Invasive Arten: Marderhunde und Waschbären

Invasive Arten: Marderhunde und Waschbären
Marderhund Foto: Dorian Dörge

Invasive Arten: Marderhunde und Waschbären könnten sich in Europa noch stärker ausbreiten

Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums und der Goethe-Universität in einer soeben im Fachjournal „Mammal Review“ veröffentlichten Studie. Das Team ermittelte Gebiete in Europa, in denen ein ähnliches Klima wie in den Heimatregionen der Tiere herrscht und die deshalb von ihnen noch besiedelt werden könnten. Der Marderhund wird als potentieller Reservoirwirt von Coronaviren (u.a. SARS-CoV-2) angenommen; zudem gelten er und der Waschbär in der Europäischen Union als invasive Arten.

Sie stammen zwar aus entgegengesetzten Regionen der Welt und haben doch etwas gemein: Der nordamerikanische Waschbär (Procyon lotor) und der ursprünglich aus Asien stammende Marderhund (Nyctereutes procyonoides) kamen im Laufe des 20. Jahrhunderts als Pelzzucht- und Jagdtiere durch den Menschen nach Europa. Seitdem haben sich beide Arten stark ausgebreitet. Europaweit kommen Waschbären in 20 und Marderhunde sogar in 33 Ländern vor.

„Die Tiere leben in Europa noch nicht überall dort, wo für sie klimatische geeignete Lebensbedingungen herrschen und sie also theoretisch leben könnten. Es ist daher wahrscheinlich, dass das Verbreitungsgebiet von Waschbär und Marderhund in Europa vermutlich noch beträchtlich größer wird“, sagt Dr. Judith Kochmann, PostDoc am Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum und an der Goethe-Universität Frankfurt.

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Waschbär Foto: Pixabay CC0

In ihrer Studie haben Kochmann und ihr Team die Temperatur- und Niederschlagsbedingungen in den Heimatregionen beider Arten – also Nordamerika und Asien, mit Gebieten in Europa verglichen, in denen gleiche Bedingungen herrschen und Waschbär und Marderhund bereits gesichtet wurden. Aus diesem Vergleich leitet das Forscherteam das zukünftige Ausbreitungspotenzial der Arten ab.

„Waschbären und Marderhund sind flexibel, was ihren Lebensraum und ihr Futter betrifft. Zudem haben sie in Europa kaum natürliche Feinde. Man nimmt an, dass ihre natürliche Ausbreitung daher nur durch das Klima begrenzt wird und genau da ist noch ‚Luft nach oben’“, so Kochmann.

Während der Marderhund sich eher zügiger gen Skandinavien und Osten ausbreiten könnten, ist zu erwarten, dass Waschbären stärker südlichere Regionen besiedeln werden. Dieser Unterschied lässt sich vermutlich damit erklären, dass Marderhunde im Winter niedrigere Temperaturen tolerieren, so die Autoren.

Eine der Gefahren, die Waschbären und Marderhund in ihren neuen Verbreitungsgebieten darstellen, ist ihre Rolle als Wirt von Krankheitserregern, zum Beispiel Parasiten und Viren, die teilweise auch auf den Menschen übertragen werden können (sogenannte Zoonosen).

„Waschbären übertragen den Waschbärspulwurm und gelten als Reservoirwirte für das West-Nil-Virus. Marderhunde beherbergen ähnliche Erreger, darunter Lyssaviren, die Tollwut verursachen, canine Staupeviren sowie den Fuchsbandwurm. Außerdem stehen Marderhunde aktuell im Verdacht, als Reservoirwirte für Coronaviren – u.a. SARS-CoV-2 – zu fungieren“, erklärt der Parasitologe Prof. Dr. Sven Klimpel, Goethe-Universität Frankfurt und Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum. Er fügt hinzu: „Welche Erreger die Arten in Europa in sich tragen, erforschen wir aktuell in unserem Verbundprojekt ZOWIAC ‚Zoonotische und wildtierökologische Auswirkungen invasiver Carnivoren’“.

Die Studie soll helfen, die aus epidemiologischen Überlegungen wichtige Überwachung der Verbreitung der Tierarten zu unterstützen. Mit Einbeziehung von Landnutzungsdaten und kleinskaligeren Modelle kann dann künftig die Populationen entsprechend kontrollieren werden. (Quelle: Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum)

Kochmann, J., Cunze. S. and Klimpel, S. (2021): Climatic niche comparison of raccoons (Procyon lotor) and raccoon dogs (Nyctereutes procyonoides) in their native and non-native ranges. Mammal Review, doi: 10.1111/mam.12249

red

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