Masken-Müll müsste nicht sein

Masken-Müll müsste nicht sein

zeit.de: Masken auf den Straßen sind zum Alltag geworden. Dabei gibt es sichere Alternativen, die mehrfach getragen werden können. Ihr Problem: die neue Fixierung auf FFP2.

Wenn Christian Adlhart eine Chemie-Vorlesung hält oder eine Arztpraxis betritt, dann tauscht er seine dunkelblaue Livinguard-Pro-Maske aus durch eine weiße OP-Maske. Seine Mehrwegmaske aus einem antiviralen Material schützt zwar mindestens so stark gegen eine Covid-Ansteckung. „Aber will ich das meinen Studierenden im Hörsaal erklären? Die Hochschule schreibt Hygienemasken vor, und so zeige ich eben, dass ich hinter den Maßnahmen stehe“, sagt Adlhart. Was ihn stört: dass all die Masken am Ende des Tages auf dem Boden herumliegen.  

Lesen Sie auch:

Zu wie viel zusätzlichem Müll in der Natur die Pandemie geführt hat, bezifferte kürzlich eine Studie im Fachmagazin Nature. Sie nutzte für elf Länder einen Datensatz der App Litterati, mithilfe derer Menschen fotografisch dokumentieren, welchen Müll sie wo gesehen und aufgehoben haben. Bevor die Weltgesundheitsorganisation den Notfall ausrief, machten Masken demnach weniger als 0,01 Prozent aus. Von März 2020 an hätten sie ein exponentielles Wachstum hingelegt, bis Oktober 2020 stieg ihr Anteil auf 0,84 Prozent des dokumentierten verstreuten Mülls.

Das mag zunächst nicht nach sonderlich viel klingen. Carsten Spohn vom Verband der Müllverbrenner Itad zufolge haben die Einwegmasken das Müllaufkommen in Deutschland auch nicht nennenswert verändert. „In der Tonne merkt man das weder vom Volumen noch vom Gewicht her“, sagt Spohn. Das Problem sei eher, dass Masken oft nicht ordnungsgemäß entsorgt werden und in die Umwelt gelangen. „Wenn ihre Fasern irgendwann zerfallen, kann je nach Maskentyp auch Mikroplastik entstehen“, so Spohn.

Nicht nur das: Wenn Vögel herumliegende Masken als Material für den Nestbau benutzen, können etwa Küken sich an den Gummibändern strangulieren, warnt die Deutsche Wildtier Stiftung. Maskenteile wurden auch schon in den Mägen von Vögeln und Fischen gefunden.  

Um den Einwegmüll zu reduzieren, empfehlen die Autoren der Nature-Studie unter anderem, auf waschbare Masken zurückzugreifen. Die bunten, teilweise selbst genähten Stoffmasken, die im ersten Corona-Winter das Straßenbild prägten, sind aus gutem Grund verschwunden: Sie haben nicht effektiv gegen das Virus geschützt. Doch parallel zu den Selbstnähtutorials der ersten Welle wurden auch unterschiedliche antivirale Masken entwickelt, die eben doch effektiv schützen… weiterlesen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.