So reagierte die Börse auf Leitzinserhöhungen

So reagierte die Börse auf Leitzinserhöhungen
Foto: Hans/Pixabay CC/PublicDomain

So reagierte die Börse auf Leitzinserhöhungen

Zum achten Mal in Folge entschied die Europäische Zentralbank (EZB) im Mai 2023, den Leitzins zu erhöhen. EZB-Präsidentin Lagarde teilte mit, dass noch nicht alles getan sei, um die Inflation einzudämmen und weitere Maßnahmen unumgänglich seien. Heißt: Eine weitere Erhöhung des Leitzinses ist nicht ausgeschlossen – wenngleich bislang noch unklar ist, in welcher Hinsicht. Im Durchschnitt dauert es ein Jahr, bis sich die Wirkung der Zinsänderung auf dem Markt bemerkbar macht.

Diese Gründe haben die Leitzinserhöhung der Banken

Grundsätzlich gilt: Solange die Leitzinsen sich auf einem niedrigen Niveau befinden, wie es in den letzten Jahren der Fall war, sind wir Menschen eher dazu bereit, Geld auszugeben. Durch den vermehrten Konsum erhöht sich auch die Nachfrage nach Konsumgütern, was wiederum die Preise ansteigen lässt. Die Folge dessen kann eine nachfrageinduzierte Inflation sein, die dazu führt, dass die Notenbank den Leitzins erhöht. Sparen wird für die Menschen dann wieder attraktiver, der Konsum nimmt ab und die Preise fallen wieder.

Aktuell steigen die Preise allerdings, da Gas und andere Güter derzeit knapp sind. Es herrscht eine sogenannte angebotsinduzierte Inflation, was bedeutet, dass der oben beschriebene Fall nicht greift.

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Dennoch heben die weltweiten Notenbanken die Zinsen weiter an. Damit soll verhindert werden, dass die aktuell hohen Inflationsraten als neue Norm angesehen werden und sich in Zukunft etablieren.

Die kurzfristigen Auswirkungen der Leitzinserhöhungen an der Börse

Ein höherer Leitzins verlockt zumindest für eine kurze Zeit zum Sparen. Oder besser gesagt: Wir geben das uns zur Verfügung stehende Geld für teure Energie aus und können uns aus diesem Grund nicht mehr viel leisten. Obwohl unser Konsum also faktisch abnimmt, bleibt die Inflation erst einmal auf dem gleichen Level. Güter, die aktuell knapp sind, bleiben auch weiterhin knapp und zudem teuer.

Dies wirkt sich direkt auf die Wirtschaft aus: Der Konsum ist eher schleppend und es kann zu Produktionsausfällen kommen, welche eine Rezession mit sich bringen können. Diese tritt dann ein, wenn die Wirtschaft in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen schwächer wird. Mehr Menschen verlieren im Zuge dessen ihre Arbeitsplätze und Steuereinnahmen fallen weg.

Für Sparer ergibt sich daraus allerdings ein Plus an Guthabenzinsen für Festgeld- und Tagesgeldkonten, gleichzeitig werden jedoch Kredite teurer. Einige der negativen ökonomischen Folgen können gegebenenfalls mit staatlichen Maßnahmen gebremst werden.

Trading und Kredite: Welche Konsequenzen die Leitzinserhöhungen für Sparer haben

Die im Juli 2022 erfolgte Zinswende sowie die nachfolgenden Zinssteigerungen haben allerdings einen leichten Anstieg der Sparzinsen bewirkt. Für Kredite lassen sich aktuelle Zinsen auf Finanzradar.de einsehen.

Auch der Einlagezins ist gestiegen. Legt man zum Beispiel für einen Zeitraum von 12 Monaten einen Betrag von 5.000 Euro fest an, bekam man dafür im Juni 2023 maximal 3,3 Prozent Zinsen jährlich.

Dazu kommt: Die Banken verzichten derzeit weitläufig auf Strafzinsen für hohe Guthaben. Seit dem 21. Juni liegt der Einlagenzins der EZB-Banken für Bareinlagen bei 3,5 Prozent. Auch im vergangenen Jahr war der Zins bereits einmal negativ. Das heißt: Die Bank musste draufzahlen, sofern sie bei der Zentralbank Geld hinterlegen wollten.

So sieht die Zinsprognose für die nahe Zukunft aus

Bei den aktuellen Zinsprognosen orientiert sich die Europäische Zentralbank in erster Linie an der Kerninflation, die nicht etwa temporäre Preiserhöhungen für Lebensmittel und Energie reflektiert, sondern die ökonomischen Erwartungen widerspiegelt.

Diese Kerninflation hat sich nicht bedeutend reduziert: Im Mai 2023 war bei der Europäische Zentralbank von einem Wert von 5,5 Prozent die Rede. Experten gingen im Februar dieses Jahres zudem davon aus, dass die Kerninflation durchschnittlich 4,6 Prozent und somit mehr betragen wird, als noch im Dezember prognostiziert wurde.

Um eine weitere Reduzierung der Kerninflation erreichen zu können, müsste die Notenbank noch weitere Zinsanpassungen durchführen.


Geldanlage und Kryptowährungen: So kann man von der Zinsentwicklung profitieren

Aufgrund der niedrigen Sparzinsen und um Vermögen vor der Inflation zu schützen, wurde lange empfohlen, Geld eher in Sachwerte anzulegen, anstatt es auf dem Konto brach liegen zu lassen. Immobilien oder das Trading mit Aktien sind nur einige dieser Möglichkeiten. Dennoch gehen die Immobilienpreise, die derzeit recht hoch sind, eher langsam zurück. Die Finanzierungskosten sind allerdings auffällig teurer als noch vor einem Jahr. Eine gute Lösung ist daher, seine Geldanlage zu streuen und einen Teil Aktien bzw. ETFs zu investieren sowie einen Teil auf dem Konto zu behalten. Geld, das man für wenige Jahre entbehren kann, ist auch bei einer Bank mit attraktiven Zinsen gut angelegt.

Was Kryptowährungen betrifft, so ist es derzeit nicht ratsam, in Produkte mit starken Schwankungen zu investieren. Seit 2022 verlieren Kryptowährungen zunehmend an Wert – das Verlustrisiko ist höher denn je. Empfehlenswert ist, maximal Geld, das man in den nächsten Jahren sicher nicht brauchen wird, in Kryptowährungen anzulegen.

Samuel Heller

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