Trophäenjagd-Messe: Schau zur Tötung Tausender Tiere

Trophäenjagd-Messe: Schau zur Tötung Tausender Tiere
Foto: Trophyhunting-Report

Trophäenjagd-Messe: Schau zur Tötung Tausender Tiere

Auf dem Jahreskongress von Safari Club International in Nashville (USA) werden Auktionen für Trophäenjagden und Produkte schätzungsweise 6 Millionen Dollar einbringen. Mit dem Geld wird sich das Töten ikonischer Tierarten fortzusetzen.

In Nashville, Tennessee, versammeln sich Tausende Jägerinnen und Jäger auf der Jahreskonferenz des Safari Club International (SCI). Zur Schau kommen nach Schätzungen der Humane Society International (HSI) über 850 Ausstellerinnen und Aussteller aus mehr als 30 Ländern. Der SCI ist einer der größten Jagdverbände weltweit, mit Lobbyvertretungen in über 100 Ländern.

Mehr als die Hälfte der Aussteller auf dem diesjährigen Kongress sind Jagdführerinnen und Jagdführer sowie Ausrüsterinnen und Ausrüster, die Trophäenjagden auf die weltweit am stärksten bedrohten Tierarten wie Elefanten und Löwen anbieten, deren Populationen weltweit zurückgehen. Während der Veranstaltung, die vom 22. bis 25. Februar stattfindet, werden auch Jagden auf Hunderte weitere einheimische und ausländische Tiere – darunter Leoparden, Eisbären, Nashörner, Flusspferde, Wölfe und Grizzlybären – verkauft und beworben. Andere Anbieter*innen werden Schmuck, Accessoires und Dekorationen verkaufen, die aus diesNashville,USA,Lobbyarbeit,en und anderen ikonischen Tierarten hergestellt wurden.

6.000.000 Dollar für die Lobbyarbeit

In diesem Jahr werden die Auktionen schätzungsweise fast 6.000.000 Dollar für den SCI einbringen, um seine Lobbyarbeit zu finanzieren, zu der auch die Reduzierung des Schutzes gefährdeter Arten und die Förderung der Trophäenjagd gehören.

Britischer Gouverneur Sie Henry Heskett Bell posirte 1908 mit Jagdtrophäen Foto: wikimedia commons

Kitty Block, Präsidentin und CEO der Humane Society of the United States, sagt dazu: „Während die große Mehrheit der Amerikaner*innen die Trophäenjagd verabscheut, sammelt Safari Club International weiterhin mit dem Abschlachten von majestätischen Tieren aus aller Welt Geld. Ob bei der Versteigerung einer 100.000 Dollar teuren Jagdreise nach Alaska, bei der Grizzlybären, Elche und andere geliebte Tierarten getötet werden, oder einer 143.000 Dollar teuren Jagdreise auf Löwen und Leoparden in Sambia – SCI macht aus ikonischen, gefährdeten Wildtieren wie Elefanten und Nashörnern beschämende Waren, die nichts anderes mehr wert sind, als eine Trophäe, die man sich an die Wand hängen kann. Das Erschießen von Tieren verursacht nicht nur unermessliches Leid, sondern zerstört auch ihre Familien. Nashville sollte diese widerwärtige Verherrlichung der grundlosen Zerstörung ablehnen.“

Humane Society of the United States und  Humane Society International haben alle Auktionsobjekte des kommenden  Kongresses analysiert, darunter Produkte, die von Aussteller*innen zum Verkauf angeboten werden, sowie Trophäenjagdreisen, die von Ausrüster*innen aus aller Welt gespendet werden. Die Analyse ergab Folgendes:

