Neustark entfernt dauerhaft CO₂ aus der Luft

Neustark entfernt dauerhaft CO₂ aus der Luft
Betonrecycling in Berlin-Marzahn Foto: Neustark AG

Neustark entfernt dauerhaft CO₂ aus der Luft

Der Klimawandel ist da und die aktive Entfernung von Treibhausgasen aus der Atmosphäre gewinnt zunehmend an Bedeutung. Zur Begrenzung der globalen Erwärmung auf 1,5 °C setzt der Weltklimarat voraus, dass bis zum Jahr 2050 die Netto-Null-Emissionen erreicht werden müssen. Die Schweizer neustark AG zeigt Pioniergeist und übernimmt eine führende Rolle im Bereich der Carbon Dioxide Removal (CDR) – mit der Entwicklung einer innovativen Negativemissionstechnologie, die bereits heute CO₂ aus der Atmosphäre entfernt.

Damit ist es das erste Unternehmen weltweit, das die Kohlenstoffentfernung durch Mineralisierung in Abbruchbeton in die kommerzielle Praxis umsetzt und ein Netz von Speicheranlagen eingerichtet hat. In der Schweiz sind bereits elf Anlagen in Betrieb. Jetzt folgt der nächste große Schritt: Neustark expandiert nach Deutschland und feiert Ende September in Berlin die Eröffnung seiner ersten internationalen Anlage.

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Aus Abbruchbeton wird eine effektive Kohlenstoffsenke

Mit über einer Milliarde Tonnen pro Jahr ist Abbruchbeton der größte Abfallstrom der Welt. Die Schweizer neustark AG mit Sitz in Bern und das Team um die beiden Gründer Johannes Tiefenthaler und Valentin Gutknecht hält eine revolutionäre Lösung bereit: Diese verwandelt diesen Abfallstrom in eine Kohlenstoffsenke und nimmt die schwer vermeidbaren Emissionen aus der Atmosphäre auf.

Das 2019 als Spin-off der ETH Zürich gegründete Clean-Tech-Unternehmen hat sich in den letzten drei Jahren von ersten Tests über Prototypen bis hin zu einem Netzwerk von Abscheidungs- und Speicheranlagen entwickelt. Dank seiner Mineralisierungstechnologie und der Wertschöpfungskette ist neustark zum führenden Anbieter im schnell wachsenden Bereich von Carbon Dioxide Removal (CDR) aufgestiegen. „Neustark hat als erstes Unternehmen in der Praxis gezeigt, dass die dauerhafte CO₂-Speicherung durch Mineralisierung in Abbruchbeton sowohl wirtschaftlich als auch ökologisch maßgeblich entscheidend ist. Mit unseren Speicheranlagen erzeugen wir jeden Tag fundamentale Negativemissionen, die uns den Klimazielen näherbringen“, erklärt Mitgründer und Co-CEO Johannes Tiefenthaler.

Aufbau einer Wertschöpfungskette

Das wegweisende Verfahren funktioniert entlang des üblichen Recyclingprozesses von Abbruchbeton. Das Unternehmen hat eine Wertschöpfungskette mit mehreren Abschnitten etabliert. Es arbeitet mit Biogasanlagen zusammen, um von ihnen CO₂ abzufangen, das sonst in die Atmosphäre gelangen würde.

Dieses CO₂ wird dann von Partnern wie dem Münchner Unternehmen Landwärme, eines der in Europa führenden Biomethanhandels- und Dienstleistungsunternehmen, zu nahe gelegenen Speicheranlagen transportiert, wo es während des Recyclingprozesses in das Granulat von Abbruchbeton injiziert wird.

Die Technologie von neustark löst einen Mineralisierungsprozess aus, bei dem das CO₂ in Kalkstein umgewandelt und dadurch an die Poren und die Oberfläche des Granulats gebunden wird. Das mit dem CO₂ angereicherte Betongranulat kann im Anschluss unter anderem für den Straßenbau oder die Herstellung von neuem Recyclingbeton verwendet werden. „Damit tragen die Baustoffrecycling-
Partner maßgeblich zur Dekarbonisierung der Bauindustrie bei und leisten einen zusätzlichen Beitrag zum Klimaschutz, indem wir Emissionen aus der Luft entfernen – und zwar dauerhaft“, betont Co-Gründer Valentin Gutknecht.

Verbesserung der Klimabilanz

In den ersten Betriebsmonaten hat neustark bereits mehr als 400 Tonnen CO₂ dauerhaft aus der Atmosphäre entfernt. Ein großer Erfolg im aufstrebenden Sektor der Negativemissionstechnologien, der Potenzial für die Zukunft verspricht. Denn derzeit wird fast die gesamte CO₂-Entfernung durch naturbasierte Methoden wie beispielsweise Aufforstung erreicht. Diese stößt jedoch naturbedingt und platztechnisch an ihren Grenzen. Pro Tonne Abbruchbeton speichert neustark etwa 10 Kilogramm CO₂ – eine einzige Anlage leistet in nur einer Stunde das, wofür 50 Bäume etwa ein Jahr benötigen würden. Das ist eine unerlässliche Ergänzung zur zwingend notwendigen Emissionsminderung.

Auf seinem ehrgeizigen Weg, bis zum Jahr 2030 und darüber hinaus eine Million Tonnen CO₂ aus der Atmosphäre zu entfernen, expandiert das Unternehmen in ganz Europa. In Deutschland, Österreich, Frankreich und der Schweiz werden aktuell verschiedene Anlagen zur punktuellen Abscheidung und Speicherung von CO₂ gebaut und es wurden weitere Partnerschaftsvereinbarungen unterzeichnet. Die neueste und zudem erste internationale Anlage wird im September 2023 im Rahmen einer Veranstaltung von neustark und der HEIMGruppe in Berlin eingeweiht.

Zertifizierungsdprozess Gold Standard

Zunehmend mehr Unternehmen erweitern ihre Klimastrategie und laufenden Maßnahmen, um den Carbon Removal Service. Sie arbeiten mit neustark zusammen, um CDR-Zertifikate zu erwerben und so ihre schwer vermeidbaren Emissionen zu entfernen.

Hierfür hat sich das Unternehmen 2022 mit Gold Standard zusammengetan, einem Best-Practice-Standard vom WWF und anderen internationalen Nichtregierungsorganisationen, der sicherstellt, dass Projekte zur Kohlenstoffreduzierung ein Höchstmaß an Umweltverträglichkeit aufweisen und zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen. In dem Rahmen hat neustark die weltweit erste und bisher einzige Methodologie für technologie-basierte CO₂-Entfernung etabliert. Das Unternehmen dokumentiert seinen Impact jährlich in einem detaillierten Bericht und lässt die CDR-Werte aller Standorte von einer dritten Partei überprüfen. Zu den CDR-Kunden von neustark gehören u.a. UBS, Microsoft und Verdane.

Über Neustark AG

Das Schweizer Unternehmen neustark ist führender Anbieter im schnell wachsenden Bereich von Carbon Dioxide Removal (CDR) und hat eine Lösung zur dauerhaften Speicherung von biogenem CO₂ in recycelten mineralischen Abfällen wie Abbruchbeton entwickelt. Gegründet wurde die neustark AG im Juli 2019 von Valentin Gutknecht und Johannes Tiefenthaler und hat ihren Sitz in Bern.

Jürgen Sulzbacher

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