Die Energiewende bedroht indigene Gebiete

Die Energiewende bedroht indigene Gebiete
Zum Internationalen Tag der Biodiversität (22. Mai) warnt die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV), dass eine Klimapolitik, die allein auf Emissionssenkung setzt, den Druck auf indigene Gebiete weltweit verschärft.
„Wälder, Flüsse und indigene Territorien werden zunehmend als Rohstoffquelle oder CO₂-Speicher betrachtet. Doch wenn Biodiversität und indigene Rechte dem CO₂-Ziel untergeordnet werden, verschärft das die ökologische Krise, statt sie zu lösen“, erklärt Jan Königshausen, GfbV-Referent für Indigene Völker.
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Indigene Territorien sind geschütte Regionen
Indigene Territorien gehören weltweit zu den am besten geschützten Ökosystemen. Der Schutz Indigener Völker, die diese Gebiete seit Generationen bewahren, ist daher eng mit dem Schutz der Biodiversität verknüpft. Auf einer Konferenz Kolumbiens und der Niederlande zum Ausstieg aus fossilen Brennstoffen im April 2026 warnten indigene Delegierte vor einer Energiewende, die koloniale Muster fortsetzt. Sie betonten: Indigene Territorien sind kein Rohstofflager für die Energiewende. Sie sichern Leben, Kultur und Biodiversität.
Auch Deutschland und die EU stehen diesbezüglich laut Königshausen in der Verantwortung. Die Bundesregierung setze beim Klimaschutz zu stark auf das Versprechen neuer Technologien, CO₂-Kompensation und die Erschließung neuer Rohstofflieferketten. Das verschiebe die Kosten erneut auf jene, die am wenigsten zur Krise beigetragen haben. „Die Biodiversität wird so vom Schutzobjekt zur Verhandlungsmasse“, so der Referent für Indigene Völker.
Ausstieg aus fossiler Wirtschaft bedroht Indigene
„Der Ausstieg aus fossilen Energien muss gemeinsam mit indigenen Vertretern gestaltet werden. Die Klimakrise trifft ihre Gebiete schon jetzt besonders hart und gefährdet ihre Lebensweisen. Nun bedrohen Infrastrukturprojekte und Energieprojekte ihre Territorien zusätzlich. Dazu gehören der Bau von Windkraftparks und Staudämmen, der Abbau von Lithium und Finanzinstrumente wie der Kohlenstoffmarkt. Eine Klimapolitik, die Biodiversität zerstört und indigene Rechte verletzt, kann nicht nachhaltig sein“, betont Königshausen.
Die GfbV fordert deshalb einen Kurswechsel in der Klima- und Biodiversitätspolitik, der Indigene Völker als Partner sieht und konstruktiv einbindet, statt ihnen zu schaden.
Sarah Neumeyer


