Streuobstwiese: Schön und artenreich, aber bedroht

Streuobstwiese: Schön und artenreich, aber bedroht
BUND fordert zum Tag der Streuobstwiese (24.04.) Maßnahmen zum Schutz der wertvollen Lebensräume.
Sie schenken uns knackiges Obst, bieten unzähligen Tier- und Pflanzenarten ein Zuhause und kühlen die Luft, wenn es draußen heiß wird: Streuobstwiesen sind wahre Schätze unserer Kulturlandschaft. Zum Tag der Streuobstwiese am kommenden Freitag (24.4.) erinnert der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) an ihren unschätzbaren Wert – denn leider verschwinden diese bunten Biotope immer mehr aus unserem Landschaftsbild, ihr Bestand ist zunehmend bedroht.
Caroline Lamps, Leiterin Naturschutzpolitik beim BUND: „Streuobstwiesen sind wunderschön, nicht nur jetzt zur Blütezeit. Sie sind ein unersetzlicher Lebensraum für unzählige Tier- und Pflanzenarten und ein unverwechselbares Merkmal unserer Kulturlandschaft. Doch ihr Bestand ist zunehmend bedroht. Um den Fortbestand langfristig zu sichern, braucht es neue Pflanzaktionen mit einer langfristigen und bestandsgerechten Pflegefinanzierung. Zusätzlich werden Streuobstwiesen durch Neubauvorhaben gefährdet. Wenn Streuobstwiesen aber in neue Siedlungen integriert, statt wegplaniert werden, können sie wunderbare Freiflächen für die Nachbarschaft sein.“
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Bei Streuobstwiesen handelt es sich um eine Form des Obstanbaus, die auf Mehrfachnutzung angelegt ist – Obstanbau und Weidewirtschaft. Die hochstämmigen, verstreut in der Landschaft stehenden Bäume, tragen unterschiedliches Obst wie Äpfel, Birnen, Kirschen, Pflaumen oder Walnüsse. Der BUND engagiert sich seit Jahrzehnten für den Erhalt und die Pflege von Streuobstwiesen vor Ort.
Lamps: „Eine Streuobstwiese bietet Platz für tausende verschiedene Lebewesen und trägt damit zum Erhalt der biologischen Vielfalt bei. Je nach Größe, Standort und Pflegezustand der Anlage können sich bis zu 5.000 verschiedene Tier- und Pflanzenarten in diesem strukturreichen Lebensraum ansiedeln. Wildbienen, Fledermäuse, Vögel, wie Steinkauz oder Grünspecht, Hermeline oder Mauswiesel oder blühende Pflanzen, wie Löwenzahn, Wiesen-Klee, Gänseblümchen, Margerite und Wiesen-Salbe machen die Wiesen so besonders.“
Seit den 1950er Jahren verschwinden immer mehr Streuobstwiesen
Die Konkurrenz um die Flächen, zum Beispiel mit dem intensiven Obstanbau mit hohen Erträgen und starker Beanspruchung der Böden hat traditionelle Formen des Obstanbaus in vielen Gegenden verdrängt. Seit den 1950er Jahren nimmt die Zahl der Streuobstwiesen ab, nach einzelnen Studien in den Jahren bis 1990 um bis zu 70 bis 75 Prozent. Um diese einzigartigen Obstanbauflächen zu schützen, wurden sie im Jahr 2021 in das bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Schleichende Nutzungsänderungen und Flächenkonkurrenz bleiben jedoch erhebliche Gefährdungsfaktoren für Streuobstbestände.
Um diese wertvollen Lebensräume zu erhalten, müssen jetzt gezielte Maßnahmen ergriffen werden:
- regelmäßige, fachgerechte Pflege der Bäume
- Ausweitung der Förderung alter Hochstamm-Obstsorten als „Agroforst“ im Rahmen des Aktionsprogrammes natürlicher Klimaschutz
- langfristige und ausreichende Stärkung regionaler Vermarktungsstrukturen durch Unterstützung von Kommunen, Landwirt*innen und Naturschutzverbänden
Besonders wichtig ist der Stopp von chemisch-synthetischen Dünge- und Spritzmitteln. Zudem fordert der BUND eine einheitliche Kartierung und ein fortlaufendes Monitoring der Streuobstbestände in Deutschland als Basis für den Schutz und die Kontrolle der Umsetzung des Schutzes.
Lamps: „Nur durch ein gemeinsames Engagement von Politik, Gesellschaft und Wirtschaft lässt sich der dramatische Rückgang stoppen und die einzigartigen Ökosystemleistungen der Streuobstwiesen für Klima, Artenvielfalt und Erholung bewahren.
Auch die EU kann einen wesentlichen Beitrag leisten, indem sie zum Beispiel die EU-Kriterien für handelsübliche Waren an „Form“, „Farbe“ und „Größe“ für Obst und Gemüse ersatzlos streicht. Das erleichtert die Vermarktung von Streuobst und ist ein Beitrag zum Bürokratieabbau“.
pm


