Regierung verkauft fossile Heizungen als „Klimaschutz“

Regierung verkauft fossile Heizungen als „Klimaschutz“
Foto: Gerd Altmann/Pixabay CC/PublicDomain

Regierung verkauft fossile Heizung als Klimaschutz

Mit dem Bundesförderprogramm „Heizen mit Erneuerbaren Energien“ werden seit 2020 auch Heizungen gefördert, die Erdgas als wesentliche Energiequelle nutzen. Zwischen Januar und Oktober 2020 sind bereits knapp 350 Millionen Euro Fördergeld in diese Heizungsvarianten geflossen.

„Davon profitiert maßgeblich die Gasbranche“, moniert die Deutsche Umwelthilfe (DUH) diesePraxis der Bundesregierung in einer Pressemeldung. Der Verband sieht damit die Klimaziele gefährdet und fordert vom Bundeswirtschaftsministerium einen sofortigen Förderstopp für fossile Heizungsanlagen.

Außen hui, innen pfui“

Seit 2020 fördert das Programm auch Gas-Hybrid-Heizungen und Gasheizungen mit dem sogenannten  Renewable Ready-Label, bemängelt die DUH: „Bei Gas-Hybrid-Heizungen muss nur 25 Prozent der Heizlast des Gebäudes aus regenerativen Quellen kommen, 75 Prozent können durch fossiles Gas gedeckt werden.“ Eine Heizung mit dem Renewable Ready-Label müsse sogar nur anschlussfähig für erneuerbare Energiequellen sein und könne beim Einbau noch komplett mit Gas betrieben werden.

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Ab 2021 wurde das Bundesförderprogramm zum Heizen mit Erneuerbare Energien zu gleichen Konditionen in die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) integriert, so der Verband.

Constantin Zerger, Leiter Energie und Klimaschutz der DUH: „Außen hui, innen pfui: Die Bundesregierung hat ein Gasförderprogramm unter dem Deckmantel des Klimaschutzes auf den Weg gebracht. Hunderte Millionen Euro an Steuergeld werden eingesetzt, um Anreize für den Einbau von fossilen Heizträgern zu schaffen.“ Damit würden Verbraucherinnen und Verbraucher einem unkalkulierbaren Risiko ausgesetzt, denn der Einbau einer neuen fossilen Heizung könne Hauseigentümer und Mieter teuer zu stehen kommen. „Der CO2-Preis wird zukünftig stark ansteigen und mit ihm die Heizkosten für fossile Heizungen“, sagt Zerger.

Das Bundeswirtschaftsministerium müsse das Förderprogramm sofort stoppen und im Sinne des Klimaschutzes abändern: „Steuergelder dürfen nur noch in 100 Prozent erneuerbare Energien fließen“, fordert die DUH.

Bei Hybrid-Heizungen seien staatliche Zuschüsse eigentlich auf 30 Prozent der förderfähigen Kosten begrenzt, in der Kategorie Renewable Ready lägen sie bei maximal 20 Prozent, schreibt der Verband. Mit verschiedenen Bonussystemen der Bundesförderung könnten die Zuschüsse für fossile Heizungen auf bis zu 50 Prozent erhöht werden – etwa durch eine Austauschprämie für Ölheizungen, kritisiert die DUH. Mit dieser solle eigentlich ein Wechsel zu klimafreundlichen Technologien angereizt werden, allerdings gäbe es die Prämie auch für einen Wechsel zu Gas.

Biomasse keine gute alternative als Heizrohstoff

Die Klimaziele im Gebäudebereich können nach Ansicht der DUH mit dieser Förderungspraxis nicht gehalten werden.

„Wir stehen in Deutschland im Heizungssektor an einem entscheidenden Kipppunkt“, meint Constantin Zerger dazu: „Die bestehenden Öl-Heizungen sind im Durchschnitt über 20 Jahre alt, der Modernisierungsdruck ist hoch. Wenn jetzt Öl-Heizungsanlagen wieder durch Gas-Heizungsanlagen ersetzt werden, werden wir noch für Jahrzehnte von fossilen Energieträgern im Wärmesektor abhängig sein. Das kann und darf nicht Ziel einer Bundesförderung sein.Eine klimazielkonforme Förderung darf nicht den Einsatz fossiler Technologien auf Jahrzehnte zementieren. Es dürfen nur noch Anlagen gefördert werden, die ausschließlich auf erneuerbare Wärmetechnologien setzen. Im Rahmen der BEG gilt dies insbesondere für Wärmepumpen und Solarthermieanlagen.“

Auch zusätzliche Anreize für das Heizen mit Biomasse zu setzen, sehen die Umweltexperten kritisch. Bereits heute würden über eine Millionen Wohnungen primär mit Biomasse beheizt, trotz negativer Auswirkungen auf die Luftqualität. Biomasse benötige mehr Fläche als andere Energieträger. Durch die Förderung für Biomasse werd der Flächendruck nur noch verstärkt. „Deshalb muss der Einsatz wirksamer Emissionsminderungstechnik wie Partikelabscheider sowie Nachhaltigkeitskriterien für die Nutzung von Biomasse im Bundesprogramm verbindlich festgeschrieben werden“, betont die DUH.

duh

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