Nachhaltigkeit von Immobilien verbessern

Nachhaltigkeit von Immobilien verbessern
Mit einem neuen, datenbasierten Ansatz beschreitet das Münchener Startup einwert in der Immobilienbranche neue Wege, um Nachhaltigkeit bei Immobilien in deren Bewertung einzubeziehen. Warum dies wichtig ist, sagt im Gespräch mit globalmagazin Co-Geschäftsführerin des Unternehmens, Dr. Christina Mauer.
Wie hängen die Bewertung von Immobilien und Nachhaltigkeit zusammen?

Dr. Christina Mauer : Bewertung und Nachhaltigkeit stehen in einer wechselseitigen Abhängigkeit zueinander. Bei der Immobilienbewertung kommt es auf die Berücksichtigung aller den Wert beeinflussenden Parameter an, die sich zum Beispiel in den Mieteinnahmen oder Instandhaltungskosten ausdrücken. Auch Aspekte der Nachhaltigkeit zählen selbstverständlich dazu und können bei einer Bewertung keinesfalls außen vor gelassen werden.
In wie fern gilt das beim Thema Nachhaltigkeit?
Die Bewertung ist der Schlüssel, Nachhaltigkeit in der Immobilienbranche überhaupt erst voranzutreiben. Ein sehr großer Teil des Immobilienmarktes dient nicht der Eigennutzung, sondern als Kapitalanlage – insbesondere im institutionellen Bereich. Wenn man eine Bestandsimmobilie besitzt, die etwa aus energetischen Gesichtspunkten nicht nachhaltig ist, dann muss man diese technisch und/oder baulich umrüsten lassen, um die Nachhaltigkeit der Immobilie zu verbessern.
Warum ist das für Immobilienbesitzer wichtig?
Von derlei nicht-nachhaltigen Immobilien gibt es extrem viele und immerhin sind Immobilien für fast 40 Prozent des weltweiten Treibhausgasausstoßes verantwortlich. Natürlich ist die Nachrüstung meist sehr kostspielig.
Lesen Sie auch:
Welchen Anreiz haben dann Kapitalanleger, Geld in ihr Investment zu investieren?
Zunächst wäre da eine höhere Auszahlung in der Zukunft, denn es muss sich wirtschaftlich lohnen. Doch um die Investition schätzen oder bemessen zu können, braucht es eine Bewertung. Nur diese kann ein solches Potenzial und den Einfluss auf den Immobilienwert quantifizieren.
Kann man sagen, die Bewertung treibt die Nachhaltigkeit vorwärts?
Bewertung wird zum Katalysator für die nachhaltige Umrüstung von Immobilien.
Genau aus diesem Grund arbeiten wir bei einwert an einer Lösung, die die Auswirkung von Nachhaltigkeitsmaßnahmen auf den Immobilienwert quantifiziert.
Welchen Stellenwert hat Nachhaltigkeit in der Immobilienbranche?
Glücklicherweise einen steigenden. Nicht zuletzt die EU-Taxonomie sowie das Inkrafttreten der ESG-Offenlegungsverordnung aus dem Jahr 2021, die für viele Immobilienmarkt-Akteure Transparenzpflichten zu bestimmten Nachhaltigkeitsaspekten festlegt, hat einiges bewirkt und erste Veränderungen hervorgebracht. Der Stellenwert von Nachhaltigkeit hat sich seither deutlich erhöht, denn niemand möchte offenlegen, dass er ausschließlich in „schmutzige“ Immobilien investiert.
Wie hat dies den Markt verändert?
Die Nachfrage nach nachhaltigen Immobilien ist dadurch gestiegen und „ESG“ hat sich zu einem bedeutenden Schlagwort in der Immobilienpresse etabliert. Aber das allein reicht nicht. Der Stellenwert wird wegen des gesellschaftlichen Umdenkens, der steigenden Energiepreise und weiterer Regulierung immer weiter zunehmen, was wir sehr befürworten.
In welcher Weise kann Nachhaltigkeit den Wert von Immobilien steigern?
Nachhaltigkeit wirkt sich auf die unterschiedlichsten Stellschrauben der Bewertung aus. Zum einen können nachhaltige Lösungen insbesondere im energetischen Bereich enorme Kosteneinsparpotenziale erbringen. Durch die zunehmend steigende Nachfrage nach nachhaltigen Immobilien wird außerdem das Risiko eines künftigen Leerstandes und damit verbundenen Einnahmeneinbußen reduziert, was sich ebenfalls positiv auf den Immobilienwert auswirkt. Wurde nachhaltig gebaut und beispielsweise auf einen nutzungsflexiblen Grundriss geachtet, kann das die Lebensdauer der Immobilie erhöhen, was dem Eigentümer eine verlängerte Einnahmengenerierung und damit auch einen höheren Wert garantiert. Zu guter Letzt wirkt sich eine nachhaltige Immobilie auch positiv auf die Zahlungsbereitschaft von Mietern aus, so ist zum Beispiel das Vorhandensein von mehrfach verglasten Fenstern ein Kriterium für Mieter, durchaus eine höhere Kaltmiete zu zahlen.
An welchen Stellschrauben kann die Nachhaltigkeit von Immobilien gesteigert werden?
Technisch gibt es immer mehr innovative Lösungen, um Immobilien nachhaltiger zu gestalten. Das beginnt bereits beim Herstellungsprozess einer Immobilie, wo auf eine klimafreundliche Konstruktion und auf regionale Rohstoffe zurückgegriffen werden kann, und erstreckt sich schließlich über den gesamten Lebenszyklus bis zum Ende der wirtschaftlichen Nutzungsdauer der Immobilie, wie insbesondere dem Rückbau oder der Umnutzung.
Damit weiten Sie jetzt den Begriff der Nachhaltigkeit weiter aus…
Nachhaltigkeit bedeutet eben nicht nur, energie- und ressourcenschonend zu wirtschaften, sondern auch strukturellen Leerstand zu minimieren oder gar zu vermeiden und Flächenversiegelungen so gering wie möglich zu halten. Als Beispiel wäre eine Quartiersplanung mit Synergiepotenzialen in einer Durchmischung von Nutzungen und kurzen Wegen für die späteren Nutzer, sinnvoll, da in höchstem Maße nachhaltig.
pit


