Startup gegen Verschwendung

Startup gegen Verschwendung
Grafik: Byprotex

Startup gegen Verschwendung

Mit den Resten aus der Lebensmittelproduktion oder vom Ackser wollen Andi Wieser und seine Startup-Kollegen von Byprotex künftig Geld verdienen. Digitalisierung soll dies möglich machen. Damit wollen die Neuunternehmer Licht ins Dunkel des Markts mit tierischen und pflanzlichen Abfällen bringen und gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen: Die Produktion etwa in der Kosmetik- oder Pharmabranche könnte günstiger werden und die Preise für Kunden sollen sinken. Zudem würden weniger Reste aus landwirtschaftlicher Produktion verschwendet.

Im global°-Interview erklärt Dr. Wieser, wie das gehen kann.

Sie wollen mit Digitaltechnologie einen Markt aufmischen, in dem Sie selbst lange mitmischten: Wie lange haben Sie sich das vorher angeschaut und warum jetzt der Start mit Ihrem Startup?

Dr. Andi Wieser: Ich war in der Vergangenheit als CFO Finanzchef bei einem Händler für tierische Nebenprodukte tätig. Schon nach kurzer Zeit war mir klar, hier muss sich dringend etwas ändern: So kam mir die Idee zu Byprotex…

Weil?

Byprotext Gründer
Byprotex-Gründerteam mit Dr. Andi Wieser (Mitte) Foto: Byorotex

Ich hatte mich einer Vergangenheit schon immer in diversen managementnahen Funktionen sehr viel mit Prozessoptimierung, Digitalisierung von Schnittstellen sowie mit Steuern, Finanzen und Controlling beschäftigt. Byprotex ist nun ein digitaler, unabhängiger B2B-Marktplatz für den Handel mit tierischen und pflanzlichen Nebenprodukten – Fetten und Proteinen-, pflanzlichen Extrakten, pflanzlichen Abfallprodukten von Brauereien (etwa Treber) sowie von Milch- und Molkereiprodukten (wie Molkeproteine, Fat Powder, Laktosekonzentrate) und ist seit Anfang Februar im Süd-Osten von München an den Start gegangen.

Haben Sie damit Erfolg?

In den letzten Tagen gab es bereits einigen Artikel über uns in diversen überregionalen Tageszeitungen und Fachmagazinen, und wir haben als Sieger den UniCorn Pitch Wettbewerb in Frankfurt und den Münchener Businessplan Wettbewerb gewonnen. Aktuell sind wir von der positiven Medienresonanz total überrascht und davon überzeugt, mit unserer Idee einen großen Mehrwert für die Menschheit liefern zu können.

Sie sprechen von der Intransparenz der Branche. Was ist dort genau das Problem?

Byprotex soll Transparenz in einen bisher weitgehend verborgenen, milliardenschweren Markt bringen. In einen Bereich, der sich beispielsweise mit den Resten des Fleischkonsums befasst: Knochen, Borsten, Fette, Blut und Innereien des Schlachtviehs, aber auch Abfälle aus der Lebensmittelproduktion, Fischabfälle, pflanzliche Nebenprodukte.

Wie kann ich damit Geldverdienen?

Jedes Jahr fallen unglaubliche Mengen solcher Abfall und Nebenprodukte in der Produktion an. Die Preisfindung erfolgt meist per Telefon, Fax oder per Mail und ob die entsprechende Menge überhaupt benötigt wird oder vorhanden ist. Bislang gibt es keine globale Rohstoffbörse für diese speziellen tierischen oder pflanzlichen Nebenprodukte und es fehlt an einer entsprechenden Markt- und Preistransparenz.

Was wird mit Ihrem Online-Marktplatz anders?

Wir sind vier Gründer (neben mir: Sebastian Gottfried, Lubos Cechvala und Florian Bergmann) sowie noch 3 bis 4 weitere IT-Entwickler. Wir haben uns das Ziel gesetzt, auf der Plattform Käufer und Produzenten direkt zusammenzubringen. Der Prozess im Bereich der Transaktionsabwicklung soll weitestgehend automatisiert werden, um den Nutzern Zeit und damit verbundene Kosten zu sparen. Der Nutzer kann sich dadurch weiter auf sein Kerngeschäft konzentrieren. Zudem können über die Plattform neue Geschäftsbeziehungen geknüpft und neue Märkte erschlossen werden.

