Nuclear-Free Future Award 2020

Nuclear-Free Future Award 2020
Foto: Unsplash

Die Preisträger*innen des Nuclear-Free Future Award 2020 stehen fest.

Mit dem Preis werden seit 1998 Menschen auf der ganzen Welt geehrt, die sich für das Ende des Atomzeitalters engagieren und Wege aufzeigen, sowohl die militärische wie die zivile Nutzung der Kernenergie zu beenden. Eine international besetzte Jury aus Aktivist*innen und Wissenschaftler*innen wählte in den drei Kategorien Widerstand, Aufklärung, Lösung – dotiert mit jeweils 5000 US-Dollar – die Preisträgerinnen und Preisträger.

Die Nuclear Free Future Foundation klärt über die Gefahren der Nutzung der Atomtechnologie zu zivilen und militärischen Zwecken auf. Ein zentraler Fokus unserer Arbeit ist dabei die Gewinnung des Rohstoffs, ohne den Atombomben und Atomstrom nicht möglich wären: Uran.

Die Awards 2020:

KATEGORIE WIDERSTAND

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Foto: Nuclear Free Future Foundation

Fedor Maryasov und Andrey Talevlin, Russland

Sich in Russland offen gegen den Staat und den Staatskonzern Rosatom zu stellen, der im Land sämtliche Aktivitäten in Sachen Atomkraft koordiniert, bedarf großen Muts. Der Journalist Fedor Maryasov und der Jurist Andrey Talevlin gehören zu denen, die sich das getrauen. 

Fedor Maryasov veröffentlichte über hundert investigative Beiträge zur atomaren Wirklichkeit in Russland und machte die Geheimpläne des staatlichen Atomkonzerns Rosatom publik, ein unterirdisches Endlager für Atommüll in Zheleznogorsk bauen zu wollen, einer geschlossenen Atomstadt in Sibirien. 2013 versuchte er mit einer von 146.000 Menschen unterschriebenen Petition den Plan zu verhindern. Sein Dokumentarfilm „Digging Our Own Grave” – „Wir schaufeln unser eigenes Grab“ – legt die fragwürdigen Geschäftspraktiken von Rosatom offen. Die Folge: Der Geheimdienst setzt ihn unter Druck, der Federal Security Service durchsucht seine Wohnung und beschlagnahmt seinen Computer, und der russische Staat ermittelt gegen ihn wegen „Extremismus“.

Andrey Talevlin studierte Rechtswissenschaften in Tscheljabinsk und ist heute  außerordentlicher Professor für ökologisches sowie Land- und Atomrecht an der Universität Tscheljabinsk. Russische NGOs vertrat er mehrfach vor Gericht. 2002 widerrief der Supreme Court Russlands auf seine Initiative die Einfuhrgenehmigung von 370 Tonnen Atommüll aus dem ungarischen Atomkraftwerk Pak. Nach einer von ihm mitinitiierten internationalen Kampagne gab die deutsche Bundesregierung 2010 den Plan auf, bestrahlten Kernbrennstoff aus einem Forschungsreaktor in die Wiederaufbereitungsanlage Majak zu schicken. Dieses Jahr war er einer der Initiatoren eines offenen Briefes an Kanzlerin Angela Merkel und Präsident Wladimir Putin: 47 NGOs aus Russland, Deutschland und Holland fordern darin, den Export von abgereichertem Uran aus der Urananreicherungsanlage Urenco in die geschlossenen Atomstädte Russlands zu stoppen. Die russische Staatsmacht hat den streitbaren Juristen bereits 2015 als „ausländischen Agenten“ eingestuft.

KATEGORIE AUFKLÄRUNG

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Foto: Nuclear Free Future Foundation

Felice und Jack Cohen-Joppa, USA

Es gibt Menschen, die alles riskieren, um gegen Kernkraft und Atomwaffen zu protestieren. Viele werden dafür vor Gericht gestellt und ins Gefängnis geworfen. Und dann gibt es Menschen, die die Anti-Atom-Gegner unterstützen. Zwei, die ein Leben lang in dieser Form aktiv waren, sind Felice und Jack Cohen Joppa.

Seit 1982 berichten die beiden über ihre Verlags- und Wohltätigkeitsorganisation „The Nuclear Resister“, „Der atomare Widerständler“, umfassend über Verhaftungen wegen zivilen Ungehorsams gegen die Atomkraft in den Vereinigten Staaten.

Die beiden kennen aber auch die andere Seite, weil sie in den 1970er Jahren in der US-amerikanischen Anti-Atomkraft-Bewegung selbst aktiv waren. Jack Joppa wurde bei Protesten verhaftet und ins Gefängnis gesteckt. Dort gründete er das „National No Nukes Prison Support Collective“, den Vorläufer von: „The Nuclear Resister“. Bis heute haben Felice und Jack Cohen-Joppa mehr als 100.000 Anti-Atom- und Anti-Kriegswaffen-Aktionen dokumentiert.

KATEGORIE LÖSUNGEN

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Foto: Nuclear Free Future Foundation

Ray Acheson, RCW/WILPF, USA

Die US-Amerikanerin Ray Acheson gilt als Stimme der jungen Generation in der internationalen Anti-Atom-Politik. Seit 2005 beschäftigt sie sich mit zwischenstaatlichen Abrüstungsprozessen und setzt sich dabei aus einer antimilitaristisch-feministischen Perspektive für eine Reihe von Abrüstungs- und Rüstungskontrollvorhaben ein. Ein Schwerpunkt ihres Engagements und ihrer Forschung liegt auf Kriegsökonomie und den patriarchalischen und rassistischen Strukturen von Krieg und bewaffneter Gewalt. Als Direktorin von Reaching Critical Will (RCW), dem Abrüstungsprogramm der ältesten Frauen-Friedensorganisation der Welt, der Women’s International League for Peace and Freedom (WILPF) verbindet sie zivilgesellschaftliche Organisationen und stärkt sie durch Netzwerkkoordination. Ray Acheson ist Mitglied mehrerer Lenkungsgruppen bedeutender Koalitionen, darunter die Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN).

Eines der aussagekräftigsten Ergebnisse ihres Einsatzes ist der Vertrag über das Verbot von Atomwaffen (TPNW), der die humanitären Auswirkungen von Nuklearwaffen speziell in Bezug auf Frauen und Mädchen hervorhebt.

Foto: Nuclear Free Future Foundation

KATEGORIE EHRENPREIS (Special Recognition):

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Foto: Nuclear Free Future Foundation

Deb Haaland, USA

Deb Haaland wurde 2018 als eine der ersten indianischen Abgeordneten in den US-Kongress gewählt. Ob Klima oder Covid 19, ob soziale Ausbeutung oder die Beschneidung des National Monuments Bears Ears in Utah – die Stimme der Demokratin Deb Haaland ist in Washington gut zu hören. Derzeit gehört sie zu den Streitern für eine Erweiterung des Radiation Exposure Compensation Act (RECA) von 2019: Die finanzielle Widergutmachung soll auch Uranbergleute nach 1971 mit einbeziehen, ebenso die Trinity Downwinders. Trinity war 1945 der erste Atomtest der Welt – im Land der Mescalero Apachen. Bis heute warten die Nachkommen der verseuchten Opfer auf Widergutmachung. (Quelle: Nuclear Free Future Foundation)

red

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