder angeglichen, was erst mal eine gute Nachricht ist. Hier kommt die wichtige Aufgabe auf uns zu, die Indikatoren für Human Wellbeing im Sinne eines aktuellen Verständnisses von Nachhaltigkeit anzupassen, um die großen globalen Unterschiede auch künftig abzubilden“, sagt Prof. Dr. Babette Brinkmann von der Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften der TH Köln.

Anwendungsfelder des Index

Genutzt wird der SSI vom Team der TH Köln unter anderem in Beratung, Forschung und Lehre: „Unternehmen können beispielsweise in Hinblick auf das neue Lieferkettengesetz ihre Beschaffungswege kontrollieren und soziale, ökologische und wirtschaftliche Risiken ihrer internationalen Aktivitäten abschätzen“, sagt Prof. Dr. Wolfgang Veit vom Schmalenbach Institut für Wirtschaftswissenschaften.


Untersucht wird zudem etwa, wie resilient Gesellschaften sind oder welche Werte Menschen in Bezug auf die Nachhaltigkeit vertreten. Auch zahlreiche studentische Arbeiten basieren auf dem Datenmaterial. Nicht zuletzt nutzen Staaten den Index, wie etwa das französische Umweltministerium in einer Untersuchung zur Nachhaltigkeit in Frankreich.

Der Sustainable Society Index wurde von der niederländischen Sustainable Society Foundation initiiert. 2020 hat die TH Köln die Verantwortung für die Weiterentwicklung und Pflege des Projekts übernommen. Die Europäische Kommission hat den Index auditieren lassen und in ihren „Composite Indicators & Scoreboards Explorer“ aufgenommen. Da die Datengrundlage für einzelne Indikatoren von den verantwortlichen Organisationen teils erst mit großer Verzögerung veröffentlicht wird, erscheint der vollständige Index immer mit gut drei Jahren Nachlauf. Vorläufige Daten, etwa für das Jahr 2020 sind aber bereits auf der Homepage des SSI erhältlich.

red

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