Das klappt?

Aktuell sind wir noch auf der Suche nach Kapitalgebern, um auch zeitnah unser internationales Vertriebsteam in den jeweiligen Kontinenten aufbauen und unsere IT-Entwicklung noch weiter vorantreiben zu können. Erste Gespräche mit namhaften Investoren laufen aber bereits.

Wer profitiert davon und wie: Werden Endkunden das am Preis (wovon z. B. ) spüren?

Auf der Plattform Byprotex bringen wir wie gesagt Käufer direkt mit dem Verkäufer zusammen und digitalisierten weitestgehend den Prozess im Bereich der Transaktionsabwicklung in der Supply Chain. Eine Handvoll etablierter Makler teilt sich aktuell das Geschäft und kassiert dabei „sehr hohe Margen“ bis zu 40 Prozent. Dies sei möglich, weil niemand außer Maklern über die relevanten Informationen zu Mengenströmen, Abnehmern und Anbietern verfügt. Darüber hinaus wird durch die transparente Bereitstellung von Angebot und Nachfrage ein wwertvoller Beitrag zur Bekämpfung von Lebensmittelverlusten, Ressourcen-Effizienz und Nachhaltigkeit geleistet. Wir hoffen, dass diese Einsparungen auch der Endkonsument spürt, wenn der Preisvorteil etwa an Landwirte, Hundefutter-Käufer, Biodiesel-Konsumenten weitergegeben werden. Profitieren kann davon dann auch die Kosmetik- oder Pharma-Branche.

Laut einer Studio von Mercateo lassen sich im Bereich der Digitalisierung von Einkaufsprozessen Zeit- und Kosteneinsparungen bis zu 40 Prozent erzielen.

Sie wollen Lebensmittelverschwendung eindämmen: Wie?

Laut einer Studie der UN werden jährlich an 940 Milliarden US-Dollar an Lebensmitteln vernichtet. Ein Teil dieser Verschwendung liegt mitunter auch daran, dass teilweise Käufer und Verkäufer von einander nicht Bescheid wissen, welche Menge zu welchem Preis verfügbar ist, wodurch es immer wieder zu entgangen Marktopportunitäten kommt. Kleinere Firmen leisten sich kein eigenes Vertriebsteam und handeln deren verfügbare Menge fast nur ausschließlich über wenige Händler…

Und das werden sie jetzt ändern…

Ja: Byprotex kann hier quasi als verlängerter Vertriebsarm unterstützen, um weltweit neue Kundengruppen zu erschließen oder überhaupt erst einmal einen Handel zu ermöglichen. Durch die transparente Bereitstellung von Angebot und Nachfrage können wir einen weitervollen Beitrag zur Bekämpfung von Lebensmittelverlusten, Ressourcen-Effizienz und Nachhaltigkeit leisten.

Um wieviel lässt sich mit Ihrer Geschäftsidee, die Verschwendung von Lebensmitteln zurückdrängen?

Wir wollen mit unserer Plattform das Ebay / Amazon für tierische und pflanzliche Nebenprodukte werden, um hier der zentrale Marktplatz für Käufer und Verkäufer zu werden.

Das geht dann wie genau?

Indem alle Produkte (sowohl Kauf als auch Kaufgeesuche) auf dieser Plattform eingestellt werden können, schaffen wir eine Markt- und Preistransparenz und tragen einen wertvollen Beitrag zur Bekämpfung der Lebensmittelverschwendung bei. Unter optimaler Ausnutzung im Hinblick auf eine Ressourcen-Effizienz verstehen wir hierbei auch, dass Ware dort von der Wertigkeit idealerweise eingesetzt werden sollte, wo sich der größtmögliche Nutzen ergibt. Dies heißt, Nahrungsmittel als Nahrungsmittel und nicht nur als Dünger in der Endverwertungsstufe.

pit

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