  • Es werden ungefähr 350 Trophäenjagdreisen versteigert, um bis zu 870 Säugetiere in den USA und im Ausland zu töten, was einem Wert von fast 6 Millionen Dollar entspricht.
  • Zu den Zieltieren gehören Elefanten, Löwen, Nashörner, Leoparden, Eisbären, Flusspferde, Wölfe, Grizzlybären, Giraffen und Luchse.
  • Die Preise für die einzelnen Jagdreisen reichen von 2.500 Dollar für eine Wildschweinjagd in Kalifornien bis 143.000 Dollar für eine 21-tägige Jagd auf Löwen, Leoparden und Steppenwild in Sambia.
  • Zu den weiteren internationalen Jagden gehören eine 5-tägige Großwildjagd in Neuseeland im Wert von 120.000 Dollar, eine 7-tägige Jagd auf Breitmaulnashörner in Südafrika im Wert von 100.000 Dollar und eine 14-tägige Jagd auf Leoparden, Kaffernbüffel und Steppenwild in Tansania im Wert von 85.000 Dollar.
  • Ebenfalls im Angebot ist eine 10-tägige Alaska Braun- und Schwarzbärenjagd für einen Jäger mit Alaskas Gouverneur Mike Dunleavy im Wert von 29.500 Dollar.
  • Zu den beliebtesten Reisezielen für die angebotenen Jagden gehören Südafrika, Kanada, Spanien, Argentinien und Neuseeland.
  • Zu den weiteren Auktionsobjekten gehören: eine mit Rubinen verzierte Bibermütze im Wert von 5.000 Dollar, eine Blaufuchsdecke im Wert von 30.000 Dollar, ein durchgehender Silberfuchs-Pelzmantel im Wert von 18.000 Dollar, eine Nerz-Pufferjacke im Wert von 10.000 Dollar, ein Baby-Alpakamantel im Wert von 2.100 Dollar, eine Tasche mit einem „echten Steppenzebra“ im Wert von fast 800 Dollar, ein Messer mit einem Griff aus Giraffenknochen im Wert von 2.400 Dollar und über 50 Waffenpakete im Wert von über 425.000 Dollar.
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Jeffrey Flocken, Präsident von Humane Society International (HSI), sagte dazu: „Es ist skrupellos, dass das Leben dieser Tiere aus allen Teilen der Welt verkauft und an reiche Elitejäger*innen versteigert wird. Es ist eine ernüchternde Tatsache, dass viele der Arten, die von Trophäenjäger*innen gejagt werden, noch zu unseren Lebzeiten verschwinden könnten. Kurz gesagt, unsere Natur- und Artenwelt hat etwas Besseres verdient.“

Der Jahreskongress ist eine der Hauptfinanzierungsquellen des SCI für seine umfangreichen Lobbyaktivitäten, die darauf abzielen, wichtige staatliche und bundesstaatliche Schutzmaßnahmen für gefährdete Wildtiere aufzuheben und Jägerinnen und Jägern die Einfuhr von Jagdtrophäen und die Ausweitung der Jagdsaison zu erleichtern. Als weltweit größter Importeur von Jagdtrophäen von Säugetieren, die unter das Washingtoner Artenschutzübereinkommen fallen, haben die USA zwischen 2014 und 2018 über 72.600 Jagdtrophäen importiert – über 10.000 davon waren Arten, die unter dem „Endangered Species Act” als bedroht oder gefährdet aufgeführt sind.

Letztes Jahr wurde berichtet, dass der SCI über 1.000.000 Pfund investiert hat, um im Vereinigten Königreich Lobbyarbeit gegen einen Gesetzentwurf zu betreiben, der die Einfuhr von Jagdtrophäen regulierter Arten wie Löwen, Leoparden, Elefanten und Wölfe verbieten würde.

Die SCI-Konferenz findet im Anschluss an Europas größte Jagdmesse „Jagd&Hund“ statt, auf der über 80 Ausstellerinnen und Aussteller Trophäenjagdreisen auf international geschützte Wildtiere verkauften.

Sylvie Kremerskothen Gleason, Landesdirektorin von HSI/Europe in Deutschland, sagt: „Wir können nicht länger das Aussterben ikonischer Arten ignorieren, nur damit Trophäenjägerinnen und -jäger weiterhin den Nervenkitzel erleben können, ihre unethischen Tötungen zur Schau zu stellen. Trophäen international geschützter Arten können weltweit, so auch nach Deutschland, immer noch legal importiert werden. Da so viel auf dem Spiel steht und die große Mehrheit auch der deutschen Bürgerinnen und Bürger das Töten von Tieren für Trophäen ablehnt, ist es an der Zeit, auch in Deutschland ein Einfuhrverbot von Jagdtrophäen durchzusetzen. Als Hauptimporteur dieser schrecklichen Trophäen innerhalb der EU, hat Deutschland hier eine besondere Verantwortung.“

pm

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